«Es war die schönste Zeit meines Lebens»

Vor 20 Jahren ist mit Hans Stucki einer der bekanntesten Schweizer Spitzenköche verstorben. Gemeinsam mit Ehefrau Susy hat er während vier Jahrzehnten auf dem Bruderholz gewirtet und die Region auf die gastronomische Landkarte gebracht.

Nun hat die Bottmingerin Denise Muchenberger, welche über eine grosse mediale Erfahrung (Radio, Zeitungen) verfügt, eine Hommage (Buchwerk) mit persönlichen Rezepten und Anekdoten aus Hans Stuckis Leben veröffentlicht. Was diese späte Würdigung für Witwe Susy Stucki bedeutet – Denise Muchenberger hat für den BiBo gleich selber nachgefragt.

BiBo: Susy Stucki, viele Jahre nach seinem Tod erscheint ein Buch über Ihren verstorbenen Ehemann …
Susy Stucki: Für mich ist diese späte Würdigung wunderschön, Hans hat es verdient. Das Buch ist etwas Besonderes, weil es nicht einfach ein Kochbuch ist, sondern auch Geschichten aus seinem Leben erzählt. Ich hätte mir nichts Besseres vorstellen können und freue mich auch über die vielen positiven Rückmeldungen, die ich erhalte. Unter anderem auch von ehemaligen Gästen.

Das Buch konnte nur entstehen, weil Sie den persönlichen Fundus von Hans aufbewahrt haben
Als ich einmal den Keller ausgemistet habe, wollte ich die grosse Kiste mit all den Rezepten, Dokumenten, Notizen und Zeitungsartikeln weggeben, denn es sind nun doch sehr viele Jahre vergangen. Meine Nachbarin meinte dann: «Mach das nicht!» Zum Glück hat sie interveniert.

Sie und Hans haben 1959 im damaligen Ausflugsrestaurant Bruderholz mit belegten Brötchen gestartet und das Haus zu einer Spitzenadresse in der Region geformt. Was bleibt Ihnen speziell in Erinnerung?
Als wir in den 70er-Jahren den ersten Michelin-Stern bekommen haben. Wir hatten nie im Leben damit gerechnet. Hans war mit den Hunden unterwegs, als das Telefon klingelte. Das war ein einmaliger Moment und wir haben uns von ganzem Herzen gefreut. Fünf Jahre später folgte der zweite Stern, das bleibt ebenfalls unvergesslich.

In einer Anekdote wird die enge Freundschaft von Hans Stucki zum Schweizer Jahrhundertkoch Frédy Girardet beschrieben. Wie wichtig waren Freundschaften für Euch?
Sehr wichtig! Hans hat den Kontakt immer gepflegt und sich für seine Freunde Zeit genommen. Wir sind viel gereist und haben andere Gastronomen und Freunde auf der ganzen Welt besucht. Heute ist das in dieser schnelllebigen Zeit etwas weniger der Fall, so mein Eindruck. Die Herausforderungen sind für die Branche aber auch grösser geworden.

Hans Stucki hat die klassische französische Küche zelebriert, gerne Froschschenkel und Gänseleber aufgetischt. Heute liegen vegane Küchen im Trend.
Es sind andere Zeiten. Auch Lebensmittel-Unverträglichkeiten waren damals seltener als heute. Die Leute haben das bestellt, was wir auf der Karte stehen hatten. Für uns waren es wohl die besten Jahre, die wir als Wirtepaar erleben durften. Auch weil wir bis zuletzt unabhängig bleiben konnten, ohne Sponsor(en). Wenn ich könnte, würde ich die 40 Jahre auf dem Bruderholz noch einmal durchleben, es war die schönste Zeit meines Lebens!

Es ist mir ein persönliches Anliegen, Frau Stucki und Denise für das Gespräch respektive Interview herzlichst zu danken. Und wir sind sicher, dass unsere Leserschaft dieses wunderbare Werk in ihrer Bibliothek haben möchte.

Denise Muchenberger

Die Buch-Vernissage fand in der Buchhandlung Bider & Tanner statt, wo Susy Stucki und Denise Muchenberger (rechts) gemeinsam mit Reinhardt-Verleger Alfred Rüdisühli (links) und Jens Stocker (Bildmitte) die Fragen der Besucher beantworteten. Fotos: Josef Zimmermann/zVg (2)

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