«Diversität ist gerade für politische Anliegen wichtig»

Nicht nur in Bottmingen sind am 9. Februar Kommunalwahlen. Wer den BiBo genau liest (und das tun bekanntlich ja alle!), sieht, dass der Grossteil der Beiträge politischer Natur ist, denn Bisherige und Neukandidierende können sich in dieser Zeitung präsentieren.

Dem Unterzeichneten ist es wichtig, dass diese Chronik keine Wahlpropaganda ist. Explizit nicht. Auch wenn es um Politik geht. Aber in jedem Artikel kann man etwas, auch Politik, hineininterpretieren.
Im Herbst 2019 wurde das Parlament, primär der Nationalrat, jünger, grüner und weiblicher. Nehmen wir dies mal so zur Kenntnis. Viele finden hingegen Lokalpolitik langweilig, ja verstaubt. Wahlbeteiligungen von 30 bis 40 Prozent sind die Folge.
Wenn wir heute Sascha Kuhn porträtieren, dann darum, weil er keine Ausnahme unter seiner Generation sein soll. Vor vier Jahren lernte ich ihn bei den Kommunalwahlen kennen – und schätzen. Ein 19-Jähriger, der für den Gemeinderat kandidierte – und in die Gemeindekommission gewählt wurde. Ein Exot? Nein. Ein aufgeweckter, zeitkritischer Geist. Davon braucht die Gesellschaft mehr. Zu viele seiner Generation sind an Politik desinteressiert und glauben, dass die Party- und Spassgesellschaft «gottgegeben ist». Und sind dazu Konformisten.
Das Interview war für den Fragesteller ein Genuss. Merci, Sascha.

BiBo: Wer ist «Junges Bottmingen»?
Sascha Kuhn: Wir sind ein Zusammenschluss von jungen und motivierten Bottmingerinnen und Bottmingern, die sich gerne vermehrt in der Gemeindepolitik engagieren möchten. Wir sind bereits in diversen Bereichen engagiert; wie zum Beispiel in der Gemeindepolitik, in der Feuerwehr, im Turnverein oder in der Pfadi und möchten dies nun noch in Richtung Kommunalpolitik ausweiten.

Diese neue Gruppierung umfasst sechs Männer und zwei Frauen. Ist das weibliche Geschlecht weniger an Lokalpolitik interessiert? National wurde das Parlament ja grüner, jünger und vor allem weiblicher
Tatsächlich ist es uns leider etwas schwergefallen, junge Frauen für eine Kandidatur zu motivieren, was wir sehr bedauern. Ob das nun am Desinteresse der Frauen liegt, bezweifle ich allerdings. Jedoch denke ich, dass sich allgemein viele junge Menschen nicht auf die politische Bühne getrauen, weil sie das Gefühl haben, dass sie nicht genügend ­Wissen haben, um mitzubestimmen (mitzubestimmen?). Genau das möchten wir mit Junges Bottmingen verändern.
Diversität ist gerade für politische Anliegen enorm wichtig, da es uns ermöglicht, Geschäfte aus den verschiedensten Blickwinkeln zu diskutieren. Betrachten wir die Listen von vielen Parteien, so sind wir leider noch weit davon entfernt. Dies macht uns aber auch umso glücklicher, dass sich mit Selina und Aline zwei äusserst engagierte und interessierte Kandidatinnen aufstellen lassen.

Fehlt der jüngeren Generation (18 bis 25 Jahre) eine Stimme in der Gemeinde? Glauben Sie, dies mit Ihrer Kandidatur ändern zu können?
Definitiv! Junge Leute bringen neue Ideen, dies kann man nicht abstreiten. Natürlich können junge Leute nicht auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen, aber genau das macht sie meiner Meinung nach auch zu einem gewissen Masse neutraler und kreativer. Aber
auch hier, eine gute Durchmischung ist die Lösung und ich glaube fest daran, dazu in den kommenden Wahlen massgeblich beizutragen.

Sie sind der Kopf oder «Das Gesicht» des «Jungen Bottmingen». Glauben Sie, den Sprung in den Gemeinderat schaffen zu können?
Meine Konkurrenz ist stark und kompetent. Sowohl Urs Tester als auch Christian Caderas schätze ich als Personen sowie auch als Gemeinderatskandidaten sehr. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir mit unserem Konzept viele Wähler abholen können, die sich bisher in politischen Gremien respektive von den klassischen Parteien nicht vertreten gefühlt haben. Zudem bin ich nun seit vier Jahren Mitglied der Gemeindekommission und seit beinahe vier Jahren Mitglied der Wahlbehörde. 2018 wurde ich gar Vizepräsident der Gemeindekommission. Somit glaube ich, dass ich auch das nötige Wissen und die nötige Erfahrung für den Posten als Gemeinderat mitbringe.
Zuletzt ist es für uns aber so, dass egal, ob wir den «Sprung» schaffen oder nicht, es die Mühe auf jeden Fall wert war. Das Feedback, welches wir von Leuten in unserem Umfeld, an Anlässe wie dem Neujahrsapéro oder auch im BiBo, auf Social Media und auf unseren Plakaten bekommen, ist absolut umwerfend und stimmt uns extrem glücklich.
Tut die Gemeinde für Jugendliche und junge Erwachsene genügend? BiBo berichtete vor Weihnachten, dass Bottmingen nun über ein Jugendhaus verfügt… das ist sicher keine Selbstverständlichkeit!
Absolut. Ich finde es sehr erfreulich, dass das Projekt «Jugendhaus» nun endlich gestartet ist und ich bin umso stolzer, dass meine Freunde und ich mit unserer Rede vor über vier Jahren vor der Gemeindeversammlung diesen Stein ins Rollen bringen durften. Die Gemeinde hat diesbezüglich wirklich tolle Arbeit geleistet und es war für mich extrem spannend, im Prozess der Ausarbeitung eines Jugendkonzeptes mit der Fachhochschule Nordwestschweiz involviert zu sein. Und das Ergebnis, das darf man schon sagen, ist wirklich toll!

Wie würden Sie einem Ortsfremden Ihr ganz persönliches Bottmingen beschreiben?
Fast schon eine Gretchenfrage. Ich bin in Bottmingen aufgewachsen und auch schon meine Eltern haben den grössten Teil ihres Lebens hier verbracht. Für mich ist Bottmingen ein Ort, den ich als meine Heimat bezeichne, in dem mein Umfeld ist und zu dem ich immer wieder zurückkehren werde. Bottmingen bietet eine unglaubliche Vielfalt von schönen Wohnquartieren für Familien, tolle Infrastruktur wie unsere neuen Schulen und Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten lokale Geschäfte, Wälder, Spazierwege, Nähe zur Stadt und noch so vieles mehr, dass für mich zu maximaler Lebensqualität beiträgt. Dies sehen wir als Motivation für unsere Kandidatur.

Unsere einzige Bitte: Machen Sie von ihrem Stimm- und Wahlrecht Gebrauch. Ob in schriftlicher Form oder mit dem sonntäglichen Gang ins Wahllokal in der Gemeindestube, wo man anschliessend im Dorfmuseum eine Matinée verbringen kann.

Georges Küng

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