Bottmingen hat einen Europa- und Weltmeister im Bogenschiessen

Sport gilt als Lebensschule und ist oft in aller Munde. Es gibt aber Sportarten, die fristen eine Art «Mauerblümchen-Dasein», obwohl sie eigentlich sehr populär sein müssten, weil die meisten Menschen die – spielerische Form – selber ausgeübt haben.

Es gibt kaum jemanden, der nicht schon in der Freizeit (im Garten, in der «Badi», auf einer Wiese) Federball gespielt hat. Die sportliche Form davon heisst Badminton – und ist in Asien der Volkssport schlechthin, während in der Schweiz die allerwenigsten Menschen davon Kenntnis nehmen. Gut, mit der WM 2019 in Basel – und der Tatsache, dass mit Christian Kirchmayr ein Therwiler die nationale Nummer 1 ist – könnte sich dies, hoffentlich, ändern.

Einst spielten die Kinder im Wald – und man bastelte einen Pfeilbogen. Und spielte «Indianerlis». Vor zehn Tagen sahen wir bei unserem Besuch des Robi-Festes in Therwil (BiBo berichtete ausführlich), dass es einen Pfeilbogen-Stand gab. Der sich einer grossen Resonanz, von Jungs und Mädchen, erfreute.

Die sportliche Form von «Pfeilbogenschiessen» heisst Bogensport respektive Bogenschiessen. Und einer der weltbesten Aktiven heisst Quirin Knaack, ist 22 Jahre alt (hat übrigens am gleichen Tag Geburtstag – 10. März – wie der Verfasser dieser Chronik), wohnt seit jeher in Bottmingen und ist der Sohn von Gemeinde- und Landrätin Lucia Mikeler Knaack.

Und wer auf der Homepage http://www.roth-bogensport.de/jobs/quirin-knaack/index.html geht und über diesen jungen Bottminger liest, wird erstaunt feststellen, dass sein internationales Palmarès seit 2011 derart viele Wettkampfsiege und Medaillen an nationalen und internationalen Wettkämpfen umfasst, dass sogar die Auszeichnungen für Cristiano Ronaldo und Lionel Messi verblassen. Dass Bogensport von Amateuren praktiziert wird, wo man nichts (Materielles) erhält, dafür die Aufwendungen selber bezahlt, sei einfach in Erinnerung gerufen. Da wirken die steten Forderungen der regionalen «Fussballgrössen» mit ihrer Standardforderung «wie viel bekomme ich?» wie ein Hohn …

In der Schweiz gibt es zwei Bogensportverbände: Swiss Archery (SA) hat die Disziplinen Target, Field, 3D und Indoor, ist Mitglied bei Swiss Olympic, hat ein Nationalkader und schickt das Kader zur Teilnahme an den Weltcup oder auch an Olympische Spiele. Field Archery Association Switzerland (FAAS) hat nur die Disziplinen Field, 3D und Indoor. Die FAAS schickt Teilnehmer an Europa- und Weltmeisterschaften. Dabei gibt es unterschiedliche Bogen-Typen: Recurve, Compound und Langbogen.

Quirin praktiziert seine Sportart seit 2007. Er kam durch seinen Vater, der ebenfalls ein leidenschaftlicher Bogenschütze ist, zu diesem Sport. Der Bottminger schoss zunächst Langbogen, seit 2008 zielt, schiesst und trifft er auch im Compound. Im Jahre 2010 wurde er in Österreich Vize-Europameister bei den Junioren; die

Steigerung erfolgte ein Jahr später in Australien, wo er sich 2011 als Junioren-Weltmeister feiern lassen durfte. Oder anders ausgedrückt: Ein Bottminger ist Weltmeister in einer Ur-Sportart – und fast niemand (auch nicht die Medien, die so gerne mit reisserischen Titeln über fussballerische «Grosstaten» berichten) nehmen davon Kenntnis. Seltsame Sportwelt ...

In der Zwischenzeit hat Knaack mehrere Schweizer Meistertitel bei den Junioren und seit 2013 bei den Erwachsenen in den Disziplinen Field, Indoor und 3D bei beiden Verbänden gewonnen. Und nun kehren wir in die Gegenwart zurück: Als bisher grössten internationalen Erfolg konnte Quirin Knaack die Europameisterschaft im Feldbogenschiessen, die in Hohegeiss-Harz (Deutschland) ausgetragen wurde, gewinnen. Diese fand vom 31. Juli bis zum 5. August, während einer ganzen Woche, statt. Der Bottminger machte dem Schweizer Nationalfeiertag also alle Ehre – wir wollen hier aber keine Parallelen zu Wilhelm Tell ziehen, der bekanntlich mit der Armbrust bestens umgehen konnte. Diese hat aber mit dem Bogenschiessen nichts gemeinsam. Den jüngsten Erfolg schaffte Quirin Knaack am 27. August anlässlich der Schweizer Meisterschaften in Tenero. Der Bottminger gewann über die Distanz von 50 Metern. «Über diese Distanz hatte ich noch nie gewonnen; der Titelgewinn macht mich darum sehr stolz», so der Bogenschütze im Gespräch mit dem BiBo.

Quirin Knaack ist auch ein Teamplayer, denn in der Schweizer Nationalmannschaft ist er eine Stütze und trägt dazu bei, dass der Schweiz als Equipe durchaus ein hohes internationales Niveau attestiert werden darf. Seit Februar 2017 studiert Quirin in Zürich «Soziale Arbeit» an der Fachhochschule. Und er ist sportlich vielseitig, ja äusserst polyvalent sogar, denn er spielt auch aktiv Fussball und macht an der Basler Firmensport-Meisterschaft mit. Auch da soll er ein Leistungsträger und torgefährlich sein.

Die BiBo-Redaktion und der Reinhardt Verlag gratulieren Quirin Knaack zu seinen grossartigen Erfolgen, welche von der breiten Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen werden. Und hofft, dass er den

Georges Küng

Fotos: zVg

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