Welche Überlegungen, und vielleicht sogar Bedenken bis Ängste, stellt man sich als abgebende Mutter?

Der Verein «Tagesfamilien Bottmingen-Binningen» feiert sein 40-jähriges Bestehen. Und dies mit einem Fest, sozusagen ein «Tag der offenen Türen», im Bottminger Zentrum (BOZ) an der Therwilerstrasse 14. Festbeginn und Türöffnung sind an diesem Samstag, den 17. November, um 14 Uhr.
Im Jahre 1978 war die Welt noch eine «andere». Der Bundesratspräsident hiess Willi Ritschard (ein Arbeitersohn), Ende Juli wies das Landgericht Hamburg die Sexismus-Klage von Alice Schwarzer zurück – und in der Nationnalliga A spielte ein gewisser FC Nordstern, der Arbeiterklub aus dem Kleinbasel, mit.
Aber schon damals war es nicht selbstverständlich, dass in einer Familie nur eine Person (meist der Mann) arbeitete und somit der alleinige «Ernährer» war. Heute hat sich die Arbeits- und Wirtschaftswelt massiv verändert. Auch die Familienformen sind im Fluss – und darum sind Tageseltern (bewusst sagen wir nicht «bloss» Tagesmutter) wichtiger denn je.
Es ist mir ein Anliegen, Frau Corinne Goeggel (Präsidentin der Tagesfamilien Bottmingen-Binningen) für die Vermittlung des folgenden Interviews herzlichst zu danken.

BiBo: Dürfen wir ein paar Angaben zu Ihrer Person haben?
Conny Ohler (Tagesmutter):Mein Name ist Conny Ohler, ich bin verheiratet und habe zwei Kinder (18 und 15 Jahre). Seit 2007 wohnen wir in Bottmingen, wo ich die Spielgruppe «Zum Schärme» übernahm. Ende 2009 stellte ich mich als Tagesmutter das erste Mal zur Verfügung und bin es immer noch. Im Jahre 2010 wurde ich in den Vorstand der Tagesfamilie Bottmingen gewählt.
Javorka Vugs (abgebende Mutter): Ich heisse Javorka Vugs, bin verheiratet und habe eine sechsjährige Tochter. Im Jahre 2012 sind mein Mann und ich von Oberwil nach Bottmingen gezogen, wo wir uns sehr wohlfühlen. Mein Mann arbeitet seit nunmehr über vier Jahren in Deutschland – 300 Kilometer von Basel entfernt – und pendelt somit zwischen Deutschland und der Schweiz. Da ich selbst berufstätig bin, war sofort klar, dass wir Unterstützung für unsere Tochter benötigen würden. Und so machte ich mich vor vier Jahren auf die Suche und kontaktierte den Verein Tagesfamilien in Bottmingen. Nach einem ersten Kennenlern-Gespräch mit Corinne Goeggel übernahm der Verein die Suche nach einer Tagesmutter.

Welche Bedeutung hat die Institution «Tagesfamilien Bottmingen-Binningen»? Wie viele Tagesmütter (eventuell auch Väter) sind aktiv?
Corinne Goeggel (Präsidium von Tagesfamilien Bottmingen-Binningen): Aktuell betreuen in Bottmingen vier Tagesmütter insgesamt elf Kinder und in Binningen sind es vier Tagesfamilien, welche auch elf Kinder in Obhut haben. Im Jahre 2017 wurden 29 Kinder während 6979 Stunden von sechs aktiven Tagesfamilien betreut. Dies bedeutet eine Steigerung von 1034 Betreuungsstunden im Vergleich zum Vorjahr, was gleichzeitig eine neue Höchstzahl für unseren Verein ist. Die steigenden Betreuungszahlen machen deutlich, dass unser zeitgemässes und flexibles Angebot auf eine wachsende Nachfrage stösst. Dies in einem Umfeld, wo auch andere Akteure im Bereich der ergänzenden Tagesbetreuung (Tagesstätten, Kinderhorte) aktiv sind.

Welche Überlegungen, und vielleicht sogar Bedenken bis Ängste, stellt man sich als abgebende Mutter?
Javorka Vugs: Natürlich fragt man sich, wie wird die Tagesmutter mit meinem Kind umgehen? Wie werden sich die beiden verstehen? Wird der Erziehungsstil mit meinem zusammen passen? Wird sie Wert auf Umgangsformen oder Tischmanieren legen und wie flexibel wird sie sein? Letztendlich spielen aber – zumindest war das bei meinem Mann und mir so – Bauchgefühl und Sympathie eine wichtige Rolle. Die Chemie muss stimmen, wie man so schön sagt und man muss als Eltern dafür bereit sein und Vertrauen haben. Bei all den Überlegungen sollte man nicht vergessen, dass man dem Kind ja auch eine Chance gibt, sich in einer anderen familiären Umgebung zu entfalten, was sehr wertvoll ist. Das Kind muss sich wohlfühlen und die Eltern müssen ein gutes Gefühl haben.

Welche Bedingungen/Kriterien muss eine Tagesmutter erfüllen?
Corinne Goeggel: Der Basiskurs muss besucht werden, wo man Grundsätzliches über Erziehung und Pädagogik erfährt. Auch müssen ein Nothelferkurs sowie Weiterbildungen besucht werden. Ein wichtiges Kriterium für mich ist, dass die Tagesmütter mit Leidenschaft, Freude und Respekt die ihnen anvertrauten Kinder betreuen.

Hat die Wirtschaftssituation (der Mann ist meist nicht mehr der alleinige Ernährer der Familie) dazu beigetragen, dass Tagesmütter (Väter) mehr denn je gefragt sind?
Corinne Goeggel: Ja, unbedingt. Die Möglichkeit, individuelle Betreuungsmodalitäten für jedes Kind und jede Familie zu gestalten, kommt den Bedürfnissen der abgebenden Eltern und somit indirekt auch der Wirtschaft auf jeden Fall entgegen. Nach wie vor fordert die wirtschaftliche Situation eine hohe Flexibiliät seitens der Arbeitnehmenden. Es scheint, dass unser Konzept, die familiennahe und somit natürliche Betreuung von Kindern in familiärem Umfeld, die Wünsche von anderen Familien nach persönlicher Betreuung der eigenen Kinder, nach wie vor gefragt ist. Dies vor allem dank dem grossen Einsatz der aufnehmenden Tagesfamilien, welche diese wichtige und erfüllende, aber manchmal auch belastende Aufgabe, mit grossem Engagement und Herzlichkeit erfüllen.

Wie flexibel sind die involvierten «Parteien» – wir denken da an Krankheit, Ferien oder eine unerwartete Absenz?
Conny Ohler: Ich behaupte von mir, eine sehr flexible Tagesmutter zu sein. Wenn es mir neben meinen anderen Terminen möglich ist, so betreue ich auch mal ein Kind an einem anderen Tag – auch wenn es so nicht im Vertrag steht, weil sie sonst keine Betreuungsmöglichkeiten hat. Ferner betreue ich Kinder bis um 19.30 Uhr, da die Mutter bis 19 Uhr arbeitet. Es kommt auch vor, dass ein Kind bei mir übernachtet. Da meine eigenen Kinder schon grösser sind, betreue ich Kinder nun auch in den Ferien, wenn ich nicht selber im Urlaub bin.
Javorka Vugs: Mein Mann und ich sind beide berufstätig, haben keine Familie in der Nähe und sind auf eine flexible Tagesmutter angewiesen. Mit unserer Tagesmutter Conny Ohler hatten wir grosses Glück, sie ist enorm flexibel und hilft uns, wann immer sie es einrichten kann. Im Voraus geplante zusätzliche Betreuungszeiten, Betreuung während den Ferien, aber auch ganz spontane Aktionen, sei es eine kurzfristige Geschäftsreise mit Übernachtung oder eine verspätete Abholung, wenn der Verkehr um Basel mal wieder zusammenbricht – wir können uns auf unsere Tagesmutter verlassen. Die direkte Kommunikation ist sehr einfach und pragmatisch und das schätzen wir sehr!
Ein herzliches Dankeschön an die Damen Ohler und Vugs. Und wir sind sicher, dass übermorgen Samstag viele Interessierte dem 40-Jahre-Bestehen des Vereines «Tagesfamilien Bottmingen-Binningen» ihre Reverenz erweisen werden.

Georges Küng

Samstag, 17. November, ab 14 Uhr
Tagesfamilien Bottmingen-Binningen
Therwilerstrasse 14
4103 Bottmingen

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