In der Ludothek entdecken Sie die Urform des Spielens

Was wir im redaktionellen Teil von Oberwil (jene Ludothek lädt am Sonntag zu einem Spielnachmittag ins «Schnäggedorf» ein) geschrieben haben, zählt auch für Ettingen. In jedem Menschen steckt ein Spieltrieb, auch wenn die Spielformen sich im Laufe der Zeit stets verändert haben.

Es ist eine Institution, die aus dem Dorfalltag nicht mehr wegzudenken ist. Die Rede ist von Ludothek. Wir haben uns mit Gabi Manero unterhalten.

BiBo: Was ist an der Ludothek «neu»?
Gabi Manero: Unser Team ist sehr motiviert und bringt neue Ideen ein. Homepage und soziale Medien als Plattform für Informationen und Werbung. Wir kaufen mehr Spiele als früher, achten auf das Aussehen der Spiele. Also keine «schmuddelige», farblose Sachen. Vor rund zehn Jahren war das nicht nötig; wie alle müssen auch wir Werbung machen und mit innovativen Ideen trumpfen. Neu informieren wir unter dem Namen «Spielverleih», da viele gar nicht wissen, was eine Ludothek ist.

Seit Frühjahr 2018 sind wir im neuen Schulgebäude – also zentraler, heller und grösser als vorher. Die Ludothek Ettingen ist jetzt auch als behindertengerecht zertifiziert. Der Kontakt mit der Bibliothek ist sehr gut, gemeinsame Anlässe sind vorgesehen. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass wir ehrenamtlich arbeiten. Ich betrachte die Ludothek als sinnvolles Hobby. Leider ist es daher schwierig(er), neue Mitarbeiter/innen zu finden. Ende Jahr verlässt uns leider eine Teamkollegin.

Bisher haben wir noch keinen Ersatz gefunden. Wir hoffen mit diesem Bericht das Interesse geweckt zu haben. Auch Rentner sind bei uns herzlich willkommen. Ohne finanzielle Trägerschaft der Gemeinde wäre es nicht möglich, dieses Angebot zu halten. Wir sind sehr dankbar und organisieren als kleinen Dank die Verpflegung am Bring- und Holtag.

Stimmen Sie der These zu, dass in jedem von uns ein «Homo ludens» (spielender Mensch) steckt?
Ja, eigentlich schon. Bloss stellen sich viele unter Spiele machen halt «Eile mit Weile», «Memory» oder «Monopoly» vor. Dabei gibt es so viele tolle Spiele für alle Altersgruppen. Zum Beispiel den Spielmorgen-Ferienpass; die Kinder kommen eher unmotiviert und dann wollen sie gar nicht mehr aufhören zu spielen.

Hat sich die Form des Spielens – wir denken an die Computerisierung und Digitalisierung – nicht grundlegend verändert? Oder böse gefragt: Sind Gesellschaftsspiele ohne Elektronik überhaupt noch gefragt?
Leider ist es heute einfacher, dem Kind ein Handy oder Tablet zu geben als den Weg in die Ludothek unter die Füsse zu nehmen. Mit einem Kind zu spielen, braucht Zeit, die man anders nutzen kann. Obwohl es eine gute Gelegenheit ist, mit Menschen zu reden respektive zu kommunizieren. Während dem Spielen führt man Gespräche und oft öffnen sich die Kinder und erzählen Dinge, die sie sonst nicht herausrücken würden. Es heisst ja auch Gesellschaftsspiele, weil man eben nicht alleine ist. Technische Spiele macht man meist alleine oder hat nur Kontakt über diese (Social) Media. Es gibt auch viele fördernde Konzentrations- und Lernspiele. Es wird auch öfters in Zeitschriften über neue Spiele berichtet und weckt so das Interesse der Konsumenten. Das Thema «Klimawandel» und die Nachhaltigkeit spielen auch eine wichtige Rolle. Weniger Stromverbrauch und auch das Konsumverhalten ändert sich dadurch. Kurzum: Wieso immer alles neu kaufen, wenn man es ausleihen kann.

Wie viele Spiele sind denn im Angebot?
Stolze 256 Spiele! Gesellschaftsspiele Playmobil-Fahrzeuge, Bewegungsspiele und weitere Angebote. Tasche mit tollen Sachen für Kindergeburtstag, Popcornmaschine oder eine Hot-Dog-Maschine. Ich habe gerade einen Tipp bekommen, dass eine andere Ludothek Backformen für Kindertorten im Angebot hat. Vielleicht werden wir das auch in unser Sortiment aufnehmen.

Gibt es den «typischen Ludothek-Benützer»?
Vor allem Familien mit Vorschul-Kindergarten (anfangs Primarschule) nutzen das Angebot. Sie können so die Spiele dem Alter der Kinder anpassen. Erwachsene ohne Kinder kommen eher selten.

Es ist mir ein grosses Anliegen, Frau Manero und dem ganzen Team für das Interview herzlichst zu danken. Und gerade in der kälteren Jahreszeit, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, sind Gesellschaftsspiele in Familie oder über Generationen hinweg wunderbare Möglichkeiten, um von Mensch zu Mensch zu kommunizieren. Etwas, das ihnen die digitalisierte-virtuelle Welt nur sehr bedingt vermittelt.

Georges Küng

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