Tierische Freude am Therapieren

Nathalie Stöcklin ist Therapeutin verschiedener alternativer Behandlungsmethoden wie Akupressur, Cranio-Sacrale-Balance oder Reiki und hat unter anderem Ausbildungen in den Bereichen Tierpsychologie und Shiatsu besucht.

Ihre Stammkunden haben denn oft auch nicht zwei, sondern vier Beine: Zwar behandelt die Ettingerin auch Menschen, doch angefangen hat alles mit einem Pferd. Der BiBo hat sich mit Nathalie Stöcklin unterhalten.

Wie kamen Sie dazu, Tiertherapeutin zu werden?

Ich bin von Kind auf geritten und war immer Tier- und Pferdenärrin. Vor 15 Jahren habe ich ein Pferd übernommen, welches aufgrund einer nicht ausgeheilten Verletzung geschlachtet werden sollte. Ich habe sie freigekauft und ihr damit das Leben gerettet. Zuerst versuchte ich, sie mit herkömmlichen Medikamenten zu behandeln, was aber immer nur für kurze Zeit funktionierte. Dann zog ich Therapeuten alternativer Behandlungsformen bei und von da an wurde ihr Zustand besser. Ich habe dann, um mehr darüber zu erfahren, -einen Schnupperkurs besucht. Die Thematik hat mich so fasziniert, dass ich mich entschlossen habe, mich selbst ausbilden zu lassen. Vor bald einem Jahr habe ich mein Pensum im Büro reduziert und arbeite nun vermehrt in der eigenen Praxis. Menschen und Hunde behandle ich hier in meinem Praxisraum, Katzen bevorzugt in ihrem Zuhause und Pferde besuche ich in den Ställen.

Gibt es Unterschiede bei der Behandlung von Mensch und Tier?

Ein Mensch kann sich verbal äussern, wenn etwas nicht gut ist. Menschen können auch skeptisch sein. Bei einem Tier merkt man es an seiner Reaktion, was gut tut und was nicht. Tiere sind -unvoreingenommen. Die Behandlungstechniken sind aber die gleichen. Kenntnisse der spezifischen Anatomie der Tiere und ihrer Krankheitsbilder sind unerlässlich.

Zu Ihrem eigenen Pferd haben Sie ein Vertrauensverhältnis. Läuft da die Behandlung besonders reibungslos ab?

Im Gegenteil, beim eigenen Tier ist man emotional gebunden und man hat in gewissen Fällen zu wenig Distanz. Da hole ich mir auch gerne mal den Tipp von anderen Therapeuten. Vor Kurzem konnte ich allerdings mein Pferd mit Abklärung durch einen Tierarzt erfolgreich behandeln, nachdem wegen eines Fehltritts Lahmheit aufgetreten war.

Kommt es auch vor, dass sich ein Tier gegen die Behandlung wehrt?

Am Anfang ist es möglich, dass das Tier nicht weiss, was passieren wird und sich etwas sträubt oder sich wehrt, wenn es unangenehm ist. Wichtig ist, dies zu respektieren und nichts zu erzwingen. Wenn die Tiere merken, dass die Behandlung guttut, entspannen sie sich. Aber es gehört zum Berufsrisiko, dass man einmal gebissen oder geschlagen wird. Mir ist das zum Glück noch nie passiert.

Welche Krankheiten haben Tiere, die Ihre Praxis aufsuchen?

Oft wollen die Besitzer für ihre Tiere etwas Gutes tun und gönnen ihnen eine Wellnessmassage oder einen Energieausgleich. Beim Pferd sind es oft Bein- oder Rückenprobleme, auch psychische Probleme können auftreten. Es können sich auch die Probleme des Besitzers auf das Pferd übertragen. Da wäre es dann auch wichtig, dass der Besitzer an sich arbeitet. Denn Ross und Reiter müssen als Team funktionieren. Wichtig sind auch die Fütterung, die Umgebung, der richtige Sattel und viele weitere Faktoren.

Hatten Sie auch schon den Eindruck, dass ein Tier vom Besitzer schlecht behandelt wird?

Ich hatte immer sehr liebenswürdige Tierbesitzer, die sich um das Wohl des Tieres kümmern, natürlich gibt es immer Tipps, was man verbessern kann. Zum Glück habe ich noch nie erlebt, dass einer meiner Patienten von seinem Besitzer misshandelt wurde, dies wäre eine schwierige Situation.

Wie läuft denn die Behandlung eines Pferdes ab?

Zuerst möchte ich vom Besitzer etwas über die Geschichte, das Verhalten und die Haltung des Tieres erfahren. Dabei ist auch wichtig, mit wem das Tier ansonsten noch in Kontakt steht. Dann schaue ich das Gesamtbild des Pferdes an, taste es ab und beginne dann mit der eigentlichen Behandlung.

Und dafür wurden Sie ausgebildet?

Ja, ich habe mit der Akupressuraus-bildung begonnen und im Anschluss Ausbildungen in Cranio-Sacraler-Balance, Shiatsu und Reiki sowie diverse Kurse absolviert. Leider sind die Ausbildungen noch nicht eidgenössisch anerkannt. Für meine Praxis habe ich aber die kantonale Bewilligung vom Veterinäramt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass alternative Therapien keinen Tierarzt ersetzen, sondern ergänzend angewendet werden sollten.

Welche Probleme treten bei Katzen häufig auf?

Das ist sehr unterschiedlich. Etwa apathisches Verhalten, Fressunlust, mattes Fell oder Verletzungen.

Woher kommen denn die Pferde, die zu Ihnen in Behandlung kommen?

Es sind Pferde von Freizeit- oder Sportreitern, ich habe viele ältere Pferdepatienten. Auch Bauern sind offener geworden gegenüber alternativen Behandlungsmethoden. Es wäre sicherlich auch interessant, eine Kuh zu behandeln.

Was empfehlen Sie als Expertin den Menschen im Umgang mit Tieren?

Nebst einem respektvollen Umgang ist es sicherlich wichtig, auf die Bedürfnisse des Tieres zu achten sowie Charakter, Rasse und Alter nicht unbeachtet zu lassen. Gewisse Tiere brauchen mehr Bewegung, andere mehr Kopfarbeit. Man sollte nicht nur beachten, was man selbst will, sondern auch Rücksicht nehmen, was das Tier kann. Wichtig ist auch der Hintergrund des Tieres – kommt es aus einem Tierheim oder aus schlechten Verhältnissen? Was hat es -bereits gelernt? Einerseits ist es wichtig, das Tier Tier sein zu lassen, andererseits ist eine nahe Bindung zwischen Mensch und Tier etwas vom Schönsten, das es gibt.

Offenbar sind Sie ein naturverbundener Mensch

Sehr. Ich hatte immer eigene Tiere oder Pflegetiere. Ich gehe wenn immer möglich, auch bei Wind und Wetter, nach draussen und verbringe viel Zeit in der Natur. Ich bin in der Stadt aufgewachsen, aber jetzt seit sieben Jahren in Ettingen, ich fühle mich hier sehr wohl und möchte nicht mehr zurück.

Danke für das nette Gespräch.

Interview: Caspar Reimer

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