Von der Kunst, als Frau einen Männerchor zu dirigieren

Am kommenden Samstag singt der Männerchor Ettingen an seinem -traditionellen Liederabend. Aus -diesem Anlass hat sich der «BiBo» mit Dirigentin Michèle Hempel-Dorner über Männerchöre, ihre Rolle als Dirigentin, das musikalische -Repertoire und Zukunftspläne unterhalten.

Frau Hempel, Sie dirigieren seit 2013 als Frau einen Männerchor. Wie kann das gut gehen?
Ich war am Anfang keineswegs unumstritten. Der Chor hatte mich nur mit einem knappen Ergebnis zur Dirigentin gewählt. Einige Sänger waren misstrauisch, weil bisher noch nie eine Frau den Chor geleitet hatte. Ein Männerchor ist eine Männergemeinschaft. Einige dachten wohl, ich könnte als Frau stören und sie müssten sich anders benehmen, als dies unter Männern der Fall ist. Mittlerweile haben aber alle Sänger gemerkt, dass ich nicht gefährlich bin.

Ist es denn etwas anderes, einen Männer- statt einen Frauenchor zu dirigieren?
Ja, komplett sogar. Ein Männerchor hat eine ganz andere Energie als ein Frauenchor. Ich glaube, Männer sind auch heute noch hierarchischer organisiert als Frauen. Die Männer haben mich am Anfang geprüft und getestet, ob ich wirklich als deren Chefin tauge. Da kamen teils auch heftigere Sprüche, die es hiess, geschickt zu retournieren. Es muss klar sein, dass ich die Chefin bin. Es hat etwa zwei Jahre gebraucht, bis ich das Gefühl hatte, alle überzeugt zu haben.

Was zeichnet den Männerchor Ettingen aus?
Es ist ein Verein, in dem neben dem Singen auch gerne und gut gefestet wird. Der soziale Aspekt ist extrem wichtig. Jedes Mitglied hat trotz grosser Charakterunterschiede seinen Platz im Chor. Neben dem Festen gehen viele Männer gemeinsam auf Wanderungen oder Ausflüge. Da sind dicke Freundschaften entstanden. Dieses soziale Element finde ich am Ettinger Männerchor ganz grossartig.

Nun aber zum musikalischen Aspekt: Was erwartet uns am kommenden Liederabend?
Wir singen querbeet und in unterschiedlichen Sprachen. Als ich angefangen habe, waren Fremdsprachen fast ein Tabu. Mittlerweile singen wir neben deutschen auch englische, italienische, französische und rätoromanische Lieder. Zudem haben wir ein paar grossartige Solisten, darunter auch ein neues Mitglied, das sich am Samstag präsentieren wird.

Soweit ich weiss, haben Sie auch ein sehr junges Chormitglied …
Ja, Sie meinen Sandro Wieland – er ist frisch dazugekommen. Er ist 26 und unser jüngstes Chormitglied. Sandro komponiert neben dem Chor selber Lieder (Anm. der Redaktion: zu sehen war er am Kulturanlass 2017 der Bürgergemeinde Ettingen) und wird eines davon am kommenden Samstag präsentieren. Zudem gibt es noch eine ganz spezielle Überraschung - dazu darf ich aber nichts sagen.

Hat der Männerchor für das nächste Jahr schon Pläne? Gibt es Spezielles im Programm?
Das wissen wir noch nicht. Nach dem -Liederabend werden wir einen Teil des Repertoires kippen und etwas Neues -dazu nehmen. Dies wird dann geprobt, bis es läuft. Erst dann schauen wir -weiter.

Und wie lange werden Sie noch Dirigentin in Ettingen bleiben?
Da gibt es eigentlich keine Grenze. Ich bin wirklich sehr gerne Dirigentin dieses Chores.

Es geht das Gerücht um, dass es neu auch einen Frauenchor gibt in Ettingen …
Ja genau. Die Idee ist am vergangenen Sommernachtsfest entstanden. Ein paar Frauen haben sich zusammengetan und Sängerinnen gesucht. Quasi aus dem Nichts ist so ein rund 40-köpfiger, relativ junger Frauenchor entstanden. Er heisst Vergissmeinnicht und wird ab Januar offiziell seine Aktivitäten aufnehmen. Ich wurde schon angefragt, ob ich den Chor als Dirigentin leiten will. Das werde ich natürlich sehr gerne tun.

Besten Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Text und Interview: Caspar Reimer

Weitere Informationen:
www.maennerchor-ettingen.ch

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