«Ettigä hilft – weil wir als Dorf zueinander halten»

Nicht nur das Guggerdorf oder das «BiBo-Land», sondern die Weltgemeinschaft steht vor der wohl grös­sten Herausforderung seit Jahrzehnten. Das Coronavirus COVID-19 hat uns förmlich «im Griff» und führt dazu, dass de facto alles, was war, nicht mehr ist. Aber die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Menschen ist beeindruckend – auch in Ettingen.

Sie war früher sozusagen unsere «Ettinger Korrespondentin» – die Rede ist von Ramona Kähny (verheiratet Wunderlin). Und sie hat, zusammen mit zwei Freundinnen «die Nachbarschaftshilfe – Ettigä hilft» ins Leben gerufen. Wir haben mit diesem Team ein Interview (per E-Mail) geführt.

BiBo: Dürfen wir ein paar Eckdaten zur «Nachbarschaftshilfe – Ettigä hilft» erfahren?
Ramona Kähny: Team der «Nachbarschaftshilfe – Ettigä hilft»: Da sich die Ereignisse rund um das Coronavirus überschlagen und insbesondere der Faktor Zeit in dieser Sache relevant ist, hatte Sévérine Gorrengourt am 14. März die Idee, eine Nachbarschaftshilfe in Ettingen aufzubauen. Sie hat von Anfang an die Gemeinde Ettingen, sowie weitere unterstützende Organisationen und Vereine ins Boot geholt. Da sie jedoch noch voll berufstätig war, konnte sie «auf die Schnelle» nicht alles selbst aufgleisen. So kam Ramona Wunderlin dazu, im Moment in Elternzeit mit ihrer fünf Monaten alten Tochter und daher mit etwas mehr Zeit gesegnet. So dachten wir zumindest am Anfang der Woche – bis dann die ersten Zähnchen der Kleinen durchbrachen und auch Ramonas Zeit wieder knapper wurde. Erneut wurde also das Team vergrössert, dieses Mal um Sybille Striby, die aufgrund des angeordneten Homeoffice momentan vermehrt zu Hause ist und tatkräftig mitarbeiten kann.
Hinter «Nachbarschaftshilfe – Ettigä hilft» steht also ein dreiköpfiges Kernteam bestehend aus Ettingerinnen. Wir sind aber auch sehr froh und dankbar, dass die Gemeinde Ettingen das Patronat innehat und dass wir auf die Unterstützung des Vereins «Ettige mitenand», der reformierten Kirchgemeinde Oberwil Therwil Ettingen (OTE) und der römisch-katholischen Kirchgemeinde Ettingen zählen können. Es macht grosse Freude, gemeinsam eine solche Aktion aufzubauen!
Unser grösster Dank gebührt aber, selbstverständlich, allen freiwilligen Helferinnen und Helfern! Ohne sie wäre die Nachbarschaftshilfe nicht möglich.

Können Sie uns Genaueres über die «Nachbarschaftshilfe – Ettigä hilft» sagen und wie sie funktioniert?
Aufgrund der Massnahmen rund um das Coronavirus sind wir wieder vermehrt aufeinander angewiesen. Beispielsweise sollten Menschen, die zur Risikogruppe gehören (über 65-Jährige, Menschen mit Vorerkrankungen), das Haus nicht mehr verlassen und den Kontakt zu Mitmenschen meiden. Das heisst, sie können nicht mehr selbst einkaufen gehen oder Dinge abholen. Allenfalls fehlt auch einfach eine freundliche Stimme, um über Gott und die Welt zu plaudern, weil Besuche nicht mehr sinnvoll sind.
In einer ähnlichen Situation sind alle Personen, die derzeit übermässig ausgelastet sind, wie etwa Pflegepersonal. Und wegen Schul- und Kita-Schliessungen stehen viele Eltern vor einem Betreuungsproblem.
Um in diesen unsicheren Zeiten den Ettingerinnen und Ettingern wo nötig Unterstützung zu bieten, haben wir die «Nachbarschaftshilfe» aufgebaut: Wer sucht Unterstützung? Wer hat Zeit und bietet Unterstützung? Ganz nach dem Motto «Ettigä hilft», weil wir als Dorf zueinander halten.
In der Facebook-Gruppe «Nachbarschaftshilfe – Ettigä hilft» vernetzen wir Ettingerinnen und Ettinger, die auf Unterstützung angewiesen sind, mit Ettingerinnen und Ettingern, die gerne helfen. Wer kann, hilft, wer darauf angewiesen ist, nimmt Hilfe an. Die Unterstützung erfolgt unentgeltlich. Unsere Helferinnen und Helfer betreten keine Häuser und halten den Sicherheitsabstand ein (eine Ausnahme ist hier natürlich die Kinderbetreuung).
Alle, die kein Facebook nutzen, können auch per E-Mail oder per Telefon mit uns Kontakt aufnehmen.

Welches Fazit können Sie nach den ersten Tagen ziehen?
Die Nachbarschaftshilfe ist bestens angelaufen: Bereits in der ersten Woche konnten wir zwölf Helferinnen und Helfer vermitteln! Darunter Unterstützung für ältere Damen und Herren zum Einkaufen sowie Kinderbetreuung für eine berufstätige Mutter. Und auch dem Mattenheim konnten wir schon Hand bieten, weil aufgrund der Massnahmen des Bundesamtes für Gesundheitswesen (BAG) Personal fehlte. Auf jede Anfrage haben sich mehrere Freiwillige gemeldet – es gibt also genügend Menschen, die auch tatsächlich unterstützen möchten und können.
Für uns ist es toll zu sehen, wie in unserem Dorf der Solidaritätsgedanke gelebt wird! Von Herzen DANKE dafür!

Was möchten Sie, via BiBo, der Ettinger Bevölkerung mitteilen?
Haben Sie keine Hemmungen, Unterstützung anzunehmen! Es braucht im Moment uns alle und einen Beitrag von jeder und jedem. Das heisst für den einen, dass er zu Hause bleibt, und für den anderen, dass er aushilft. Wir wissen, dass das Nichts-Tun viele Menschen grosse Überwindung kostet, aber in diesem Fall helfen Sie am meisten, wenn Sie tatsächlich die Füsse hochlegen. Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir diese Krise bald bewältigen!
Treten Sie also unserer Facebook-Gruppe bei oder melden Sie uns via E-Mail oder Telefon, falls Sie oder jemand aus Ihrem Bekanntenkreis um Unterstützung froh ist – Oder falls Sie selbst helfen möchten. Gemeinsam schaffen wir das!

Es ist mir ein Anliegen, Ramona und alle, die helfen, herzlichst zu danken. Mehr denn je ist BiBo DIE Plattform, um in diesen schweren Zeiten gemeinsam gegen dieses Virus, das die Welt lähmt, anzukämpfen. Denn wie Ramona, Sévérine und Sybille treffend anmerken: GEMEINSAM SCHAFFEN WIR DAS!

Georges Küng

Kontaktieren Sie uns:
• Facebook unter www.facebook.com/groups/ettingenhilft
E-Mail unter ettingen-hilft@bluewin.ch
• Telefon unter 077 513 00 11

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