«Da ist der Weg zu den Fischen nicht mehr weit ...»

Gesunde Ernährung mit Nachhaltigkeit unter Berücksichtigung der Natur und Umwelt. Ein schwieriger Spagat. Nicht so, wenn man Fisch gern hat – und diesen in Oberwil erstehen/kaufen kann. Ein lokal verwurzeltes KMU feiert an diesem Samstag sein 10-jähriges Jubiläum im Herzen des «Schnäggedorfes».

Klimawandel respektive -erwärmung (im Wissen, dass gewisse Politiker respektive Parteien dies weiterhin negieren und teils verhöhnen …) und verschmutzte Weltmeere. Und für sehr viele Menschen auf diesem Planeten ist Fisch eine der wichtigsten Ernährungsmittel.
Wir haben uns mit einem Mann (respektive Familie) unterhalten, die im Leimental (Oberwil, sportlich bei der MR Bottmingen) verwurzelt sind.

BiBo: Dürfen wir ein paar Eckdaten zu Ihrer Person und den beruflichen Werdegang erfahren?
Toby Herrlich: Mein Name ist Toby Herrlich und bin seit jeher mit Oberwil verbunden. Auch meine gesamte Schulzeit habe ich in Oberwil absolviert. Nach einer UBS-Banklehre, der Fachhochschule für Wirtschaft/Marketing, diversen Stages im Ausland und Arbeitsengagements im Inland bin ich zuletzt im internationalen Fischhandel «eingetaucht», da ich wohl von zu Hause aus eine Affinität für Fisch und Seafood mitbekommen habe.

Hatten Sie schon immer eine Affinität zum Wasser und zu Fischen?
Seit 1980 bin ich Mitglied der SLRG Oberwil – das heisst praktisch seit der Gründung des Vereins, und bin daher seitdem mit dem Wasser verbunden. Auch mit dem eigenen Verein «OceanSwimmer» haben wir uns für die Meere und ihre Bewohner engagiert. Als Hochsee-Segler, gelegentlicher Padi- und Apnoe-Taucher, Rettungsschwimmer, Seeüberquerer und Schwimmcoach darf man doch sagen, dass ich mich zum Element Wasser hingezogen fühle. Da ist der Weg zu den Fischen nicht mehr weit ...

Die Weltmeere sind, milde ausgedrückt, nicht sehr gesund. Gibt es überhaupt noch Nachhaltigkeit bezüglich des Fischfanges – insbesondere beim Lachs?
Die Weltmeere sind mehreren Drücken ausgesetzt: Verschmutzung (Microplastics), Erwärmung, Überfischung, Übersäuerung. Die Überfischung ist nur ein Teil des Problems. Umso wichtiger ist es, dass man sich bei der Wahl des Fisches über die Herkunft und die Gesundheit des Bestands informiert. Diverse Labels helfen da bei der Auswahl. Unser Nachhaltigkeitsansatz beim Lachs ist es, diesen nur einmal pro Jahr aktiv anzubieten, und mehr auf die Qualität als auf die Quantität zu schauen (unser Rauchlachs zu Weihnachten wurde bereits mehrmals als bester Rauchlachs Norwegens ausgezeichnet!).

«10 Jahre Herrlich‘s Fischlädeli» – ziehen Sie doch ein Fazit! Und mit welchen Herausforderungen sehen sich lokale KMUs generell konfrontiert? Und was darf man zum Jubiläumstag erwarten?
Als Fisch-Importeur für Grossisten schweizweit wurden wir immer wieder angesprochen, ob wir auch ein Angebot für Privatkunden hätten. So entstand die Idee mit dem «Herrlich’s Fischlädeli». Der Eröffnungsapéro fand im Herbst 2009 statt, damals noch an der Mühlemattstrasse 25. Da wir im 2016 für das Grosshandelsgeschäft eigene Büroräumlichkeiten bezogen, mussten wir einen neuen Platz für unser Fischlädeli suchen. Wir wurden fündig im Gschir-Lädeli, bei Judith Warshow-Brun und ihrem Team, an der Hauptstrase 51 in Oberwil. Es entstand so eine ideale Symbiose zwischen uns KMU’s: als shop-in-the-shop kommen unsere Kunden ins Gschir-Lädeli, und Kunden vom Gschir-Lädeli sehen unseren Fisch und neigen oft zu Spontankäufen. So ist jeder zufrieden, denn schlussendlich gehört ein feiner Fisch auf einen schönen Teller.
Die Herausforderungen sind mannigfaltig, denn heute kann man doch so einiges über das Internet beziehen. Der stationäre Handel ist gefordert, mehr denn je. Jedoch sehen wir Chancen in der Nähe zum Kunden, in der Beratung, mit Veranstaltungen – wie diese zum Jubiläum – sowie auch mit der Tendenz, wieder regionaler einzukaufen und die lokalen Geschäfte zu bevorzugen.
Zum 10-jährigen Jubiläum gibt es natürlich wieder Lachs-Brötli und Prosecco (die ersten sind offeriert), geselliges Beisammensein, Austausch und Treffen unter Familien, Freunden und Kunden, diverse Aktionen, nicht zuletzt die Fankleber-Aktion (Fischlädeli-Kleber für die Heckscheibe von Autos), wovon der Fahrzeughalter und Kunde als Dank für die Unterstützung unseres Familienbetriebs von einem Gutschein über 100.– sowie zwei Treuefischli à 50.– profitiert.

Wie würden Sie einem Ortsfremden Ihr ganz persönliches Oberwil beschreiben?
Oberwil ist in den letzten 40 Jahren stark gewachsen. Es mutierte von einem idyllischen Bauerndorf zu einer Vorortsgemeinde, ja Stadt. Viele der alten Traditionen konnten aufrechterhalten werden und werden immer noch gepflegt. Leider wurde das Dorfbild in den 70er-Jahren ein wenig zu forsch der damaligen Zeit angepasst. Dennoch konnte Oberwil in vielen Teilen seinen ursprünglichen Charakter bewahren. Unschlagbar sind natürlich die Infrastruktur mit den Schulen inklusive Gymnasium, die Sportanlagen, das Schwimmbad, die Turnhallen, die vielen Vereine, die Anbindungen an den öffentlichen Verkehr, die Nähe zur Stadt wie auch zum Tri-Regio-Land. Dies macht Oberwil einzigartig und sehr lebenswert.

Es ist mir ein Anliegen, Herrn Herrlich (gracias, Toby) herzlichst für das profunde Gespräch zu danken. Nützen Sie an diesem Samstag die Gelegenheit, um mit einer Familie, die seit Jahrzehnten sich im Kampf für Natur, Umwelt und Weltmeere engagiert, persönlich mehr über nachhaltige Fisch (Lachs) zu erfahren.Georges Küng

Weitere Informationen
www.fischlaedeli.ch

Kontakt | Impressum | BiBo abonnieren