Wenn auf dem Dorfplatz …

Die Aufgabe einer Lokalzeitung, die zugleich Publikationsorgan (unter anderem der Gemeinde Therwil) und Amtsanzeiger ist, besteht darin, über Lokales zu berichten. Mit fairem Journalismus, der aber durchaus kritisch sein darf.

Diese Ihre Zeitung lebt … von der Leserschaft. Von all diesen Menschen, die im 99er-Dorf leben, teils auch hier arbeiten und den Grossteil der Freizeit vielleicht (oder hoffentlich) bei Aktivitäten (egal welcher Art) in den Ortsvereinen verbringen.
Wir sind stolz, dass wir aufmerksame und kritische Zeitgenossen haben. Die auch uns auf die Finger schauen (ja, Journalisten sind weder heilig noch sakrosankt und schon gar nicht Alleswisser!). Einer dieser Leser ist Herr P.S., er ist seit rund zwei Jahrzehnten pensioniert und war in seinem Berufsleben «Hüter des Gesetzes». Wohnen tut er nicht gerade auf dem Dorfplatz, aber in einem (Hoch-)Haus, das bei der «Piazzetta» steht.
Und er hat uns (respektive dem Unterzeichneten) am 5. Oktober einen ein- und handgeschriebenen Brief zukommen lassen. Diesen zitieren wir 1:1 – nachdem ich mit Herrn P.S. ein längeres Telefonat geführt habe. Dem wird in den nächsten Tagen ein persönliches Treffen mit «Käffele» im Ortskern folgen.

Geschätzter Herr Küng!
Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns kontaktieren. Auch dieses Mal ist das Erlebte in der Umgebung «Bahnhofstrasse 21» dringendst publik zu machen.
In der Nacht von Freitag/Samstag (4./5. Oktober) wurde persönlich, von mir, beobachtet, wie ein dunkler Kleinwagen mit rasandem Tempo (mindestens 80 km/h!) über den Parkplatz Richtung Denner-Laden davonfuhr. Dabei hätte der Lenker beinahe vier Fussgänger (junge Burschen) übersehen und wäre ungebremst in sie ­hineingerast. Was da hätte passieren können, brauche ich Ihnen wohl nicht speziell zu erläutern.
Kurze Zeit zuvor wurde zusätzlich die Verglasung der Eingangstüre zur Liegenschaft «Bahnhofstrasse 21» mutwillig zertrümmert. Die unzähligen Scherbensplitter wurden offenbar von einer Mieterin des Hauses entsorgt.
Dass bis dato mehrere Zertrümmerungen und zwei Schwerverletzte stattgefunden haben, interessiert offenbar niemand in dieser Gemeinde. Aber sollte es irgendwann Tote geben, treten die Medien «grossmaulig» in Aktion!
Ich ermahne Sie, Herr Küng, dringenst, dass solche «Ereignisse» medial, im BiBo, publik gemacht werden. Ich erwarte von Ihnen als verantwortlicher Chefredaktor alsbald diese traurigen Ereignisse – auf Ihre Art – publik gemacht werden. Denn sie betreffen und tangieren alle! Ich und viele andere Mitbewohner wären dafür sehr dankbar!

In eigener Sache:
Wie bereits erwähnt, habe ich mit dem Verfasser dieses Schreibens lange telefoniert, wobei er mir weitere (Miss-)Zustände eröffnet hat. Stichworte sind da Alkohol, Drogen, Lärm.
Die BiBo-Redaktion, respektive meine Wenigkeit, nimmt solche Briefe sehr, sehr ernst. Eine Lokalzeitung kann nur prosperieren und zuletzt überleben, wenn sie «am Puls des Geschehens ist», die Macher kennt (wir sind keine Schreibtischtäter, sondern dort, wo Anlässe und Menschen sind) und ein reger Austausch stattfindet.
Sicher, es wird Stimmen geben, die gegen «selbsternannte Dorf-Sheriffs» sind. Die von Denunziantum sprechen. Ich kann jeder Leserin und jedem Leser versichern, dass Herr P.S. dies nicht ist. Ich habe von ihm erfahren, wie er 40 Jahre lang in einem Arbeitssegment tätig war, das sich täglich mit Zeitgenossen beschäftigen muss, welche eigene Gesetze entwickeln … und für die Gesellschaft nichts Gutes tun, sondern vielmehr Leid bringen. Auch dies sei in dieser Deutlichkeit gesagt.
Ich bedanke mich bei Herrn P.S. für sein Schreiben und das informative, ja aufklärende Telefonat und freue mich, mit einem älteren, jedoch vifen und kritischen Zeitgenossen «käffelen» zu dürfen. Auf dem wunderschönen Therwiler Dorfplatz, der – trotz gewissen Vorkommnissen – ein wahres Bijou ist!

Georges Küng

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