Fairness im Sieg, Grösse in der Niederlage

Und wiederum ist das Schweizer Fussball-Nationalteam im Achtelfinale gescheitert. Zum vierten Male gegen einen Rivalen, der – zumindest auf dem Papier – nicht übermächtig war. Trotzdem ist das Public Viewing weiterhin ein grosser Erfolg.

Es war am vorletzten Dienstag (3. Juli), als um 17.53 Uhr der WM-Traum platzte. Die 0:1-Niederlage gegen die Schweden wirkte wie ein Eisregen (obwohl es sommerlich warm war) und manch einer der Matchbesucher schwankte zwischen Enttäuschtung, Frust und Verzweiflung. Wir verweisen auf unsere Zweitchronik (siehe unten/im Sportteil).
BiBo wird jetzt nicht über die Gründe des «Scheiterns» philosophieren oder sich der Thematik, ob Trainer und Spielerauswahl richtig waren. Im Nachhinein hat das Land gefühlte acht Millionen «Besserwisser». Vielleicht nur so viel: Es ist weiterhin keine Selbstverständlichkeit, dass ein Acht-Millionen-Land seit vielen Jahren praktisch an jeder Europa- und Weltmeisterschaft teilnimmt. Es gab auch andere Zeiten, wiewohl uns bekannt ist, dass früher an einer WM-Endrunde nur 16 Mannschaften teilnahmen. Wahrscheinlich ist die mediale (Fussball-)Berichterstattung mitverantwortlich, dass es dieses «schwarzweiss»-Denken gibt. Top oder Flop, hui oder pfui. Natürlich bedauern wir das Ausscheiden der Schweiz; aber wir freuten uns ebenso, dass zum vierten Male (nach den Partien gegen Brasilien, Serbien und Costa Rica) erneut über 1000 Besucher zum Bahnhof-Schulhaus strömten. Und gegen Schweden war das Areal und die Mehrzweckhalle voll. Klein und Gross fieberte mit.
Wir entdeckten zwei Schweden in dieser Menge. Daniel Maglione (44) und Daniel Nilsson (43) sind Nordländer; einer (Maglione) lebt seit 2011 in Therwil (Herr Nilsson ist in Bottmingen wohnhaft), war früher selber Fussballer und Spitzenschiedsrichter. Und ging für die Senioren des FC Therwil auf Torjagd. Dass er nun für den FC Reinach spielt… ist wiederum eine andere Geschichte (haben die Birstaler etwa die Klubkasse geöffnet?). BiBo hat übrigens vor vier Jahren bereits über ihn, respektive seine Gattin (eine Argentinierin) berichtet. Auch die «Gauchos», wiewohl eine Fussball-Macht, sind längst wieder zuhause. Mag dies ein kleiner Trost für die Schweiz sein (Deutschland lässt auch grüssen…).
Daniel Maglione hatte zwei Herzen in seiner Brust, auch wenn er optisch – selbstverständlich – für seine Heimat fieberte. Aber er hatte im Vorfeld des Public Viewing mitgeholfen, die Tische aufzustellen (und vom morgendlichen Regen zu trocknen). Das OK um Ruedi Nohl, Rolf Frei, Esther Feehan, Roland Imboden und Ivo de Rozze ist um jede Mithilfe dankbar. Und nach Abpfiff musste Daniel Nilsson, der als Product Manager bei einer renommierten Weltfirma in Reinach tätig ist, seine Therwiler Kollegen trösten (gell, Andreas F.). Für BiBo machte dieser charismatische Nordländer die folgende Analyse: «Schweden hat optimal gespielt und seine Möglichkeiten ausgeschöpft. Für mich war klar, dass die Schweiz das Spiel machen würde. Schweden hat gut verteidigt, die Schweizer fanden keine Lösungen, oder Lücken, im Schweden-Abwehrverbund. Und bei uns ist das Kollektiv, seitdem Zlatan Ibrahimovic nicht mehr gespielt hat, entscheidend. Die Mannschaft ist solidarisch, es gibt keinen überragenden Individualisten mehr, wie es ‹Ibra› war», so Daniel Maglione. Und ergänzte, dass «die letzten Erfolge vor allem auch dank Trainer Janne Andersson möglich wurden, der schon das bescheidene Nörrköping zum schwedischen Meister gemacht hat», so der Fussball-Experte mit seiner ruhigen, sachlichen Art. Man würde sich wünschen, einige Berufs-Fussballreporter hätten diese Fähigkeiten…

Kurzum: Schweiz gegen Schweden war ein Beispiel, dass Fussball eben doch verbindend sein kann und Freundschaften wegen Sieg oder Niederlage eher vertieft werden. Das Public Viewing in «Därwil» jedenfalls ist «the place to be» während der Fussball-WM, welche an diesem Wochenende zu Ende gehen wird.

Georges Küng

Daniel Nilsson (links) und Daniel Maglione waren wohl die zwei einzigen Schweden beim WM-Match Schweden gegen Schweiz (1:0). Erneut kamen wieder über 1000 Fussball-Anhänger zum Public Viewing, das heuer sämtliche Besucherrekorde pulverisieren dürfte. Fotos: Küng

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