Den Menschen ein Gesicht geben

Am letzten Samstag wurde auf dem Dorfplatz der nationale Flüchtlingstag gefeiert. BiBo hatte vor zwei Wochen in seinem Frontartikel («Last Minute – Eine Flucht ist keine Ferienreise») auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht.

Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen wurde der Austausch zwischen den Bewohnern und Flüchtlingen auf der «Piazzetta» vom Spiel einer Panflöte und kurdischem Gesang begleitet. Kulinarische Köstlichkeiten wie Kuchenwurst, Kebbe und Mhlbia aus Afghanistan, dem Iran oder aus Syrien luden zum Degustieren und Kennenlernen dieser Köstlichkeiten aus fremden Ländern ein. Eine angenehme, gelöste Stimmung wurde so geschaffen, Alt und Jung fühlten sich wohl.

Zurzeit leben 90 Flüchtlinge in Therwil, die meisten kommen aus Syrien und wohnen nun seit einem (bis drei) Jahr(en) im 99er-Dorf. So wie viele dieser Familien ihre Spezialitäten auf der «Piazzetta» anboten, stand auch die neunjährige Zohre mit ihrer Familie hinter einem Stand. Ihre Familie kommt aus Afghanistan und lebt nunmehr seit 17 Monaten in «Därwil». Die aufgeweckte Zohre (welche vor einer Woche bereits mit ihrer Klasse 2b, anlässlich des Kuchenverkaufes, abgebildet war) geht in die 2. Primarklasse des Mühleboden-Schulhauses und spricht schon sehr gut (Schweizer-)deutsch. Als ich sie an diesem Samstagmorgen fragte, ob dieses Zusammentreffen eine Bedeutung oder gar Symbolik für sie hat, antwortete sie mit «Nein». Ihr war es bloss wichtig, dass den Besuchern ihre Leckerbissen schmecken und dass sie mutig bis neugierig sind, diese für uns fremde Speisen zu probieren.

Auch Peter Marbach setzt sich durch das Betreuen der Familien Aliali und Slo (zwei Grossfamilien aus Syrien und kurdischer Abstammung, die im Brunner-Haus wohnen) sowie durch sein Mitwirken am Flüchtlingstag für das Kennenlernen und die Kommunikation zwischen den Menschen ein. «Jedermann/frau kann diese Leute im Alltag kennenlernen, sie gehören zum Dorfbild» so der Lokalpolitiker.

Auch die Organisatoren Gzim Hasanaj und Nathalie Reinau (Leiter der sozialen Dienste Therwil) sind dieser Meinung. Sie möchten «den Menschen ein Gesicht geben», so Gzim Hasanaj. Es sei wichtig, die Geflüchteten nicht als Flüchtlinge anzusehen, sondern als Menschen, die zu den Bewohnern Therwils gehören.

Lucia Mundjer

Foto: Küng

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