Ein Aufatmen und eine Motivationswelle waren spürbar

Der 1885 gegründete TV Therwil ist einer der ältesten und mitgliederstärksten Ortsvereine. Turnvereine sind, trotz des immensen Angebotes an (neuen) trendigen Sportarten, und dem gesellschaftlichen Wandel, keine Anachronismen und prägen weiterhin den Alltag und das Dorfgeschehen.

In (fast) jeder Gemeinde gibt es einen Turnverein – oder eben kurz «TV» genannt. Sicher, im Laufe der Jahrzehnte mussten sich die Turnvereine vielleicht nicht gerade neu erfinden, aber zumindest dem Wandel der Zeit anpassen.
Sei es im Angebot an Sportarten – aus dem einstigen «strammen» Turnen wurde ein vielseitiges Geräteturnen sowie die rhythmische Sportgymnastik. Faustball ist weiterhin eine traditionelle TV-Sportart (und wird leider zu Unrecht als Spiel für ältere, dickbäuchige Männer verschrien), während die Leichtathletik weiterhin einen wichtigen Bestandteil eines TVs einnimmt. Seit gut zwei Jahrzehnten ist auch Unihockey (bis vor 40 Jahren gänzlich unbekannt) eine gerade bei Kindern und Jugendlichen beliebte Sportart – kurzum: Ein Turnverein hat auch heute, zumindest in Therwil, einen gesellschaftlichen-sozialen-sportlichen Stellenwert.

Und es freut uns, dass wir mit der neuen TVT-Präsidentin ein Interview führen durften. Denn der TV Therwil erlebte in den letzten Jahren eine wechselvolle, teils «turbulente» Zeit.

BiBo: Dürfen wir ein paar Angaben zu Ihrer Person erfahren?

Ines Markovsky: Ich bin in Basel geboren und aufgewachsen. Nach einigen Jahren im Ausland habe ich mich vor mehr als 30 Jahren mit meinen beiden Söhnen im Leimental (Therwil und Hofstetten) niedergelassen. Mein Vater war über viele Jahre aktiver Männerchörler in Therwil und das Mitwirken in einem Verein war für ihn und unsere Familie schon immer Tradition. Heute, als Jungpensionärin, freue ich mich, meine freie Zeit für den Turnverein einsetzen zu können.

Sie haben vor einigen Monaten das Präsidialamt beim TV Therwil übernommen. Welchen Bezug haben Sie zum TVT?

Ich bin bereits im Jahre 1993 – gleich nach meiner Rückkehr aus dem Ausland – zum Turnverein gestossen. So konnte ich mich, als Ausgleich zum Büroalltag, bewegen und auch als damalige Neuzuzügerin neue Kontakte knüpfen. Bis heute verbinden mich viele schöne Freundschaften, insbesondere zu den heutigen Seniorinnen. So treffen wir uns auch zu vielen geselligen Anlässen innerhalb und ausserhalb des TV Therwil. Diese Kontakte waren mir auch beim Tod meines Mannes vor ein paar Jahren eine grosse Stütze.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass es im Verein an engagierten Personen und Aktivitäten fehlte. Konnte dieses Manko behoben werden?

Ja, es ist leider so, dass Ämter in einem Vereinsvorstand nicht immer einfach zu besetzen sind. Nach dem Rücktritt des bisherigen Vorstandes an der Generalversammlung (GV) im März dieses Jahres ist es aber gelungen, neue, motivierte Vorstandsmitglieder zu finden. Der neue Vorstand besteht jetzt aus acht Mitgliedern.

Welche Aktivitäten haben seit Ihrer Amtsübernahme denn stattgefunden? Und wie ist der Turnverein eigentlich strukturiert? Welche Riegen und Sportmöglichkeiten gibt es eigentlich?

Seit der ausserordentlichen GV im Juni ist nun der neue Vorstand aktiv. Durch alle Riegen waren ein Aufatmen und eine Motivationswelle spürbar. Man hatte doch kurz etwas Bedenken, wie es weitergehen soll. Neben den traditionellen Turnerriegen Frauen, Seniorinnen und Männer sowie einer Faustball-Mannschaft, sind viele junge Menschen in den Geräteriegen sehr aktiv. An die 100 Kinder und Jugendliche trainieren wöchentlich in elf Riegen mit Begeisterung an diversen Gerätschaften. Diese messen sich an diversen Meisterschaften sehr erfolgreich. Das Interesse ist gross und es besteht sogar eine längere Warteliste, da leider aus Mangel an Hallen im Moment ein Aufnahmestopp besteht. Am 25. November 2017 findet übrigens in der Mehrzweckhalle Therwil auch wieder unsere Jugi-Gym-Show statt. Seit Monaten trainiert unser Nachwuchs an den Geräten, am Boden oder in der Luft für diesen beliebten Turneranlass. Ich bin überzeugt, dass sie uns allen grosse Freude bereiten werden und alle Mamis und Papis stolz machen.

Soll beim TV Therwil denn das Gesellige im Vordergrund stehen – oder gibt es auch «sportliche Ambitionen»?

Das Vereinsleben bietet neben der gesunden Bewegung in der Gruppe auch viel Geselligkeit. Gerade jetzt im Spätsommer fanden beispielsweise die traditionellen Turnfahrten statt. Die Männerriege hat eine zweitägige Wanderung in den Kanton Fribourg unternommen. Die sehr aktiven Frauen waren zwei Tage im Emmental – teils mit dem Velo oder der Pferdekutsche unterwegs. Wir Seniorinnen nehmen es etwas gemütlicher. Unser Tagesausflug führte uns an den Arnisee im Urnerland. Auf solche Anlässe freuen sich alle Turnerinnen und Turner bereits das ganze Jahr. Natürlich gibt es auch das ganze Jahr über immer wieder Anlässe, wo sich Mitglieder des Turnvereins treffen, etwas zusammen unternehmen oder bei Veranstaltungen mithelfen.

Nicht zuletzt ist auch das gemeinsame Bierchen nach der Turnstunde ein wichtiger Bestandteil. Wir wollen natürlich auch im Turneralltag etwas bewegen und diesen attraktiv gestalten. Wir wollen uns weiterentwickeln und strecken auch die Fühler nach interessanten neuen verwandten Sportarten aus. Auch freuen sich unsere Männer, Frauen und Seniorinnen über neue Mitglieder.

Wie würden Sie einem Ortsfremden Ihr ganz persönliches «Därwil» erklären und den Alltag im Dorf schildern?

Dass ich Mitglied im Turnverein und jetzt sogar Präsidentin des Vereins bin, stimmt für mich in allen Belangen, und das ganz besonders in Therwil. Die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Bevölkerung und den Ortsvereinen empfinde ich als sehr positiv und ich sehe es auch als Grund für viele Erfolgsgeschichten in «Därwil».

Wir danken Frau Markovsky für das Gespräch und sind froh, dass der TVT in allerbesten Händen liegt. Und ein engagierter Vorstand hat für einen Aufschwung gesorgt. Und wir sind sicher, dass es noch Platz für weitere Aktivmitglieder hat – ungeachtet des Alters, Geschlechtes und der Affinität zur einen oder anderen Sportart.

Text und Interview: Georges Küng

Die neue Vereinspräsidentin Ines Markovsky (links) mit ihrem Vorstandskollegen Fredy Egli und Christine Brodbeck anlässlich des Empfanges des Jodlerklubs auf dem Dorfplatz. Ein Turnverein ist ein wunderbarer Mix aus Spass und Sport – wie hier die Seniorinnen bei einem ihrer Ausflüge beweisen.Fotos: Küng/zVg

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