GARTENBAD BEIM SCHLOSS BOTTMINGEN
70 Jahre Gartenbad beim Schloss Bottmingen

  15.05.2026 Bottmingen

Gestern vor 70 Jahren – am 14. Mai 1956 – wurde das Gartenbad beim Schloss Bottmingen feierlich eröffnet. Nun feiert das Bad der fünf Trägergemeinden Gemeinden Biel-Benken, Binningen, Bottmingen, Oberwil und Therwil das Jubiläum mit einem kleinen, aber feinen Programm.

Die Idee entstand kurz nach dem Krieg: Binningen, Bottmingen und Oberwil sollten gemeinsam ein grosszügiges Freibad erhalten. Treibende Kraft war der damalige Bottminger Gemeindepräsident Willi Botomino, der ab 1953 den Grundstein für eine ungewöhnliche interkommunale Zusammenarbeit legte. Dass sich Gemeinden für solche Grossprojekte zusammenschlossen, war damals keineswegs selbstverständlich und erforderte oft jahrelange Verhandlungen. Umso bemerkenswerter, dass Binningen und Bottmingen schon bald Einigkeit erzielten – und dass sich Oberwil nach Vorliegen eines generellen Programms ebenfalls anschloss.

Planung und Bau
Anfang 1954 erhielt eine Studienkommission den Auftrag, ein Projekt mit Kostenvoranschlag auszuarbeiten. Als Projektleiter wurde der in Schwimmbadanlagen erfahrene Berner Architekt Hannes Beyeler gewonnen. Der Standort südlich der Schlossanlage Bottmingen erwies sich als ideal: Er lag praktisch in der Mitte der drei Gemeinden, und das benötigte Land befand sich grösstenteils bereits im Besitz Bottmingens. Die Anlage war auf eine Tagesfrequenz von rund 3000 Besuchern ausgerichtet.

Die Gesamtkosten wurden auf rund 1,2 Millionen Franken veranschlagt, aufgeteilt nach Einwohner- und Schülerzahl: Binningen 55 %, Oberwil 25 %, Bottmingen 20 %. Ende September 1954 stimmten alle drei Gemeindeversammlungen zu.

Den Namen «Gartenbad Schloss Bottmingen» mochte der Burgenverein nicht akzeptieren: «Das Weiherschloss Bottmingen ist ein historisches Denkmal und kein Gartenbad.» Mit einer Ergänzung von vier Buchstaben war das Problem elegant gelöst: «Gartenbad beim Schloss Bottmingen».

Die Bauarbeiten begannen unter widrigen Bedingungen. Im regnerischen Dezember 1954 starteten die Aushubarbeiten – der Untergrund aus Lehm, Sumpfablagerungen und Seekreide über einer wasserführenden Birsigkiesschicht bot jede erdenkliche Herausforderung. Tagelang legten intensive Niederschläge die Maschinen still. Um die nötige Bodenstabilität zu erreichen, mussten zusätzlich 10'000 Franken für Kieszufuhren bewilligt werden. Dennoch gelang es, im Februar 1955 den Beton für das Schwimmerbecken frostfrei einzugiessen. Ende Mai liess man das höher stehende Grundwasser durch Metallrohre in den Beckenboden einfliessen. Das Bachwasser zeigte sich zunächst eigensinnig: Da das Bohrloch in der Nähe einer alten Gemeindeabfallgrube lag, verfärbte sich das Wasser rostbraun und musste umgeleitet werden.

Am 14. Mai 1956 wurde das Gartenbad feierlich eröffnet – mit einem Jahr Verspätung gegenüber dem ursprünglichen Plan, aber mit einem Werk, das allseits grosse Anerkennung fand.

Erster Umbau
Nach über 15 Betriebsjahren war eine umfassende Renovation unumgänglich. Die Wasseraufbereitungsanlage genügte dem gewachsenen Besucherandrang nicht mehr, und die Anforderungen an Hygienestandards waren gestiegen. In den Jahren 1971/72 – in nur neun Monaten Bauzeit nach Saisonschluss – wurde das Bad grundlegend erneuert: eine leistungsfähige neue Filteranlage, verstärkte Umwälzpumpen, eine Badewasserheizung auf angenehme 23 Grad sowie ein neuer, zweigeschossiger Pavillon mit Schattensitzplätzen im Erdgeschoss und offener Sonnenterrasse im Obergeschoss. Auch Kiosk und Küche wurden den gestiegenen Anforderungen angepasst. Der Kostenvoranschlag von 1,2 Millionen Franken – exakt gleich viel wie die ursprünglichen Baukosten zwanzig Jahre zuvor – wurde am Ende um rund 200'000 Franken überschritten, was bei einem Umbau mit so vielen unvorhersehbaren Überraschungen im Untergrund kaum verwundert.

Sanierung 1996 und Gegenwart
Zum 40-Jahr-Jubiläum stand erneut eine grosse Sanierung an. Ein ursprünglich geplantes Gesamtprojekt für fast 9 Millionen Franken liess sich mit den Gemeindefinanzen nicht vereinbaren; man einigte sich auf ein reduziertes, aber substanzielles Paket: Sanierung der Beckenanlagen und der Badewassertechnik für rund 3,8 Millionen Franken sowie – nach einem Zusatzkredit – die Einführung eines Strömungskanals im Nichtschwimmerbecken. Am 28. Juni 1996 wurde das frisch sanierte Bad wiedereröffnet. Ein weiterer Meilenstein war die Erweiterung der Trägerschaft auf die Gemeinden Therwil und Biel-Benken am 1. Januar 2020.

Heute, 70 Jahre nach dem ersten Startschuss, steht das Gartenbad beim Schloss Bottmingen für das, was es von Anfang an war: ein Ort der Begegnung, des Sommervergnügens und der gemeinsamen Verantwortung aller Trägergemeinden – mit freiem Blick auf ein mittelalterliches Wasserschloss, der wohl schönsten Badekulisse weit und breit.


Weitere Informationen und Fotos unter www.bottmingen.ch/70gb


Entwicklung der Besucherzahlen

Der Zuspruch des Bads übertraf alle Erwartungen. Im Eröffnungsjahr 1956 kamen über 40'000 Besucher, 1957 bereits über 65'000, 1958 fast 90'000. Bis Ende der 1960er-Jahre stieg die Zahl auf 130'000 – und nach der Einführung der Badewasserheizung 1973 gar auf über 165'000. Das Gartenbad hatte sich als echtes Bedürfnis im vorderen Leimental erwiesen.

Die Besucherzahlen in den letzten 25 Jahren lagen zwar tiefer, doch gab es jeweils in den Hitzesommern (2003, 2005, 2015, 2022) starke Ausschläge nach oben – 2003 verzeichnete man 155'838 Eintritte. Im Amtsbericht 2003 der Gemeindeverwaltung war zu lesen, dass «Personal und Infrastruktur (…) bis an ihre Grenzen und teilweise darüber hinaus belastet» wurden.

2020 konnte die Gartenbadsaison aufgrund der Corona-Pandemie erst 24 Tage später gestartet werden als geplant – die Besucherzahlen brachen in den beiden ersten Pandemiejahren deutlich ein auf noch knapp 80'000. 2025 haben sie sich wieder auf dem Niveau vor der Pandemie eingependelt bei rund 98‘000 Eintritten.


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