«50 Jahre und kein bisschen leise»

  13.08.2026 Oberwil

Unter diesem Motto feiert der Naturund Vogelschutzverein am 12. September seinen runden Geburtstag. Im Vorfeld stellt Präsident Roland Steiner den Verein vor.

An einem heissen Augusttag war es im Garten von Roland Steiner angenehm auszuhalten. Vor dem Gespräch rückte er den Tisch noch mehr unter den Baum, sodass es mehr Schatten gab. Schwalben sausten durch die Luft, ein Rotmilan zog seine Kreise und Schmetterlinge taumelten vorbei. Auf dem Tisch befanden sich neben feinem Holunderblütensirup diverse Dokumente und Flyer, darunter auch die Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum 1985. Ob dies ein Grund zum Feiern sei, wurde darin gefragt und geantwortet: «Sicher, aber auch ein Anlass, um nachzudenken und Bilanz zu ziehen. Gerade in der heutigen Zeit, wo die Sorge zur Natur mit im Vordergrund stehen sollte, hat ein Verein wie unserer eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.»

Ein paar Seiten weiter werden die Bestrebungen des Vereins beschrieben: «Die Freude an der Natur wecken und fördern; die Idee des Natur-, Vogel- und Landschaftsschutzes in der Gemeinde Oberwil fördern; alles unternehmen, um vermeidbare umweltzerstörende Aktionen zu verhindern; Natur- und Vogelschutzgebiete erhalten, sowie neue schaffen und betreuen; mit anderen Organisationen in Bezug auf ähnliche Ziele zusammenarbeiten.»

Rund 40 Jahre später sieht der heutige Präsident des Vereins das genauso.

Steiner ist seit etwa 30 Jahren dabei, seit 14 Jahren in der jetzigen Funktion. «Unser Verein hat aktuell rund 180 Einzelund 40 Familienmitglieder. Wir betreiben immer noch aktiven Naturschutz in der Gemeinde, kümmern uns um Pflege und Erneuerung der Biotope sowie den Unterhalt von etwa 600 Nistkästen und beraten respektive unterstützen die Anwohnenden auf Anfrage», sagte er.

Schwierige Ausgangslage
Beim persönlichen Blick zurück erzählte Steiner, dass die Lage des Naturschutzes in seiner Kindheit Ende der 1960er-Jahre eine Katastrophe gewesen sei. «Mir schien es damals, als sei alles vergiftet. Ich bin in Binningen an einem Bach aufgewachsen, der ist manchmal blau, manchmal rot gewesen und trug Schaum auf der Oberfläche.» Die Landwirtschaft sei immer intensiver und mit mehr Pestiziden praktiziert worden. «So ist es sehr verständlich, dass sich dann eine Bewegung formierte, die eine Verbesserung der Umweltsituation wollte», so Steiner, während eine Wespe interessiert die Sirupgläser erforschte.

«Ich bin schon als Kind sehr naturverbunden gewesen. Ich war fasziniert, wie die Pflanzen nach dem Winter wieder kommen können, das war für mich ein Wunder», erinnerte sich der Präsident und freute sich: «Heute ist alles sehr viel besser, da hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge getan.» Vor allem das Bewusstsein habe sich verändert und es gäbe heute viel Rücksichtnahme und Verständnis, auch bei den Jungbauern. «Ob das jetzt an unserem Einsatz liegt, weiss ich nicht, aber wir haben es natürlich angestrebt.» Ein Blatt fiel auf den Tisch, und eine Libelle zog im Zickzack durch den Garten. Bei Steiner schien die Welt noch in bester Ordnung.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre habe stark die Artenvielfalt und die Ökosysteme betroffen. Manchmal jedoch konnte dem Rückgang effektiv entgegengewirkt werden, wie beim Eisvogel oder dem Storch. «Einst gab es fast keine Störche mehr in der Region, aber durch die erfolgreiche Wiederansiedlung haben wir nun so viele wie noch nie», lachte Steiner. Im Gegensatz zu den grossen Vögeln gehe es den Amphibien nicht sehr gut. «Das Thema ist leider noch nicht gelöst, denn aufgrund der regulierten Gewässer fehlt ihnen der Lebensraum», erklärte Steiner. Manche Arten seien auf die Dynamik des Wassers angewiesen, etwa die Kreuzkröte, die in Flussauen zu Hause sei. Auf dem Gelände des Biotops Ziegelei, einem Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung, habe die Kreuzkröte ideale Bedingungen gefunden.

Anspruchsvoller Vogel
Eine weitere Art, um die sich der Naturund Vogelschutzverein Oberwil kümmere, sei der Steinkauz, der eigentlich aus der Nordwestschweiz verschwunden sei. «Seit über 20 Jahren gibt es Bemühungen, den Steinkauz zu fördern, indem Obstgärten und strukturreiche Landschaft angelegt werden, das haben wir zum Beispiel am Naturschutztag gemacht», so Steiner. Vor drei Jahren wurde in der Nordwestschweiz zum ersten Mal wieder ein Brutpaar des anspruchsvollen Vogels nachgewiesen. «So einen Steinkauz wieder zurückzubringen, ist eine schwierige Sache.»

Ein besonderes Erlebnis, erzählt der Naturschützer, sei auch gewesen, als der Turmfalke ein Exemplar der seltenen Zauneidechse im Schnabel hatte. «Wir wollen diese Echse eigentlich fördern. Aber weil wir im Kirchturm beim Nest des Turmfalken eine Kamera haben, mussten wir zusehen, wie der Vogel die Zaunechse als Beute nach Hause bringt», schmunzelte Steiner.

Mit Blick auf das Jubiläumsfest am 12. September war dem Präsidenten wichtig, den Rundgang mit der einzigartigen Naturkarte zu erwähnen sowie den Bildwettbewerb mit tollen Preisen, beides auf der Webseite zu finden ebenso wie das komplette Programm des Festanlasses. Einerseits gelte es, das Erreichte zu feiern, so Steiner. Andererseits sei es damals und heute wichtig, neue motivierte Leute in den Verein zu holen: «Die Natur und ihre Lebewesen sind dankbar für jede helfende Hand und jedes mitfühlende Herz.»

Axel Mannigel


Alle Infos: www.nvoberwil.ch


Image Title

1/10


Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote