6-Stunden-Indoorcycling-Marathon

  08.01.2026 Therwil

Imad Derbas ist Indoorcycling-Trainer für Sehbehinderte und Blinde. Er organisiert den Sechs-Stunden-Indoorcycling-Marathon für Sehbehinderte und Blinde in Therwil und beantwortet Fragen des BiBo.

Wie viele Leute haben sich für den «6 h Indoorcycling Marathon» des Indoor Cycling für Sehbehinderte und Blinde angemeldet?
Wir haben 45 Anmeldungen bis jetzt. Man kann sich noch bis zum 10. Januar 2026 anmelden. Anmelden können sich alle Sportlerinnen und Sportler. Ein paar Leute wollen die vollen sechs Stunden fahren, andere machen drei am Vormittag oder drei am Nachmittag. Noch einmal andere teilen sich zu zweit ein Velo und fahren jeweils eine Stunde und lösen sich ab.

Was macht den Marathon so besonders?
Es gibt viele solche Marathons in der Schweiz und Deutschland. Unser hier mit der Teilnahmemöglichkeit für Blinde und Sehbehinderte ist aber eine Premiere.

Was ist Ihre Aufgabe am Marathon?
Ich werde die erste Stunde fahren. Nachher muss ich ein bisschen überall sein, mich um die Organisation kümmern oder die neu hinzugekommenen Gäste begrüs sen.

Wie wählen Sie die Musik fürs Indoorcycling aus?
Die Musik ist sehr wichtig. Sie muss von den Schlägen pro Minute zum Programm passen. Bei Bergfahrten braucht es 60– 80 Schläge pro Minute, bei Fahrten im Flachen 80–100. Die Musik muss auch von der Dynamik her passen.

Warum eignet sich «Indoor Cycling» für Sehbehinderte und Blinde?
Die Sportart birgt keine Gefahren, das Risiko ist gleich null, man braucht keine Begleitperson und ist wetterunabhängig. Ausserdem ist es ein schönes Gruppenerlebnis, wir haben beim Training immer sehr gute Stimmung.

Wann haben Sie Ihr Augenlicht verloren?
Angefangen hat es schon mit 40. Am Anfang hatte ich Punkte im Gesichtsfeld. Richtig angefangen hat es, als ich 45 war. Da ging es schnell. Es bildete sich ein grösser werdender Kreis, innerhalb von dem ich nichts mehr sah.

Wie wirkte sich der Sehverlust auf Ihren Alltag aus?
Ich verlor meinen Job. Zuerst war ich zwei Jahre lang krankgeschrieben, dann wurde mir gekündigt. Mir ging es schlecht. Ich war daran gewöhnt, viel Verantwortung zu haben, Personalplanung und Umschulungen zu organisieren, die Mitarbeiter zu führen und auf Qualität und Sauberkeit etc. zu achten. Das war alles weg. Genauso wie der Führerschein.

Wie wurden Sie Indoorcycling-Trainer?
Nach dem Stellenverlust habe ich mich drei Jahre lang zu Hause eingesperrt und isoliert, mich aus der Gesellschaft zurückgezogen. Als ich Probleme mit dem Blutzucker bekam, sagte mein Arzt, dass ich etwas gegen meine Gewichtszunahme machen müsse. So bin ich aufs Indoorcycling gekommen. Ich habe im Fitnesscenter Mühlematt an Indoorcycling-Kursen teilgenommen und habe schnell ein grosses Interesse daran entwickelt. So kam ich dann auf die Idee, die Ausbildung zum Indoorcycling-Instruktor zu probieren, weil man die Augen während des Trainings quasi nicht braucht. Nun habe ich nicht nur den Bronze-Level, sondern auch die Punktzahl vom Silber-Level erreicht. Nun sammle ich anhand von Weiterbildungen die Punkte für das Gold-Level. Somit wurde diese Sportart zu meiner Leidenschaft.

Hat Sie Ihre Familie unterstützt?
Meine Frau ja. Den Kindern habe ich lange nicht gesagt, was ich für eine Krankheit habe. Ich wollte sie nicht beunruhigen.

Das stelle ich mir anstrengend vor.
Als Indoorcycling-Instruktor mit Sehbehinderung habe ich es nicht einfach, denn ich muss mich doppelt so viel bemühen, um die anderen zu überzeugen.

Warum haben Sie den ICfSB gegründet?
Ich wollte unseren Sport bekannter machen und den Leuten zeigen, dass es Sportarten gibt, die auch Sehbehinderte und Blinde machen können. Ausserdem hat unser Verein das Ziel, sehbehinderte und blinde Menschen mit Sehenden zusammenzubringen. Solche Begegnungen sind selten und helfen beiden Seiten. Wir tragen zur besseren Integration bei. Viele sehbehinderte und blinde Menschen sind zurückhaltend und nehmen sich zurück, besonders dann, wenn die Krankheit erst mit den Jahren auftritt. Montags findet für Sehbehinderte und Blinde Teilnehmer/ innen immer ein kostenloses Training statt. Als Unterstützung durch das Fitnesscenter Mühlematt für unseren Verein ICfSB.

Gregor Szyndler

Samstag, 10. Januar 2026,
10–17 Uhr. Mehrzweckhalle,
Bahnhofschulhaus, Therwil
www.indoorcycling-icfsb.com


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