BÜRGERGEMEINDE
Abschied von einer prägenden Persönlichkeit

  25.06.2026 Bottmingen

An der Gemeindeversammlung vom 18. Juni würdigte Gemeindepräsident Christian Caderas den Ende März zurückgetretenen Philipp Bollinger für dessen 22-jähriges Engagement im Gemeinderat.

Da die Gemeindeversammlung im März wegen Mangels an Traktanden abgesagt worden war, gab es an der Sommer-Versammlung vom 18. Juni einiges aufzuarbeiten. So war etwa Gemeinderat Philipp Bollinger per Ende März aus der kommunalen Exekutive zurückgetreten – nach 22 Jahren im Amt. Gemeindepräsident Christian Caderas verabschiedete ihn nun und würdigte ihn als eine Persönlichkeit, welche «die Gemeinde über viele Jahre hinweg geprägt hat». Bollingers politische Karriere begann 1986 in der Ortsschulpflege, welche er auch einige Jahre präsidierte; 2004 wurde er in den Gemeinderat gewählt, wo er in den ersten zwölf Jahren dem Departement Bildung, Sport und Freizeit vorstand.

«Vieles, was für uns inzwischen selbstverständlich geworden ist – das Angebot der Tagesstrukturen, die Umsetzung von ‹Harmos›, die Existenz des Kindergartens im Talholz, die Weiterentwicklung der Bibliothek –, trägt seine Handschrift», führte Christian Caderas aus. 2016 übernahm Bollinger dann den Bereich Alter und Gesundheit und engagierte sich für die Zusammenarbeit in der (Versorgungs-) Region.

Mit viel Humor und einem kurzen Video verwies der Gemeindepräsident im Weiteren auf die privaten Interessen von Philipp Bollinger. Dabei stand dessen Leidenschaft für den Eurovision Song Contest an erster Stelle. Als lebenslanger Riesen-Fan kenne Bollinger die Geschichte dieses musikalischen Wettbewerbs seit dessen Anfängen vor 70 Jahren in- und auswendig. Die seit Jahrzehnten von ihm organisierten ESC-Partys seien legendär geworden – und eine Einladung dafür zu erhalten, sei jeweils eine besondere Ehre. Sein Kurzauftritt beim ESC 2025, wo er das herzförmige Logo in den Schriftzug in der Hallenbühne einsetzen durfte, werde unvergesslich bleiben.

Ebenso habe sich Bollinger für Königshäuser begeistert, vor allem für das schwedische, worüber er seine Kolleginnen und Kollegen stets auf dem Laufenden gehalten habe. Ein drittes Spezialgebiet seien die schweizerischen Postleitzahlen gewesen – wie sie strukturell aufgebaut worden seien und welche Zahl zu welcher Gemeinde gehöre. «Es war die Mischung aus umfassendem Wissen und Humor, die ihn zu einem besonderen Kollegen machte – respektvoll und lösungsorientiert», schloss Caderas. Der Geehrte gab im Anschluss vor der Versammlung ein Bekenntnis ab: «Ich weiss im Grunde nicht so viel über den ESC, aber ich tue einfach so!» Und er gab augenzwinkernd zu verstehen, dass er den Ausführungen des Gemeindepräsidenten entnommen habe, dass dieser auch gerne einmal zu einer seiner ESC-Partys eingeladen werden würde.

Ein weiteres «Nachtragsvotum» betraf ein Geschäft, das Bollingers Amtsnachfolger Andreas Faller erläuterte. Das Scheitern des Projekts eines seit 2022 geplanten Demenzzentrums in Bottmingen sei auch für den Gemeinderat überraschend gekommen. Nachdem die Gemeindeversammlung im März 2024 beschlossen hatte, der Stiftung Dreilinden das nötige Land im Baurecht abzugeben, und die Frage der Entschädigung nach Ablauf des geplanten Baurechtsvertrags in 50 Jahren geregelt schien, sei der Gemeinderat noch im Frühjahr der Meinung gewesen, dass sich das Projekt auf einem guten Weg befinde. Der Stiftungsrat Dreilinden habe dann jedoch durch zusätzliche Punkte, die ausserhalb der Heimfallentschädigung lagen und nach Auffassung des Gemeinderats die Ausgangslage veränderten, den Abbruch bekannt gegeben. Andreas Faller betonte aber, dass in der Delegiertenversammlung der Versorgungsregion Leimental weitergeplant werde. Dank neuen Zahlen des Kantons sei nun auch eine bedarfsnähere Planung möglich. In einem neuen Projekt könne das Angebot differenziert werden; erste Priorität werde nun vor das betreute Wohnen erhalten.

Bessere Rechnung als budgetiert
Wie stets erfolgte im Juni die Präsentation der Jahresrechnung. Gemeinderat Matthias Richter konnte für 2025 einen Gewinn von 301’888 Franken vorweisen – obwohl ein Defizit von 3,4 Millionen Franken budgetiert gewesen war. Zwar stand auf der Aufwandseite eine Verschlechterung von insgesamt 281’388 Franken zu verzeichnen, aber eine Verbesserung bei den Erträgen um 3’975’655 Franken kompensierte dies längstens. Ein weiteres Mal ragen bei den Einnahmen die Steuern heraus, die um rund 3,4 Millionen Franken höher ausfielen als im Budget geschätzt. Entsprechend den Anträgen von Finanz- und Rechnungsprüfungskommission sowie Gemeindekommission genehmigte die Versammlung die Rechnung diskussionslos und einstimmig.

Änderungen zum Feuerwehrdienst
Nach der Kenntnisnahme des Jahresberichts der Geschäftsprüfungskommission stand noch die Teilrevision des Feuerwehrreglements auf der Tagesordnung. Die gültige Fassung des Reglements ist mittlerweile zehn Jahre alt und sollte nach dem Vorschlag des Gemeinderats in einigen Aspekten optimiert werden. Und während die Stimmberechtigten trotz Gegenantrag der Gemeindekommission dem Vorschlag folgten (33:25 Stimmen), das Alter der Dienstpflicht von 19 bis 45 Jahre (aktuell: 20 bis 42 Jahre) auszuwei-

ten, entstand zur Frage der Ersatzabgabepflicht eine ausführliche Diskussion. Diese solle zwar erhöht werden, aber nur mit differenzierenden Ausnahmen. Eine Mehrheit (37:14, zehn Enthaltungen) stimmte dem Anliegen zweier Votantinnen zu, deren Anträge von Gemeindepräsident Caderas zu folgender Ergänzung des Paragrafen 13 Abs. 1 lit. e zusammengeführt wurden: «Von der Entrichtung der Ersatzabgabe sind befreit: schwangere Frauen und Personen, die hauptverantwortlich Kinder bis 14 Jahre betreuen, soweit die Betreuung nicht in Ausübung einer beruflichen Tätigkeit erfolgt».

Reto Wehrli


BÜRGERGEMEINDE

Hohe Aufwände belasten die Jahresrechnung
Im Vorfeld der Einwohnergemeindeversammlung vom 18. Juni fand wie üblich im Sommer auch die Bürgergemeindeversammlung statt. In der Jahresrechnung 2025 wies Gemeinderat Matthias Richter einen Aufwandüberschuss von 17’971 Franken aus. Zwar waren zahlreiche Einbürgerungen zu verzeichnen und die Holzverkäufe fielen erfreulich ergiebig aus – aber die Ausgaben für die Forstwirtschaft und die Personalkosten blieben hoch. Daraus resultierte insgesamt ein defizitärer Jahresabschluss. Die Versammlung genehmigte die Rechnung ohne Wortmeldungen einstimmig und folgte damit dem Antrag der Finanz- und Rechnungsprüfungskommission.
Gemeindepräsident Christian Caderas gab nachfolgend die im ersten Halbjahr 2026 vollzogenen Einbürgerungen bekannt, die wiederum recht zahlreich ausfielen. Die neu Eingebürgerten, von denen einige persönlich anwesend waren, wurden von der Versammlung mit Applaus willkommen geheissen. Danach konnte die Bürgergemeindeversammlung in der gewohnten Kürze geschlossen werden.
Reto Wehrli


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