«Am Nationalfeiertag zählen die Kalorien nicht!»

  06.08.2026 Bottmingen

Der Bottminger 1.-August-Brunch war ein grosser Erfolg.

Es ist fast 10.40 Uhr und eigentlich sollte Christian Caderas jetzt seine Begrüssungsrede halten, doch die Schlange der Menschen, die anstehen, um sich etwas zum Essen zu holen, ist immer noch 20 Meter lang. «Ich glaube, wir verschieben die Rede ein wenig», meint der Gemeindepräsident. Auch der Musikverein muss später als geplant ran.

Allein diese kleine Episode zeigt, wie gut der 1.-August-Brunch bei den Leuten angekommen ist. Eigentlich war der Anlass im Unterwerk für bis zu 150 Menschen konzipiert worden, wie Sandra Bucher von der Gemeinde Bottmingen gegenüber den BiBo verrät. ««Am Ende haben sich 160 Leute angemeldet, weitere Interessenten konnten leider nicht mehr berücksichtigt werden, da die Kapazitätsgrenze erreicht war.»

Die Stimmung in der Trafohalle ist prima. Jung und Alt kommen, plaudern miteinander und lassen sich die Hitze nicht anmerken. Die Auswahl an Speisen ist breit und reicht von Rührei, Speck und Aufschnitt über Waffeln und Brotaufstriche bis hin zu diversen Sojajoghurts und veganen Früchtemüeslis – es ist definitiv für jeden etwas dabei.

Als die Menschenmenge am Buffet weniger wird, wagt sich Caderas mit dem Mikrofon vor die Leute und heisst sie am Nationalfeiertag willkommen. Er bezeichnet es als grosse Stärke der Schweiz, «Bewährtes zu erhalten und offen für Neues zu sein», und wendet es gleich auf den Brunch an. «Sollte sich das Format bewähren, stehen die Chancen gut, dass wir es auch im nächsten Jahr machen.»

Der Gemeindepräsident dankt zudem allen Helferinnen und Helfern, erwähnt, dass in der Trafohalle der letzte Tag der vom Kollektiv Ansichtssache organisierten Ausstellung «in/complete» im Rahmen der «Art Unterwerk»-Reihe zu bewundern ist («Ein besonderes Highlight!») und motiviert die Leute, sich Nachschlag zu holen, «denn am Nationalfeiertag zählen die Kalorien nicht».

Dann ist die Reihe am vom Chantal Bernstein dirigierten Musikverein Bottmingen, der die Stimmung mit beliebten Melodien – die Palette reicht vom «Baselbieter Marsch» über «Rock Around The Clock» bis hin zu «September» – die Stimmung. Es wird geklatscht, gewippt und mitgesummt. Mit der Nationalhymne findet das Set schliesslich sein Ende.

Der Brunch allerdings ist weiterhin in vollem Gange. Während die Jüngsten – angemeldet sind auch 25 Kinder – sich an einer von der Pfadi Sunnebärg organisierten Schatzsuche beteiligen oder etwas basteln, machen sich einige auf in die Trafohalle zur «in/complete»-Ausstellung, zu der 25 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland beigetragen haben.

Essen, Blasmusik, Kinderspiele und Kunst – auf dem Papier eine wilde Combo, die in der Realität aber ziemlich gut funktioniert. Das freut auch Marinus Börlin, Jasmine Noemi Jetzer und Andrin Grimm vom Vorstand des Kollektivs Ansichtssache, das den Anlass zusammen mit der Gemeinde auf die Beine gestellt hat. «Wir hatten zwar etwas Erfahrung mit der Organisation von Vernissagen, bei denen Essen serviert wird, doch das hier ist eine ganz andere Hausnummer», meint Börlin zum Brunch. Dass dieser so gut angekommen ist, ist auch ein Verdienst der Gemeinde. «Wir haben von Sandra Bucher praktisch eine Einkaufsliste gekriegt», lacht Jetzer. Diese hat das Künstlerkollektiv vor allem durch vegane Speisen «optimiert», was sehr geschätzt wurde. «Einige haben explizit erwähnt, dass sie sich über die veganen Essensmöglichkeiten sehr gefreut haben», so Börlin.

Für das Kollektiv Ansichtssache ist der 1.-August-Brunch auch eine Möglichkeit, mit Menschen ausserhalb ihres Gewohnten in Kontakt zu kommen. «Wir bewegen uns quasi in einer Kunst-Bubble», gibt Jasmine Noemi Jetzer zu. Marinus Börlin schätzt derweil, dass 90 Prozent der Leute, die zum Brunch gekommen sind, vorher keinerlei Berührungspunkte zum Kollektiv Ansichtssache hatten.

Die jungen Künstlerinnen und Künstler sind jedenfalls offen dafür, auch nächstes Jahr mit der Gemeinde einen 1.-August-Brunch zu organisieren. «Es sollte aber kein reiner Kulinarik-Anlass werden, sondern etwas Ähnliches wie heute», findet Börlin, der das Zusammenspiel mit der Pfadi und dem Musikverein bei der Premiere sehr geschätzt hat. Alan Heckel


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