Auf den Spuren der Fledermäuse

  04.06.2026 Oberwil

Fledermäuse standen am Samstag in Oberwil im Mittelpunkt: Im Rahmen seines 50-Jahr-Jubiläums lud der Naturschutz- und Vogelschutzverein Oberwil zu zwei Veranstaltungen rund um die geheimnisvollen Nachtflieger ein.

Warum der Naturschutz- und Vogelschutzverein Oberwil gerade Fledermäuse als Thema gewählt hat, erläutert der Präsident Roland Steiner. Für ihn sind die Tiere Indikatoren, die Aufschluss über den Zustand der Natur geben. So haben die kleinen Tiere, die oft in Dachstöcken, Kirchtürmen, in hohlen Baumstämmen im Wald und Höhlen leben, heutzutage oft Probleme, Behausungen zu finden. Auch unter der Lichtverschmutzung leiden die Fledermäuse, denn sie sind, laut Steiner, hypersensibel und anspruchsvoll in ihren Bedürfnissen. Gleichzeitig gelten Fledermäuse auch als unbekannte Wesen, die in der Region über lange Zeit hinweg verschwunden waren, bevor sie in den letzten Jahren wiedergekehrt sind. Grund genug also, um sich intensiver mit den fliegenden Säugetieren, um die sich viele Mythen ranken, zu beschäftigen.

Der Bau von Nistplätzen stand im Zentrum des Samstagnachmittags. Bei viel Sonne und hochsommerlichen Temperaturen waren rund 20 grosse und kleine Interessierte auf dem Areal der Oberwiler Ziegelei erschienen, um selbst Fledermausnistplätze zu bauen. Unter der Anleitung des Vereins schraubten und bohrten die Teilnehmenden eifrig die vorbereiteten Holzteile zusammen und fertigten Nistplätze in verschiedenen Grössen an. Auch die Kinder waren mit Begeisterung dabei. Das Material wurde, laut Roland Steiner, vom Kanton finanziert. Die fertigen Nistplätze werden am Ende idealerweise besonnt und katzensicher an der Hauswand oder im Garten aufgehängt. Wichtig ist dabei, dass die Kästen und die Öffnungen von ausreichend freier Fläche umgeben sind, damit die Fledermäuse sie mit ihren Echoortungssignalen erkennen und anfliegen können. Doch es konnte nicht nur gebastelt werden, denn an einem langen Tisch unter der überdachten offenen Halle gab es viel Informationsmaterial rund um die Fledermäuse zu entdecken. Diverse Bilder und Displays mit Exponaten zur Nahrung von Fledermäusen illustrierten dabei die Vielfältigkeit der Tiere.

Bei der Exkursion am Abend ging es auf die Pirsch, um die Geräusche von Fledermäusen zu hören. Knapp 30 Interessierte, darunter auch einige Kinder, versammelten sich dazu um 20 Uhr wieder bei der Ziegelei. Zunächst informierte Pascale Hutter, Biologin und kantonale Fledermausbeauftragte, ausführlich über die Tiere. Viel Neues konnten die Anwesenden dabei lernen. So erläuterte die Expertin, dass das Image der Fledermaus sehr ambivalent sei. Einerseits werden sie, wie etwa bei Dracula, als negativ dargestellt, andererseits werden sie in der chinesischen Kultur als positives Symbol für Glück und Wohlstand dargestellt. Sicher ist, dass europäische Fledermäuse sehr nützlich für die Natur sind, da sie sich hauptsächlich von Insekten ernähren und damit natürliche Schädlingsbekämpfer sind. Allerdings haben die Tiere heutzutage durch den Einsatz von Pestiziden Probleme, genug Nahrung zu finden. Doch nicht alle Fledermäuse essen nur Insekten, es gibt auch Arten, die kleine Fische jagen. Weltweit gibt es etwa 1400 Fledermausarten. In der Schweiz sind etwa 30 verschiedene Arten vertreten.

Die Anatomie der fliegenden Säuger und ihre Lebensweise erläuterte Pascale Hutter anhand von vielen Bildern und Exponaten. So machen Fledermäuse einen Winterschlaf und werden erst im März wieder aktiv, wenn es wärmer wird und sie genug zu fressen finden. Sie sind nachtaktiv und wechseln im Laufe des Jahres ihre Quartiere. Wichtig ist ihnen dabei, dass ihre Jungtiere immer warm genug haben. Sie organisieren deshalb auch gemeinsames Babysitting, die hilflosen Jungtiere bleiben aneinander gekuschelt im Quartier zurück und wärmen sich gegenseitig, während die Mütter auf die Jagd gehen. Beliebte Wohnquartiere sind verschiedene Teile von Gebäuden, wie Dachstöcke, Storenkästen, Spalten zwischen Ziegeln, aber auch Höhlen. Exponate von präparierten Fledermäusen reichte Pascale Hutter herum, sodass die verschiedenen Arten aus der Nähe betrachtet werden konnten. Auch ein Präparat zum Anfassen und Streicheln war dabei. Das Fell stellte sich als erstaunlich flauschig heraus. Die Besucher waren sehr wissbegierig und stellten viele Fragen. Als es dunkel wurde, war es so weit: Pascale Hutter verteilte die Bat-Detektoren und erklärte den Gebrauch. Mit dem Bat-Detektor können die Echoortungslaute, die die Fledermäuse aussenden, um sich zu orientieren, für Menschen hörbar gemacht werden. Anhand der Geräusche können auch Rückschlüsse auf die Art gemacht werden. Dann war es so weit: Die Gruppe machte sich auf den Weg, um die Geräusche der Fledermäuse akustisch aufzuspüren. Zwischen den nahe gelegenen Hecken und Sträuchern war zunächst nicht viel zu hören. Doch beim nahe gelegenen Bauernhof gaben die Geräte laute Geräusche von sich und die flinken kleinen Tiere konnten trotz der Dunkelheit entdeckt werden. Die Teilnehmer waren fasziniert und suchten eifrig mit ihren Geräten nach den Tieren. Mit vielen neuen Eindrücken und ungewohnten Geräuschen im Ohr endete die Fledermaus-Exkursion spät am Abend. Die Veranstaltungen zeigten eindrücklich, wie faszinierend und zugleich schützenswert die nachtaktiven Tiere sind.

Der Natur- und Vogelschutzverein Oberwil zählt rund 300 Mitglieder und setzt sich aktiv für die Förderung der einheimischen Flora und Fauna ein. Im Jubiläumsjahr plant der Verein weitere Aktivitäten, darunter einen Festakt im September, ausserdem gibt es einen Bilderund Fotowettbewerb, der bereits läuft. Weitere Informationen finden sich unter: www.nvoberwil.ch Chantal Zoelly


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