Spielen kann ganz schön glücklich machen

  20.03.2025

Gemäss der Stiftung Sucht Schweiz wiesen im Jahr 2022 4,3 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz ab 15 Jahren einen problematischen Geld- und Glücksspielkonsum auf. Das ist nicht ganz ohne, denn wer gerne in Casinos oder auch online spielt, kann sich seine Zukunft ziemlich schnell verspielen. Auch wenn Glücksspielanbieter immer mehr Spielsperren bei sogenanntem problematischem Spielen aussprechen: Die Schuldenberatungen können ein Lied über Menschen singen, die sich um Kopf und Kragen gespielt haben.

Das ist ein ernsthaftes Problem und zudem ein ziemlich stark tabuisiertes. Spieler können sich oft ins Elend spielen, ohne dass es im nahen Umfeld jemandem auffällt, bis dann der Pfändungsbeamte vor der Tür steht.

Ich wage zu behaupten, dass mir so etwas nie passieren könnte. Aber nicht etwa, weil ich ein besserer Mensch bin, sondern weil ich aus unerfindlichen Gründen der totale Antispieler bin. Manch einer würde sagen: ein Langweiler vor dem Herrn. Bei mir kann der Abend mit Freunden so spannend und schön wie nie sein – wenn der Gastgeber dann den Monopoly-Kasten oder was auch immer auf den Tisch zaubert, ist es für mich gelaufen. Und zwar unwiderruflich! Zusammenreissen geht nicht. Kapieren erst recht nicht. Wie auch? Ich habe ja nicht einmal den «Tschau-Sepp» begriffen, den meine Freunde mir damals in den Skiferien verzweifelt versuchten beizubringen. «Tschau-Sepp» nicht zu begreifen, das ist eine schwierige Diagnose, die ich da mit mir rumtrage.

Aber es geht noch weiter: Ich würde auch nie im Leben Lotto spielen. Also, nicht dass ich ein paar Milliönchen nicht gebrauchen könnte, aber wissen Sie, wenn ich mit dem Fünfliber anstatt Lotto zu spielen, ein Bier trinken gehe, dann weiss ich wenigstens, was ich hab. Nämlich keinen Durst mehr. Und falls doch, muss ich eben noch ein paar Franken in die Zusatzzahl investieren!

Ehrlich gesagt, ist mir meine Spielaversion auch ganz schön peinlich. Es ist ja nicht so, dass es nicht unendlich viele tolle und wertvolle Spiele gibt, die die Menschen zusammenbringen und ihnen eine gute Zeit schenken. Da bin ich manchmal ganz neidisch. Spielen Sie also ruhig noch eine Runde und geniessen Sie es, ich trinke unterdessen eben ein Bier. Aber vorher lesen Sie noch die Geschichte meines Kollegen Boris Burkhardt, der in der Drachenhöhle in Oberwil in die Welt der Spiele eintauchte. Ich wünsche Ihnen einstweilen einen schönen Tag.

Stefan Fehlmann


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