Der Sonne entgegen wandern
24.07.2025 EttingenGhislaine Ackermann Pfluger leitet die Wandergruppe Gugger in Ettingen. Dieses Jahr hat sie sich mit der Sonnenaufgangswanderung eine Premiere der besonderen Art einfallen lassen. Sie beantwortet Fragen von Gregor Szyndler.
Wie viele Leute waren bei der ersten Sonnenaufgangswanderung dabei?
Wir waren 12 Personen. Der eine oder andere sagte zwar, es sei schon etwas früh, aber losgelaufen sind alle, als wärs 9 Uhr und nicht 5 Uhr am Morgen. Das Wetter war einmalig, erst noch kalt, aber danach wurde es wunderschön. Zwischen der Ruine Mönchsberg und der Ruine Pfeffingen haben wir den Sonnenaufgang genossen.
Wie entstand die Idee zur Sonnenaufgangswanderung?
Ich machte zweimal im Juli eine Nachtwanderung bei Vollmond, was auch spannend ist. Einmal haben wir Fledermäuse beobachten können. Jetzt habe ich mal die Frühaufsteher bevorzugt.
Wer hat die Wandergruppe Gugger gegründet?
Peter Imhof war der Gründer. Toni und Theres Meury haben sehr bald mitgeholfen. Später – der Übergang war fliessend – haben sie in Eigenregie Wanderungen durchgeführt, bis Peter Imhof nicht mehr in der Lage war, mitzuwandern. Im Jahr 2016 suchte das Ehepaar Verstärkung und ich habe mich gemeldet, um ihnen zu helfen. Im Jahr 2017 hat mir Toni viele Tipps zu Planung, Gruppendynamik und weitere Details gegeben und ich war jeweils auch beim Vorlaufen dabei. Ab 2018 habe ich selbst einzelne Wanderungen durchgeführt. Seit 2019 machte ich alle Wanderungen selbst. Toni hat noch bei einzelnen Wanderungen die Gemütlichen betreut, also die Kurzstrecke absolviert. Aber leider sind seit 2022 beide nicht mehr in der Lage, mitzukommen.
Wie viele Leute sind bei den Wanderungen dabei?
Früher waren wir drei Leiter (Toni, Theres und ich) und waren oft mehr als 30 Teilnehmer. Einmal hatten wir 51, was sich fast wie eine Radiowanderung anfühlte. Da ist man froh, wenn alle 51 wieder in Ettingen ankommen.
Heute sind es in etwa 15–20 Teilnehmer und so bin ich in der Lage, einen Tag relativ gut allein zu führen/leiten. Ich konnte im Jahr 2024 zwei neue Teilnehmer dazugewinnen, hatte aber leider mehr Abgänge aus gesundheitlichen Gründen …
Was macht den Reiz des Zusammen-Wanderns aus?
Wenn ich mit einer grossen Gruppe wandere, bin ich nachher auf dem Laufenden über alle Dorfgerüchte und komme mit verschiedenen Leuten ins Gespräch. Wandere ich hingegen mit nur zwei oder drei Wanderfreunden, gehen die Gespräche mehr in die Tiefe. Tja, und wenn ich alleine wandern gehe, kann ich besser auf die Natur achten, etwa auf Vogelstimmen im Wald oder auf Tiere. Um das alles für sich selbst zu erfahren, muss man einfach einmal mitkommen.
Wie ist die Gruppe organisiert?
Die Wanderungen sind seit Beginn eine private Initiative. Ich persönlich bin nahe dran bei «Ettige mitenand». Sie erlauben mir freundlicherweise, die Berichte und Einladungen bei ihnen auf dem Server zu veröffentlichen. Eine Mitgliedschaft bei diesem Verein ist zwar nicht notwendig, aber natürlich erwünscht. Ein Mitgliederbeitrag bei mir und den Wanderungen gibt es nicht. Wenn man teilnimmt, bezahlt man einen Beitrag von sechs Franken. Und wenn nicht, gibts keine Kosten. So kann man als Teilnehmer*in jederzeit frei wählen, ob man eine Wanderung mitmachen möchte oder nicht.
Was werden die nächsten Wanderungen sein dieses Jahr?
Ideen habe ich viele. Ich muss schauen, dass ich genug alt werde, um alles umzusetzen. Aber für das Ausschreiben muss ich erst die Tour ablaufen. Erst dann weiss ich, ob es wirklich passt bzw. stimmig ist. Dieses Jahr stehen noch La Brévine und der Gletscher Monlési auf dem Programm.
Im Jura gibt es Gletscher?
Das haben Sie noch nie gehört, was? Ja, da staunt der Kenner und der Fachmann wundert sich … Aber echt, das gibt es, und zwar unterirdisch.
Apropos Abkühlung. Was ist Ihr Rat an Wanderer falls es heiss würde? Wandern gehen oder besser nicht?
Wandern gehen! Aber bitte Folgendes beachten: Die Gondel nehmen und in der kühleren Höhe wandern. Wanderung im Wald oder in einer schattigen Schlucht planen. Sonnenhut, -brille und -crème verwenden. Nasses Tuch auf den Nacken legen. Genug Getränke mitnehmen und auch regelmässig trinken. Auf die Uhr schauen und kontrollieren. Unterarme im Dorfbrunnen kühlen. In der Mittagshitze ein schattiges Plätzli oder Restaurant suchen, rasten und trinken. Die früheren kühlen Morgenstunden für den Aufstieg einplanen. In der Hitze des Nachmittags den Bus nehmen und heimfahren. Bei Unwohlsein die Gelassenheit haben, einfach abzubrechen.