«Es ist ein Riesenaufwand!»
15.05.2026 TherwilDie Kitas und Tagesfamilien in Therwil haben Probleme, Leute zu finden, welche die Kinder zur Mittagszeit aus den Kindergärten abholen.
In Therwil pflegen die Kitas und Tagesfamilien einen regelmässigen Austausch mit der Gemeinde. Als sich Vertreter beider Seiten im März das letzte Mal trafen, stellten sie fest, dass sie alle das gleiche Problem haben. «Die Problematik besteht eigentlich schon seit Jahren», bestätigt Valerie Waldesbühl von der Kita Valdeshamou.
Den Kitas fehlen nämlich die Ressourcen, die Kinder um 12 Uhr aus den Kindergärten abzuholen und zur Kita zu bringen. «Aus drei bis vier Kindergärten kommen die Kinder zu uns», sagt Waldesbühl, gleiches gilt für die Tagesfamilien Therwil, die ihre Standorte in der Nähe der Hauptstrasse haben. Die Kinder müssen einen Weg zwischen 700 und 1000 Meter zurücklegen. Kein Pappenstiel, ohnehin erwarten die Eltern, dass Kita-Mitarbeitende die Kinder abholen. «Schliesslich zahlen sie dafür», so Waldesbühl.
Katharina Inhelder von den Tagesfamilien Therwil spricht von einem «nicht mehr ganz so neuzeitlichen Problem». Denn früher hätten die Eltern den Kindern mehr vertraut, den Weg vom Kindergarten nach Hause respektive zur Kita allein bewerkstelligen zu können. Nun übernehmen Kita-Angestellte diese Funktion.
Eines der Hauptprobleme ist, dass Schule und Kindergarten allesamt um 12 Uhr enden und mindestens vier Kita-Mitarbeitende zu dieser Zeit vor Ort sein müssen, um die Kinder abzuholen. Doch nicht alle haben das Personal, um vier oder fünf Personen gleichzeitig loszuschicken. «Es ist ein Riesenaufwand», bestätigt Katharina Inhelder. «In der Vergangenheit mussten wir externe Personen dafür aus eigener Tasche bezahlen», berichtet derweil Valerie Waldesbühl, welche auch schon die Idee hatte, die Kinder stufenweise abzuholen. Das ist aber nicht möglich. «Wenn wir die Kinder schon um 11.50 oder 11.55 Uhr abholen würden, würden wir quasi ihnen Teile des Unterrichts, auf den sie gesetzlich Anspruch haben, stehlen.» Welche anderen Möglichkeiten, das Problem zu lösen, gibt es denn? Katharina Inhelder plädiert dafür, die Kräfte mit dem Mittagstisch, der Gemeinde und den Kitas zu bündeln: «Wenn jemand schon den Weg abläuft, sollte diese Person auch gleich die anderen Kinder abholen.» Waldesbühl bringt auch die Tagesstrukturen als möglichen Partner mit ins Boot.
Kita-Mitarbeitende werden genauestens durchleuchtet, bevor sie eine Stelle antreten dürfen. «Es gibt viele Auflagen – und das ist auch gut so», lautet der Tenor. Doch in diesem Fall sind diese Auflagen auch grosse Hürden, denn man kann nicht eine beliebige Person mit dieser Aufgabe betreuen. Dennoch hoffen die Kita-Verantwortlichen, dass sich jemand findet, der Interesse an Freiwilligenarbeit hat und etwas Gutes tun will – beispielsweise die Grossmutter oder der Grossvater eines Kindes. Selbstverständlich müsste auch diese Person im Vorfeld überprüft werden, das Okay der Eltern kriegen und die Kinder kennenlernen.
Sollte sich aber niemand Freiwilliges finden, stellt sich die Frage, wer finanziell für eine neu geschaffene Teilzeitstelle aufkommen sollte. Kitas oder Gemeinde?
An die Eltern abwälzen will man diese Kosten nicht. «Das Abholen ist Teil unseres Angebots», sagt Waldesbühl.
Bei allen besteht die Hoffnung, dass sich in den nächsten Jahren das Problem zumindest verkleinern wird. «Ab einem gewissen Alter wollen die Kinder ohnehin alleine laufen, brauchen aber die Einverständniserklärung der Eltern dafür», weiss Valerie Waldesbühl. «Der Kindergartenweg ist so wichtig für die Entwicklung eines Kindes», findet Katharina Inhelder und plädiert dafür, das Selbstvertrauen der Kinder und ihrer Eltern zu stärken. Alan Heckel


