«Die finanzielle Lage bleibt angespannt»

  18.06.2026 Ettingen

Die Ettinger Gemeindeversammlung fand vergangene Woche ausnahmsweise in Therwil statt. Genehmigt wurde unter anderem die Rechnung 2025. Zudem gehen die Verwaltungen von Ettingen und Therwil künftig vielleicht gemeinsame Wege.

Gemeindepräsidentin Sibylle Muntwiler-Stöcklin begrüsste die Stimmberechtigten am Mittwoch vergangener Woche zu einer «Weltpremiere»: Die Sommer-Gemeindeversammlung von Ettingen fand nämlich ausnahmsweise in der Mehrzweckhalle Therwil statt, weil die Schulanlage Hintere Matten in Ettingen derzeit saniert wird.

Im Fokus des Abends stand die Rechnung 2025. Diese schloss zwar mit einem Gewinn von 312’456 Franken statt wie budgetiert mit einem Verlust von 1,708 Millionen Franken ab, was laut dem für Finanzen zuständigen Gemeinderat Thomas Aegerter «sehr erfreulich» ist. Dennoch bedeute dies nicht, dass nun alle finanziellen Probleme von Ettingen gelöst seien. Auch wenn erste Sparmassnahmen ihre Wirkung zeigten, sei der unerwartete Ertragsüberschuss vor allem auf verzögerte Projektumsetzungen und auf Sondereffekte zurückzuführen. So sei etwa betreffend Finanzausgleich die Gemeinde Ettingen eine Nehmergemeinde geblieben, was rund 1,4 Millionen Franken in die Kasse gespült habe.

«Grösste Ausgabe und Aufgabe»
Die grössten Kostenblöcke sind die Bereiche Bildung, soziale Sicherheit, allgemeine Verwaltung und Gesundheit; sie machen zusammen rund 85 Prozent der Gesamtausgaben aus. Die Bildung sei mit Kosten in Höhe von knapp neun Millionen Franken «nicht nur unsere grösste Ausgabe, sondern auch unsere grösste Aufgabe», betonte Aegerter. Auch dort konnte aber, wie auch in den anderen Bereichen, das Budget unterschritten werden – zum einen, weil die Schule selbst Einsparungen gemacht habe, zum anderen, weil diverse Vakanzen bei den Lehrpersonen zu tieferen Lohnkosten geführt hätten.

Im Bereich Gesundheit blieben die Kosten hoch, sänken aber gegenüber 2024 – dort sei eine Verschiebung von Kosten für stationäre Pflege hin zu solchen für ambulante Pflege zu beobachten. Konkret seien die Ausgaben des Alterspflegeheims Blumenrain um rund 368’000 Franken tiefer gewesen als budgetiert, was unter anderem auf weniger Eintritte und mehr Todesfälle zurückzuführen sei. Die tieferen Ausgaben in der sozialen Sicherheit und der allgemeinen Verwaltung seien auf Rückforderungen der IV-Renten und Ergänzungsleistungsbeiträgen zurückzuführen sowie ebenfalls auf Vakanzen.

Die Investitionstätigkeit war im Rechnungsjahr deutlich geringer als erwartet. Dies hänge mit der Verzögerung oder Verschiebung von Projekten zusammen und werde sich bereits im laufenden Jahr ändern, so Aegerter. «Alles in allem bleibt die finanzielle Lage angespannt. Wir müssen weiterhin sehr diszipliniert agieren.» Der Souverän genehmigte die Rechnung 2025 grossmehrheitlich bei einer Enthaltung und keiner Gegenstimme.

Zwei neue Photovoltaikanlagen
Genehmigt wurde ausserdem die Teilrevision des Verwaltungs- und Organisationsreglements, das nun laut Muntwiler-Stöcklin «eine bessere Trennung zwischen operativen und strategischen Aufgaben» ermöglicht, sowie der Kredit in Höhe von 280’000 Franken zur Erstellung zweier Photovoltaikanlagen auf dem Dach der Schulanlage Hintere Matten. Diese hätten ursprünglich durch die Solargenossenschaft Gugger-Sunne gebaut und finanziert werden sollen; diese gab allerdings im August 2025 ihre Auflösung bekannt. Zur Kenntnis genommen hat der Souverän zudem den von Ralf Hofstetter präsentierten Bericht der Geschäftsprüfungskommission, die sich im vergangenen Jahr mit diversen Punkten im Bereich Schule auseinandergesetzt hat.

Unter Mitteilungen informierte der Gemeinderat zum aktuellen Stand der Petition betreffend Ausweich- und Schleichverkehr sowie zur Schulsanierung; dort sei man «auf Kurs», meinte Gemeinderat Markus Thüring.

Schliesslich wurden die Stimmberechtigten durch Sibylle Muntwiler-Stöcklin über eine mögliche Zusammenlegung der Gemeindeverwaltungen Ettingen und Therwil in Kenntnis gesetzt: «Zwei sind effizienter als eine.» Beide Gemeinden ständen vor ähnlichen Herausforderungen und seien eng miteinander verbunden; zudem würden die Aufgaben komplexer und aufwendiger. Sollten die beiden Verwaltungen künftig zusammenspannen, würden sowohl Ettingen als auch Therwil finanziell selbstständig bleiben. «Es geht dabei auch nicht um eine Gemeindefusion», betonte die Gemeindepräsidentin. Die Analysephase starte nach den Sommerferien. Es sei wichtig, dieses Vorhaben schrittweise anzugehen.

Nathalie Reichel


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