An den Herausforderungen wachsen
30.07.2026 TherwilDie Therwil Flyers gehören auch im Nachwuchs zur nationalen Spitze.
Baseball spielt sich am besten bei schönem und warmem Wetter, man kann fast sagen eine Schönwettersportart. Wenn es stark regnet, kann schon mal ein Spiel verschoben werden. Denn ein nasser Ball oder nasser Schläger macht es schwierig, die nötige Präzision und Geschwindigkeit ins Spiel zu bringen. Aufgrund der Sommerferien ruht der Betrieb bei den Therwil Flyers dennoch – zumindest in den Nachwuchskategorien.
Über 100 Kinder und Jugendliche spielen derzeit beim Schweizer Rekordmeister, verteilt auf vier Kategorien. Die Jüngsten machen ihre Anfänge im sogenannten T-Ball-Programm. «Dort wird der Ball von einem umgekehrten T geschlagen», erklärt Sebastian Zwyer, der bei den Flyers jeweils Samstagmorgen das T-Ball-Team trainiert. In der Vergangenheit war der gebürtige Therwiler Junior, Aktiver, Juniorentrainer, Vorstandsmitglied und Präsident im Verein und kennt diesen aus dem Effeff.
Die zweithöchste Alterskategorie ist die U12, bei der die Flyers in vier Untergruppen vertreten sind: Coach Pitch ist für die Jüngeren und Anfänger gedacht, während sich die Erfahrenen in der Little League mit ihren Altersgenossen messen. Hinzu kommen die zwei offiziellen U12- «Juveniles»-Meisterschaften, «Competitive»- und «Development»-Kategorien.
Mit den Cadets haben die Flyers auch eine grosse U15, eine U18-Liga gibt es zurzeit nicht in der Schweiz. «Wenn es gegen 18 geht, verlieren viele Sportvereine Jugendliche, deren Interessen sich wegen Freundin und Ausbildung verschieben», weiss Zwyer. Wer in Therwil zu alt für die Cadets ist, kommt direkt in die U23, die den Übergang in die Aktivmannschaften erleichtern soll. Trotz der breiten Altersstruktur, funktioniert das Gefäss U23 ziemlich gut – das Team spielt in der U23 Meisterschaft vorne mit.
Überhaupt stehen die Therwiler Nachwuchsmannschaften dem Fanionteam nicht viel nach, auch sie gehören zur nationalen Spitze. In den Schweizer Natio nalteams jeder Altersklasse stehen mehrere Flyers-Junioren. Doch was macht die Youngster von der Känelmatt so gut?
Ein Faktor ist mit Sicherheit das internationale U15-Turnier, das sich zu einer festen Grösse entwickelt hat und heuer zum 10. Mal ausgetragen wurde. «Es ist eine grosse Kiste», sagt Sebastian Zwyer über den Drei-Tages-Anlass, der stets am Auffahrtswochenende über die Bühne geht. In diesem Jahr waren die Nationalmannschaften aus Norwegen, Schweiz, eine österreichische sowie französische Auswahl und die Geneva Dragons zu Gast. «Wir organisieren das Turnier auch, um unseren Jungen zu zeigen, wie das europäische Top-Niveau aussieht – das gibt Motivation.»
An dieser Herausforderung wachsen die jungen Flyers, auch wenn sich das nicht immer im Abschneiden am Turnier zeigt. «In manchen Jahren konnten wir gut mithalten, in anderen kamen wir etwas unter die Räder», so Zwyer.
Ein weiterer Punkt ist die hohe Qualität der Trainings. Ferlon Gijsbertha, der Spielertrainer des Fanionteams, gibt beispielsweise in jedem Nachwuchstraining sein Wissen weiter. Der Mexikaner, der letzte Saison als bester Pitcher der NLA ausgezeichnet wurde, führt in Therwil die Tradition der ausländischen Verstärkungsspieler – in der Vergangenheit waren es meist US-Amerikaner – fort. «Das schweisst das Team zusammen. Es ist anders, irgendwie cool, einen amerikanischen Profi in der Mannschaft zu haben», sagt Sebastian Zwyer und ist überzeugt davon, «dass uns das einige Titel gebracht hat.» Er lobt auch die Trainings des ehemaligen australischen Nachwuchsinternationalen Chris Blackbee: «Sein Coaching ist sehr gut.» Ganz wichtig auch die Konstanz im Coaching, mit Philippe Rochon und Paul Ceglia verfügen die Flyers über Coaches, die auf und vor allem auch neben dem Feld die vielen Junioren und Eltern im Griff haben.
Wie gut in Therwil gearbeitet wird, weiss man mittlerweile auch im Ausland. Mit Devin Flühmann hat es ein Ex-Flyer in die US-College-Liga geschafft, U15-Junior Maceo Hefti wurde kürzlich von der Major League Baseball (MLB), der US-Profi-Liga, zu einem European Development Game Education Camp nach Wien eingeladen und wird ab August in die Regensburg Baseball Academy, eine der renommiertesten Ausbildungsstätten in Europa, wechseln. Mit den Zürchern Dominic Scheffler (2023) und Fabio Bundi (2026) wurden kürzlich zwei Schweizer von MLB-Teams gedraftet, deshalb stellt sich die Frage: Sehen wir vielleicht bald einen Therwiler in der MLB? «Dorthin zu kommen, ist sehr schwierig. Es ist ein Haifischbecken, denn 10’000 College-Spieler haben Jahr für Jahr das gleiche Ziel», weiss Sebastian Zwyer und fügt lächelnd hinzu: «Träumen darf man immer!»
Alan Heckel



