Aus Abwasser wird Energie

  10.09.2026 Therwil

ARA Birsig zeigt am Tag der offenen Tür, was moderne Abwasserreinigung heute leistet. Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Birsig in Therwil wurde nach rund 25 Betriebsjahren rundum erneuert und erweitert. Am 19. September 2026 feiert sie die Inbetriebnahme mit einem Tag der offenen Tür und zeigt der Bevölkerung, was sie neben sauberem Wasser sonst noch alles zu bieten hat.

Was täglich durch Toiletten, Waschbecken, Duschen und aus den Betrieben in die Kanalisation fliesst, verschwindet nicht einfach im Nirgendwo. Sondern landet in der Abwasserreinigungsanlage. Dort durchläuft das verbrauchte Wasser einen aufwendigen Reinigungsprozess, den die meisten Menschen kaum wahrnehmen. Dabei schützt die ARA Gewässer, Boden, Trinkwasser und Lebensräume und ist eine grundlegende Voraussetzung für das Leben in einem dicht besiedelten Gebiet. Am Samstag, 19. September 2026, bietet sie die Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen: Die rundum erneuerte und erweiterte ARA Birsig öffnet ihre Türen. Es gibt einiges zu entdecken.

Auf die Besucherinnen und Besucher wartet ein abwechslungsreiches Programm für Gross und Klein: Bei Rundgängen durch die Kläranlage erhalten sie spannende Einblicke in die einzelnen Schritte der Abwasserreinigung, Informationen zu Umwelt- und Gewässerschutz oder was der Wärmeverbund Oberwil-Therwil mit der ARA Birsig zu tun hat. Die Kleinen können auf einem grossen Sandhaufen spielen oder unter fachkundiger Anleitung eine Backsteinmauer bauen. Ausserdem gibt es ein Bagger-Erlebnis, feine Würste vom Grill und kühle Getränke im Ausschank.

Eine Anlage unter schwierigen Bedingungen
Die Anlage der ARA Birsig wurde in den 1990er-Jahren gebaut und lief rund 25 Jahre ununterbrochen. Mittlerweile ist die Bevölkerung im Einzugsgebiet stark gewachsen. Auch die mit verschiedenen Stoffen belasteten Abwässer aus Industrie und Gewerbe haben zugenommen. Die ARA wurde deshalb mehr und mehr belastet, während die Maschinen und die Elektrotechnik älter und älter wurden.

Die gesetzlichen Vorgaben konnte die alte ARA zwar noch erfüllen, aber das System hatte keine Reserven mehr – ausserordentliche Belastungen hätten zum Problem werden können. Ausserdem fehlten einige Reinigungsstufen, die in anderen Anlagen mittlerweile Standard sind. Damit war klar: Es musste gehandelt werden.

Bauen bei engen Platzverhältnissen und bei laufendem Betrieb
Eine Herausforderung für die Erweiterung der Anlage war allein schon die Lage der ARA Birsig: Sie grenzt an ein Wohngebiet und ist von Strassen und vom Marchbach umgeben und verfügt deshalb über keine Landreserven. Gleichzeitig liegen wichtige Teile der Anlage unterirdisch, wie die überbauten bzw. abgedeckten Klärbecken. Für die neue Technik war deshalb kaum Platz vorhanden. Und das Wichtigste: Die Abwasserreinigung musste weiter funktionieren – Bau hin oder her.

Nach Machbarkeitsstudie, Vorprojekt und Bauprojekt konnte im April 2022 schliesslich mit dem Umbau begonnen werden.

Neue Reinigungsstufen und ein Mini-Kraftwerk
Ein zentraler Baustein der erweiterten ARA ist die neue maschinelle Vorklärung. Von nun an siebt sie das vorbehandelte Rohabwasser und entfernt organische Schmutzstoffe. Erst danach erreicht das Wasser die biologische Reinigungsstufe.

Neu ist auch die Schlammbehandlung. Der Schlamm wird auf etwa 38 Grad erwärmt und während rund 20 Tagen ausgefault. Hier bauen Bakterien einen grossen Teil des organischen Materials ab und erzeugen dabei Klärgas. Dieses Gas wird in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Der Strom wird direkt auf der ARA genutzt und die Wärme an den Wärmeverbund Oberwil-Therwil abgegeben. So reinigt die ARA Birsig in ihrem Einzugsgebiet nicht nur das Abwasser, sondern heizt auch Wohnungen in Oberwil und Therwil.

Besonders wichtig ist die neue Ozonierung – sie erfüllt eine gesetzliche Vorgabe für den Gewässerschutz und bildet eine zusätzliche Reinigungsstufe. Das Ozon reduziert im gereinigten Abwasser Mikroverunreinigungen aus Medikamentenrückständen, Kosmetika oder Pestiziden. Zum Schluss wird das Wasser filtriert, bevor es in den Marchbach gelangt.

Bessere Energieeffizienz trotz zusätzlicher Reinigungsstufen
Für die Erweiterung und Erneuerung der ARA Birsig investierte der Kanton insgesamt rund 24 Millionen Franken. Die Anzahl der grossen Maschinen ist von 130 auf rund 230 angestiegen. Damit ist auch die Überwachung der Anlage anspruchsvoller geworden.

Trotz zusätzlicher Reinigungsstufen konnte die Energieeffizienz gesteigert werden: Das Klärgas wird genutzt und nicht wie früher verbrannt und eine neue Fotovoltaikanlage liefert 90 bis 100 Kilowatt Strom.

Wer am 19. September nach Therwil kommt, sieht nicht einfach eine Kläranlage. Sondern sieht das Ergebnis eines mehrjährigen Projekts, das unter engen Platzverhältnissen und bei laufendem Betrieb realisiert wurde. Sieht neue Technik, die das Abwasser gründlicher reinigt, Energie gewinnt und die Anlage für die kommenden Jahrzehnte fit hält. Und entdeckt, wie viel Arbeit, Know-how und Technologie hinter etwas steckt, das wie selbstverständlich aus dem Wasserhahn und in unseren Gewässern fliesst: klares, sauberes Wasser.

Bau- und Umweltschutzdirektion Kanton Basel-Landschaft


Tag der offenen Tür
Das Amt für Industrielle Betriebe der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Basel-Landschaft lädt ein, die ARA Birsig zu entdecken und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Auf die Besucherinnen und Besucher wartet ein abwechslungsreiches Programm für Gross und Klein sowie die Möglichkeit zu spannenden Einblicken und Gesprächen.

Wann: Samstag, 19. September 2026, von 10 bis 16 Uhr
Wo: ARA Birsig, Erlenstrasse 60 in 4106 Therwil

Anreise mit dem ÖV: Tramlinie 10, Buslinien 49 oder 64 bis Haltestelle Oberwil, Hüslimatt


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