Bereicherung des kulturellen Lebens seit 60 Jahren
26.02.2026 BottmingenLinda Loosli und Carla Branca Behle berichten über das Jubiläumsjahr und sagen, warum Musikbildung wichtig ist.
BiBo: Was sind Ihre persönlichen Höhepunkte aus dem Jubiläumsprogramm?
Branca: Für mich ist das gesamte Programm ein Highlight: Es ist sehr divers und wir haben viele Kooperationen. Auch, dass wir so grosse Kisten wie das Jubiläumsmusical im Oktober haben, daneben aber auch kleinere Veranstaltungen wie den poetischen Klavierabend «Abendblätter».
Loosli: Das Programm bildet sehr gut unsere Vielfalt an der Schule ab. Unsere Grundidee bei der Zusammenstellung des Jubiläumsjahresprogramms war: «Zeigen, was an unserer Schule alles läuft.»
Branca: Stimmt, das war die Grundidee. Unsere Lehrerschaft ist dann von sich aus mit Ideen extra fürs Jubiläumsjahr auf uns zugekommen: etwa mit dem «Gitarrenflashmob». Dort spielen 60 Gitarren ein Geburtstagsständchen für die Musikschule. Und das Blechbläserkonzert im August findet im Gartenbad Bottmingen statt.
Was wünschen Sie der Schule für die nächsten 60 Jahre?
Branca: Dass der kulturelle Einfluss, den die Musikschule auf das Leben in Binningen und Bottmingen hat, wahrgenommen wird. Dass die Leute sehen: Wir bereichern das kulturelle Leben.
Loosli: Ich wünsche mir, dass der Stellenwert der Musikschule und der musikalischen Bildung langfristig einen hohen Stellenwert behält. Musikalische Bildung ist sinnhaft, da sie uns verbindet – sie soll sichtbar sein und es auch bleiben.
Branca: Der Wert der musikalischen Bildung muss fest verankert werden. In den 60ern und 70ern haben alle Kinder ein Instrument gelernt. Das ist verloren gegangen.
Warum ist musikalische Bildung so wichtig?
Branca: Sie lehrt uns alle im Leben wichtigen Softskills und bringt Leute zusammen. Sie steigert die Frustrationstoleranz, lehrt Zuhören und Kommunikation. Sei es mit oder ohne Worte – denken Sie nur an die Kammermusik!
Loosli: Musikalische Bildung ist Persönlichkeitsbildung. Wir begleiten Kinder ab sechs Jahren, sie können bei uns bleiben, bis sie zwanzig Jahre alt sind. An unserer Schule tragen wir sie durch ihre gesamte Entwicklung.
Branca: Die 1:1-Betreuung ist an unserer Schule sehr eng. Das ist ein echter Luxus, sie haben keine Lehrer- oder Klassenwechsel. So gesehen haben die Kinder und Jugendlichen bei uns nicht nur individuelle Betreuung, sondern auch zusätzliche Bezugspersonen.
Wie verhalten sich Breitenförderung und Spitzenförderung an der Musikschule Binningen-Bottmingen zueinander?
Loosli: Die Breitenförderung macht die Spitzenförderung möglich. Je mehr Kinder in die Musikschule kommen, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass Schülerinnen und Schüler darunter sind, die in die Spitzenförderung kommen. Der FC Binningen holt auch so viele Kinder wie möglich ins Training. Da sind sich Sport und Musik sehr ähnlich.
Branca: Jede Schülerin und jeder Schüler startet an einem anderen Ort – für die einen ist die Musik ein Hobby, für andere ist es sehr viel mehr. Das ist alles sehr individuell.
Loosli: Unsere Schülerinnen und Schüler schneiden konstant an den Kantonalen Musikwettbewerben sehr gut ab, etwa letztes Jahr am Klavier, Violencello und an der Gitarre. Ja, und dann gibt es auch noch Jonathan Ng, einen Pianisten, der mit 15 Jahren bereits im Stadtcasino Basel, an der Semperoper in Dresden und am Mozarteum in Salzburg gespielt hat. In den Unterricht geht er seit Jahren bei unserer Lehrerin Irina Georgieva. Einen solchen jungen Musiker spielen zu sehen, ist für mich ein Roger-Federer-Moment: Das ist einmalig – Vergleichbares wird es wohl in den nächsten zwanzig Jahren nicht mehr geben.
Was lehrt uns die Musik, was sich auf andere Lebensbereiche transferieren lässt?
Branca: Selbstmanagement und -disziplin. Auf ein Ziel hinzuarbeiten und seine Energien sinnvoll einzuteilen.
Loosli: Den Umgang mit Menschen und die Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Unterrichten Sie noch?
Branca: Ja, ich unterrichte Bratsche (Viola) in Allschwil.
Loosli: Nein, ich gebe keinen Gesangsunterricht mehr.
Vermissen Sie das Unterrichten?
Loosli: Ja, mir fehlt der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, der Bezug zu den Menschen. Aber es passt nicht mehr in den zeitlichen Rahmen meiner Arbeit als Schulleiterin.
Gregor Szyndler


