Bierkultur aus der Nachbarschaft
26.03.2026 EttingenSeit bald 20 Jahren brauen Freunde im kleinen Rahmen ihr Mammutbier. Am Tag der offenen Tür war das Interesse am Ettinger Lokalgetränk gross.
«Wollt Ihr ein Bier?», fragt Bruno Staub die beiden heranschreitenden Herren. «Da hätte ich nichts dagegen», antwortet der eine, während der Kollege lacht: «Ein Glas Wasser wäre besser.» Die neuen Gäste werden per Handschlag willkommen geheissen. Man stösst an und ist sogleich beim Du. Die Stimmung auf dem Vorplatz am Landskronweg ist an diesem Samstag hervorragend. Die Minibrauerei «Mammutbier» hat zum Tag der offenen Tür geladen. Bei der Premiere im Vorjahr kamen weiter über hundert Interessierte, um den Hobbybrauern über die Schultern zu blicken.
Neben Bruno Staub gehören Sohn Floris Staub, Thomas Dexter, Thomas Egeli und Christoph Währen zu Mammutbier. Alles begann vor knapp zwanzig Jahren mit einem simplen Bierbrauset von Thomas Dexter in Hofstetten. Der Name Mammutbier erinnert noch immer an den Ursprungsort der Minibrauerei. Seit über zehn Jahren brauen die fünf Freunde in Ettingen auf dem Vorplatz von Bruno Staub. An diesem Samstag stehen rund 125 Liter Pale Aale mit 4,6 Volumenprozent auf dem Programm. «Leicht bitter, hopfig, schlank» steht auf dem Rezept. «Wir haben sieben bis acht Standardbiere, die hier sehr gut funktionieren», erklärt Thomas Dexter. Die Jahre des Ausprobierens seien vorbei. «Wir brauen Bier, das wir auch selbst gerne trinken», ergänzt Christoph Währen.
Biermenge variiert
Während im Ettinger Ortszentrum noch eingekauft wird, beobachten die Bierbrauer längst ihre Stoppuhren, die Temperaturanzeigen und die Temperaturregler der Gaskocher. Obwohl sie sich stets viel zu berichten haben, dürfen sie die entscheidenden Momente des Brauvorgangs nicht verpassen. Der erste wichtige Moment ist die Zugabe der 25 Kilogramm Malz. Dazwischen braucht es vor allem Geduld. Der Brauvorgang dauert bis in den Nachmittag hinein. Bereit zum Anstossen soll das Pale Ale Anfang Sommer sein. «Kann man es kaufen?», fragen mehrere Besucher gleich nach dem ersten Schluck. Die Antwort ist stets die gleiche: Gäbe es das Ettinger Lokalbier zum Kauf, würde alles gleich komplizierter, erklären Bruno Staub, Thomas Dexter und Christoph Währen mehrfach an diesem Tag. «Wir brauen primär für uns. Man kann zu uns kommen für Anlässe, an denen wir dann gemeinsam Bier brauen. Dann gibt es natürlich auch Bier», ergänzen die drei.
Wie viel Mammutbier pro Jahr gebraut wird, hängt von der Anzahl Anlässe und der Agenda der Brauer zusammen. Mal sind es über tausend Liter im Jahr, mal weniger als 500. In Stein gemeisselt ist jeweils freitags «Bier um vier», wenn die Freunde zum Ende der Arbeitswoche zum Anstossen zusammenkommen.
Viel Lob und viel Handarbeit
Am Tag der offenen Tür ist die Neugier gross, wie es dazu kam, dass auf einem Vorplatz in Ettingen Bier gebraut wird. Die Mammutbier-Macher eint der Genuss und das Interesse am Bier. «Wenn ich unterwegs bin, probiere ich immer das lokale Bier», erzählt Christoph Währen. «Ich bin immer auf der Suche nach etwas Speziellem.» In der Schweiz sei dies längst nicht in jeder Beiz möglich, oft auch erst auf Nachfrage. «Es ist toll, dass hier lokal Bier gebraut wird. Ein Bier aus dem eigenen Dorf gibt es nicht überall», meint Peter Brodmann, der bereits im Vorjahr auf ein Glas vorbeikam. «Es mundet wirklich. Es schmeckt würzig.»
Die Ettinger Bierbrauer erhalten viel Lob. «Ich bin zwar nicht so der Biertrinker, aber es schmeckt mir sehr. Malzig und bitter, so soll es sein», beschreibt ein Herr, der spontan den Moment ausnützt, während seine Frau beim Einkaufen ist. Begeistert ab dem Ettinger Lokalbier ist auch Roger Kleiber. «Man schmeckt gleich, dass mehr dahinter ist. Viel Liebe und Handarbeit.»
In der Tat: Zwar haben sich die Bierbrauer in all den Jahren ein kleines, feines Equipment zusammengekauft und zusammengebaut, doch viele Abläufe realisieren sie noch immer rudimentär von Hand. Ob das Zuschütten des Malzes, das Rühren mit der Holzkelle oder das Umschütten in den Läuterkessel – an einem Brautag ist auch körperliche Fitness gefragt. Den verdienten Lohn dieses Arbeitstages gibt es Anfang Sommer. Mit Sicherheit am Freitag um vier. Na dann, Prost!
Tobias Gfeller


