Blechblasmusik in der Badi
03.09.2026 BottmingenDie 60 Jahre der Musikschule Binningen-Bottmingen wurden im Gartenbad Bottmingen gefeiert, welches dieses Jahr 70 wird.
Trompeten-Lehrer Jan Wollmann steigt am Abend des 21. August die Treppe zur Rutschbahn hinauf und montiert Notenständer. Wo sonst Kinder und Jugendliche Schlange stehen, um die Bahn runterzusausen, laufen letzte Vorbereitungen fürs 60-Jahr-Jubiläum-Konzert der Musikschule Binningen-Bottmingen. Das Konzert ist einer von vielen Programmpunkten, mit denen die Schule das runde Jubiläum feiert.
Vieles an diesem Konzert ist ungewohnt: Etwa die Aufforderung am Eingang des Beckenbereichs, beim Betreten die Schuhe auszuziehen oder die zwei Bademeister, die auf die Musizierenden und Gäste «aufpassen». Konrektorin Carla Branca Behle richtet vor Konzertbeginn ein paar Worte an die Anwesenden. «Wir fühlen uns als Musikschule geehrt, in einer Badi, die dieses Jahr 70 Jahre alt wird, die 60 Jahre der Musikschule Binningen-Bottmingen zu feiern», sagt sie. Sie bedankt sich bei den Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern, der Badi-Crew und der Gemeinde, die alle ihren Teil dazu beitrugen, dass das Konzert stattfinden kann.
Musik rund ums Wasser
Es erklingt eine Trompetenfanfare und schon ist das Konzert eröffnet. Es hat einen roten Faden – beziehungsweise einen blauen, denn alle Stücke drehen sich ums Wasser. Etwa «Am Brunnen vor dem Tore», die «Wassermusik» von Händel, ein Ausschnitt aus dem Soundtrack von «Arielle, die Meerjungfrau» und «Down By the Riverside». Es geht aber auch ums Kondenswasser in den Waldhörnern, das Waldhornlehrer José Martin Blanco und seine Schülerinnen und Schüler zwischendurch aus ihren Instrumenten lassen. «Das passt zum Thema dieses Konzerts», lacht Blanco, als er das Ventil seines Instruments wieder schliesst.
Blanco und Wollmann richten sich zwischen den Stücken immer wieder ans Publikum: «Beim nächsten Stück brauchen wir am Ende eure Mithilfe! Bereitet euch schon einmal darauf vor.» Weil kein Mikrofon vorhanden ist, sind die Ansagen leider manchmal etwas schwer zu verstehen. Dafür versteht man die Musik umso besser. Kurz darauf erklingt «Yellow Submarine». Vom grossen Schwimmbecken her, wo zeitgleich ein Training stattfindet, stimmen ein paar Kehlen in den Evergreen ein. Gegen Ende klatscht das Publikum laut mit und singt, als anstatt ein gelbes U-Boot ein gelb-rotes Tram vorbeifährt. Ein weiterer Höhepunkt ist «Smoke on the Water», zu dem Blanco eine Choreografie vorzeigt, die vom Publikum nachgemacht wird.
Letzter Ton, erste Tropfen
Je länger das Konzert dauert, desto mehr verdichten sich die Wolken. Mit dem letzten Ton kommen die ersten Tropfen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen Gutschein für das Badi-Bistro, der eifrig gegen Süssgetränke oder Glacés eingetauscht wird. Nach dem Verklingen des letzten Stücks beginnt das allgemeine schnelle Zusammenpacken. Stolze Eltern nehmen ihrer Jungmannschaft die Instrumente ab, damit die schneller beim Bistro vorne sind und sich versorgen können. Dort sitzen die Leute noch eine Weile unter den grossen Schirmen zusammen und blicken zurück auf ein schönes Konzert an einem nicht alltäglichen Ort.
«Zuerst war es so lange so schön und jetzt regnet es», sagt ein Vater, als er den Regenschirm aufspannt. «Es wären sicher noch mehr Leute gekommen, wenn es schöner wäre», vermutet seine Frau. «Es ist unglaublich», wundert sich eine andere Konzertbesucherin. «Da hofft man gefühlt 100 Tage lang auf Regen, und wenn er da ist, hat man keinen Regenschirm dabei.»
Gregor Szyndler



