«Bottmingen muss sich weiterentwickeln»

  24.09.2026 Bottmingen

Die Anforderungen an die Raumplanung ändern sich. Gemeindepräsident Christian Caderas beantwortet Fragen zur Ortsplanung.

Was macht Bottmingen für Sie persönlich lebenswert?
Bottmingen liegt ganz nah an Basel und bietet trotzdem viel Grün, Ruhe und Lebensqualität. Die Infrastruktur ist gut, die Wege sind kurz und mit dem öffentlichen Verkehr ist man schnell und unkompliziert unterwegs. Gleichzeitig ist man in wenigen Minuten draussen in der Natur.

Man kennt sich, begegnet sich und kann vieles persönlich und unkompliziert ansprechen. Diese Kombination aus Stadtnähe, guter Infrastruktur, Natur und einem lebendigen Miteinander macht Bottmingen für mich zu einem sehr angenehmen Ort zum Leben.

Welche Entwicklungen machen eine neue Ortsplanung nötig?
Bottmingen plant teilweise noch mit Grundlagen aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Unsere Gemeinde hat sich seither verändert – und auch die Anforderungen an die Raumplanung haben sich verändert. Heute geht es längst nicht mehr nur um die Frage: «Wo darf gebaut werden?» Wir müssen gleichzeitig überlegen, wo zusätzlicher Wohnraum entstehen kann, wie wir Grünräume und Bäume erhalten, wie sich der Verkehr entwickelt, wo Schule und andere öffentliche Nutzungen Platz finden und wie wir mit Hitze und Klimawandel umgehen.

Welche Anliegen wurden in der Mitwirkung besonders häufig genannt?
Die Menschen wollen, dass sich Bottmingen weiterentwickelt – aber nicht beliebig. Es ging dabei sehr stark um das Wie und Wo. Wo kann mehr Wohnraum entstehen, ohne dass jene Qualitäten verloren gehen, die Bottmingen attraktiv machen? Ortsplanung ist für die Bevölkerung kein abstraktes Planungsinstrument. Es geht um die unmittelbare Umgebung, in der die Menschen wohnen, unterwegs sind und ihre Freizeit verbringen.

Warum eignen sich Bottmingen Nord und die Talsohle besser für eine stärkere Verdichtung als die Hangquartiere?
Ein wichtiger Grundsatz der Ortsplanung lautet: Nicht überall soll gleich viel passieren. Bottmingen ist räumlich sehr unterschiedlich, und diese Unterschiede sollen auch in der zukünftigen Entwicklung berücksichtigt werden. In der Talsohle und in Bottmingen Nord gibt es Bereiche, die bereits heute stärker durch Verkehr, Gewerbe, öffentliche Nutzungen oder Mehrfamilienhäuser geprägt sind. Dort können Veränderungen an bestehende Strukturen anknüpfen und wichtige Infrastrukturen und Verkehrsverbindungen liegen in der Nähe. Bei den Hangquartieren sind Topografie, Durchgrünung, Aussicht und die kleinteiligere Bebauungsstruktur prägend. Verdichtung hätte dort eine andere Wirkung. Entscheidend ist für uns nicht nur, wie viel gebaut werden kann, sondern auch, welche Qualität und welchen Mehrwert dadurch für das Quartier entsteht.

Wie geht es mit der Gesamtstrategie weiter?
Die strategischen Aussagen müssen in konkrete Regeln und Pläne übersetzt werden. Da geht es nicht mehr nur um die Frage «Wo wollen wir eine qualitätsvolle Innenentwicklung?», sondern darum, welche Zone dort künftig gilt, welche bauliche Dichte möglich ist, welche Anforderungen an Freiräume gestellt werden und welche Gebäudehöhen sinnvoll sind. Dieser Schritt ist anspruchsvoll, weil aus einer strategischen Idee grundeigentümerverbindliche Regeln werden. Für die Nutzungsplanung ist deshalb eine öffentliche Mitwirkung vorgesehen. Die Gesamtstrategie ist nicht das Ende der Ortsplanung, sondern eher der Kompass für den nächsten, konkreteren Teil. Voraussichtlich im Herbst 2027 wird ein Entwurf stehen, der danach zur kantonalen Vorprüfung eingereicht und für die öffentliche Mitwirkung bereit sein wird.

Was muss geschehen, damit Bottmingen auch in 20 Jahren lebenswert ist?
Bottmingen muss sich weiterentwickeln, ohne seine Stärken aufzugeben. Die Bedürfnisse der Bevölkerung werden sich ändern – darauf müssen wir reagieren. Für mich gehört dazu, dass wir eine gute Infrastruktur erhalten und dort weiterentwickeln, wo sie notwendig ist, ohne Dichtestress entstehen zu lassen. Die Herausforderung wird es sein, eine gute Balance zu finden: genügend Wohnraum und zeitgemässe Angebote, aber gleichzeitig Freiräume, Grünflächen und eine hohe Aufenthaltsqualität. Wenn uns diese Balance gelingt und Bottmingen seinen eigenen Charakter bewahrt, bin ich überzeugt, dass die Gemeinde auch in 20 Jahren ein attraktiver Ort zum Leben sein wird. Gregor Szyndler


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