«Bottmingen Schloss ist klar der beste Standort»
21.05.2026 BottmingenKanton und BLT haben nach alternativen Standorten für die geplante Tramwendeschlaufe im Leimental gesucht. Das Ergebnis blieb das gleiche.
Die Erneuerung der ÖV-Drehscheibe Bottmingen nimmt Form an. Am 21. April übergab der Baselbieter Regierungsrat die Vorlage für den neuen Bushof an den Landrat. 19 Millionen Franken soll der Bushhof mit sechs witterungsgeschützten Haltekanten kosten. Nicht mehr Teil dieser Vorlage ist die Erneuerung der Tramhaltestelle und die Tramwendeschlaufe. Das Tiefbauamt Baselland und die Baselland Transport AG (BLT) erhielten im vergangenen Jahr vom Bundesamt für Verkehr (BAV) die Zusage, dass der Bund die Kosten dafür übernehmen wird. Möglich ist dies nur, da die Tramlinie 10 genauso wie die Tramlinie 11 aufgrund ihrer regionalen Bedeutung als «Überlandbahn» eingestuft ist. Der Bund finanziert zu grossen Teilen deren Infrastruktur.
Die Kostenübernahme aus Bern bedeutet, dass die umstrittene Wendeschlaufe nur noch rechtlich – zum Beispiel über Einsprachen –, aber nicht mehr demokratisch bekämpft werden kann. Dies erklärten Reto Rotzler, Leiter Infrastruktur bei der BLT, und Alain Aschwanden, Leiter Gesamtverkehrsplanung beim Tiefbauamt Baselland, anlässlich der Informationsveranstaltung am 11. Mai in der voll besetzten Trafohalle in Bottmingen.
Dach des Kiosks wird restauriert
Die Wendeschlaufe im Herzen von Bottmingen ist umstritten. Alt-SVP-Landrat Hanspeter Weibel sammelte als Gegner des Projekts in einer Petition über 1150 Unterschriften gegen das Verkehrsprojekt. Nach der öffentlichen Mitwirkung gingen der Kanton und die BLT nochmals über die Bücher und führten erneut ein Variantenstudium für alternative Standorte zwischen Oberwil Hüslimatt und Ettingen durch. Das Ergebnis blieb das gleiche, verriet Alain Aschwanden: «Bottmingen Schloss ist klar der beste Standort.» Auch das Bundesamt für Kultur habe seine Zusage gegeben. Diese ist aufgrund des denkmalgeschützten Weiherschlosses Bottmingen notwendig.
Die Tramwendeschlaufe ist am Standort des heutigen Privatparkplatzes der Firma Prodoba hinter dem Kiosk-Häuschen vorgesehen. Das Kiosk-Häuschen – genauer gesagt dessen denkmalgeschütztes Dach – soll restauriert und anschliessend für eine öffentliche Nutzung im Sinn eines grösseren Kiosks oder eines Cafés aufgewertet werden. Das ehemalige Postgebäude, in dem heute noch die Bibliothek und ein Migrolino eingemietet sind, wird abgerissen. Für die Bibliothek sucht die Gemeinde Bottmingen nach wie vor einen neuen Standort. Für den Migrolino soll es zwischen Tramgleis und Bushof eine Alternative geben.
«Grundsätzlich nichts gegen Wendeschlaufe einzuwenden»
Die Stimmung an der Informationsveranstaltung war deutlich positiver als an vergangenen Anlässen zur Erneuerung der ÖV-Drehscheibe Bottmingen. Es gab nur gerade ein kritisches Votum. Ansonsten überwog das allgemeine Interesse an den geplanten Einzelprojekten.
Der Bottminger Gemeinderat wiederholte seine grundsätzlich positive Haltung zur neuen ÖV-Drehscheibe inklusive Tramwendeschlaufe. «Wir haben als Gesamtgemeinderat nichts gegen die Wendeschlaufe einzuwenden», sagte der für das Ressort Verkehr zuständige Gemeinderat Robert Weller (SP) auf Nachfrage aus dem Publikum. Die Aufwertung und Öffnung des Platzes seien zu begrüssen. Für die Gemeinde Bottmingen dürfen aber keine Kosten entstehen, fordert der Gemeinderat in Richtung Kanton und BLT.
Mit der neuen Wendeschlaufe im Leimental könnten jährlich 750’000 Franken an Betriebskosten gespart werden, da dank der zusätzlichen Wendemöglichkeit nicht mehr jedes Tram bis nach Ettingen zum Wenden verkehren muss, rechnete Reto Rotzler vor.
60’000 Quadratmeter Grüngleis
Der Leiter Infrastruktur der BLT stellte im Rahmen der Informationsveranstaltung zusätzlich zur ÖV-Drehscheibe Bottmingen die Erneuerung der Tramachse Ettingen-Zoo vor. Die Gesamtinfrastruktur auf der rund acht Kilometer langen Strecke müsse erneuert werden. Anstelle der Schottergleise sind auf einer Fläche von 60’000 Quadratmetern Grüngleise mit Gras vorgesehen. An den Zäunen des Tramtrassees soll es Fotovoltaikanlagen geben. Während der zweijährigen Bauzeit in den Jahren 2029/2030 wird der Tramverkehr durch Busse ersetzt.
Tobias Gfeller



