Costa Rica lag hinter der Toggessenmatte
08.01.2026 EttingenIn der Carrosserie Weyl gab Thomas Weyl Einblick in sein fotografisches Schaffen. Seine Fotos aus Costa Rica und die Kalender für 2026 stiessen auf grosses Interesse.
Am Werkhof und an der Toggessenmatte vorbei gelangte man kurz vor Weihnachten nach Costa Rica. Thomas Weyl stellte in seiner Carrosserie Tierfotos aus dem mittelamerikanischen Land aus. In der Spritzkabine, wo sonst Carrosserien lackiert werden, lockten Fotos von Brüllaffen und Papageien Neugierige an. Informationstafeln lieferten Wissenswertes zu den Bildern. Ins Auge stach besonders das Foto von einem Scharlach-Ara, einem grossen, rot-gelbblauen, vom Aussterben bedrohten Papagei. Aber auch eine Kolibri-Fotografie faszinierte: «Die Braunschwanzamazilie gehört zu den Winzlingen unter den Kolibris. Mit über 80 Flügelschlägen pro Sekunde und einem Puls von 1200 pro Minute haben sie einen enormen Energieverbrauch.» Dieses winzige Vögelchen mit seinem langen Schnabel ist der einzige Vogel, der auch rückwärts fliegen und in der Luft «stehen bleiben» kann.
Volles Haus nach der Eröffnung
Immer wieder kamen am 23. Dezember, als der BiBo zu Besuch war, Neugierige in die zur Galerie umfunktionierte Carrosserie. Die Kaffeemaschine mahlte immer wieder los, denn Sandra Weyl versorgte alle Ankommenden sofort mit den Getränken ihrer Wahl. «Heute ist es ruhig», berichtete Sandra Weyl. «Aber am letzten Sonntag, direkt nach der Eröffnung, war hier alles voll.» Sandra Weyl betreibt das «Tandra Lädeli» direkt neben der Carrosserie und stellte Geschenkideen aus Stein und Holz aus. Übrigens gibt es auch unter dem Jahr Ausstellungen in der Carrosserie. «Etwa rund um den Muttertag herum eine mit Geschenkideen aus Holz und Stein», so Sandra Weyl.
Wie aus dem Märchenfilm
Weitere Fotos zeigten Sonnenuntergänge in Ägypten – oder ein Reh zwischen Grabsteinen auf dem Friedhof Hörnli. Zu diesem Foto sagte Thomas Weyl: «Wahrscheinlich ist es eines der letzten Rehbilder überhaupt, das am Friedhof Hörnli entstanden ist. Ich kann noch bis heute die Zwangsumsiedelung der Rehe nicht verstehen. Der Grossteil der Tiere ist an Stress verendet, und hier hatten sie es so schön.» Das geheimnisvollste Foto der Ausstellung zeigte eine Allee knorriger Eichen, die aussah wie direkt aus einem Märchenfilm entsprungen. «Kaum zu glauben, dass dieses Bild in Zürich entstanden ist», stand auf der Informationstafel.
Geduld haben und früh aufstehen
Hinter den Stellwänden, an denen die Fotos aufgehängt waren, entdeckte man auf den zweiten Blick die Werkzeuge, mit denen hier an «normalen» Tagen Carrosserien bearbeitet werden. «Wir machen nichts Mechanisches, sondern nur Carrosserien», berichtete der Angestellte Fikret Ibraimi, der schon seit 16 Jahren hier arbeitet. Am Tag des BiBo-Besuchs gab es Nachschub bei den Costa-Rica-Kalendern fürs Jahr 2026, der 12 von Thomas Weyls Tierfotos zusammenbringt. Und was ist das Geheimnis einer guten Tierfotografie? «Es braucht Geduld, man muss früh aufstehen, eine gute Kamera haben und wissen, was man fotografieren will», antwortet Weyl. Ausserdem müsse man wissen, auf welchen «Zielvogel» man es abgesehen hat, weil man sonst in den Wäldern Costa Ricas leicht die Übersicht verlieren kann. «Ausserdem ganz wichtig: Man braucht eine verständnisvolle Ehefrau, für die es in Ordnung ist, wenn ich immer mal wieder weg bin, um zu fotografieren.»
Zweiwöchige Fotoreise
Thomas Weyl macht zurzeit eine Ausbildung zum Ornithologen. «Ich werde im Mai damit fertig sein. Schon als Kind haben mich Vögel fasziniert – vor allem ihre Freiheit.» Für seine Fotos war er zwei Wochen in Costa Rica. «In der Nebensaison», betont er, «Sonst wäre es an einigen der Orte, wo ich war, vollkommen überlaufen gewesen. In Costa Rica gibt es in der Regenzeit nur kurz gutes Licht, da musst du schnell sein.» Weyls Begeisterung für Vögel wird auch deutlich, wenn er von «seinem» Falken berichtet. «Wir hatten bis vor Kurzem einen jungen Falken, der bei uns am Schlafzimmerfenster landete, wenn ich ihm pfiff. Leider ist er gestorben, er hatte eine Augenentzündung.» Darauf angesprochen, für welchen Vogel er sich entscheiden müsste, wenn er wählen müsste, als was er wiedergeboren werden will, zögert er keine Sekunde: «Als Falke.»
Gregor Szyndler

