Das Brauchtum pflegen und öffnen
27.11.2025 OberwilDie Jodlerfründe Leimental wurden vergangenen Monat gegründet. Initiator Hanspeter Banga erklärt im Gespräch, wie das Vereinssterben im Jodelbereich gestoppt werden kann.
Vor drei Jahren löste sich der Jodelklub Oberwil auf. Was tun die Jodelfründe Leimental, damit das nicht passiert?
Hanspeter Banga: Mit dem Jodelclubsterben im Mittelland kann es nicht weitergehen wie bisher. Jeder Jodelclub im Mittelland sucht immer wieder neue Leute. Alle haben sie ihre Hochs und Tiefs, das ist ganz normal. Bevor es aber zu einer Auflösung kommt, sagen wir: «Lasst uns regional und kantonsübergreifend zusammenarbeiten und uns gegenseitig aushelfen.» Uns geht es um die Sache, um das Kulturgut Jodeln – Engstirnigkeit und «Dörflipolitik» haben in der Jodelei nichts zu suchen.
Was sind die drei wichtigsten Ziele der Jodlerfründe Leimental?
Erstens: Toleranz, Ehrlichkeit, Respekt – und ein fröhliches Miteinandermusizieren. Zweitens: Bei uns können alle mitmachen, niemand wird ausgeschlossen oder abgelehnt, auch wenn die Leute nicht Mitglied vom Eidgenössischen Jodelverband sind. Wir beschränken uns auch nicht auf den Jodel, wir lassen Neues einfliessen, singen in allen Landessprachen und haben erst kürzlich in Kroatien für ein kroatisches Lied herzlichen Applaus bekommen. Drittens: Wir sind an verschiedenen Veranstaltungen präsent und sichtbar. Hier in Oberwil beispielsweise am Gratulationskonzert oder an der Totenehrung.
Was bieten die Jodelfründe Leimental den beteiligten Vereinen?
Wir können uns aushelfen, Leute zu finden, damit die Aktivitäten aufrechterhalten werden können. Ich erlebe immer wieder, wie Vereine alles daransetzen, neue Leute zu finden, es aber nicht schaffen. Aber auch betreffend Organisation und Administration können wir viel bieten, verfügen wir doch in Sachen Vereinsführung über sehr viel Erfahrung und Know-how.
Wie schwer ist es, Jodelclubs von einer Mitgliedschaft zu überzeugen?
Viele kennen uns und unsere Pläne, fausten aber trotzdem lieber für sich allein weiter. Auch wenn das momentan in vielen Fällen gerade noch geht, ist die Frage: Was wird in fünf Jahren sein? Wenn wir uns zusammenschliessen, werden die Traditionen in den Dörfern auch künftig gedeihen. Das Traurige: Wenn man nicht früh genug handelt und sich zusammentut, ist es leider oft nur eine Frage der Zeit, bis ein Chor sich auflösen muss.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Jodlerfründe Aaretal?
Die Aaretaler habe ich vor 25 Jahren gegründet. In der jetzigen Gründungsphase der Leimentaler Jodlerfründe sind die Aaretaler drei Jahre lang die Göttis der Leimentaler. Nach diesen drei Jahren müssen die Jodlerfründe Leimental auf eigenen Beinen stehen.
Welche weiteren Rezepte gibt es, um das Interesse am Jodeln zu erhalten?
Regionale Zusammenschlüsse mit anderen Chören. In Musikschulen könnte mit Jodelkursen früh Neugier geweckt werden. Oder man veranstaltet «Jeder kann mitmachen»-Kurse, bei denen die Freude am gemeinsamen Musizieren im Vordergrund steht, nicht so das Wettbewerbssingen.
Was ist die grösste Herausforderung, vor der die Jodelszene steht?
Das ist keine Herausforderung, dafür aber ein wichtiger Meilenstein. Im Lauf des Dezembers erwarten wir den Bescheid, ob Jodeln Teil des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes der Menschheit wird. Das ist momentan noch offen, die Eingabe ist gemacht und wir erwarten den Entscheid auf Ende Dezember oder Anfang Januar. 2026 kommt auch noch das Jodelfest nach Basel (26.–28.6.26; d. Red). Jodeln erlebt einen Aufschwung. Doch das konkrete Bekenntnis möglichst vieler Menschen, vor Ort im Chor mitzumachen, fehlt manchmal noch ein bisschen. Es ist herausfordernd – aber ich bin positiv und hoffe, dass ein Funke überspringt.
Wie ist das Verhältnis der Jodelfründe Leimental zum Eidgenössischen Jodelverband?
Dem Eidgenössischen Verband Region Nordwestschweiz beizutreten ist eines der noch kommenden Etappenziele. Die Anmeldung muss bis Anfang Februar erfolgen wegen der Mitgliederversammlung. Im März wird an der Delegiertenversammlung darüber entschieden.
Was wünschen sich die Jodlerfründe Leimental auf Weihnachten?
Dass möglichst viele Leute aus Oberwil und dem Leimental für eine Chorprobe oder für ein Schnuppern zu uns kommen. Und wir wünschen uns viele Mitglieder, auch Passivmitglieder und Gönner. Es braucht einiges für einen Erfolg der Leimentaler Jodlerfründe. Gregor Szyndler

