«Das Miteinander im Dorf fördern»
26.03.2026 OberwilEinst der Dorfladen, später das Corona-Impfzentrum, nun ein Treffpunkt für die Bevölkerung: Unter dem Namen «Mehrwärt» wird das Lokal an der Hauptstrasse 20 ab April zum Begegnungsort. Verantwortlich zeichnet der Gewerbeverein Oberwil/Biel-Benken.
Noch ist der Raum leer, das Schaufenster abgedeckt, die Küche unvollständig. «Wir sind mitten in den Vorbereitungen», sagt Reto Dellenbach, Präsident des Gewerbevereins Oberwil/Biel-Benken, während er um sich schaut. Bald soll in den Räumlichkeiten an der Hauptstrasse 20 wieder Leben einkehren: Mit dem Projekt «Mehrwärt» des Oberwiler Gewerbevereins entsteht ab Mai ein neuer Treffpunkt für die Bevölkerung – mitten im Dorf.
Sobald Innen- und Aussenbereich fertig sind und auch die neue Webseite steht, kann es losgehen. Die Eröffnung, die ursprünglich noch für Mitte April eingeplant war, verzögert sich wegen dieser Arbeiten noch um zwei Wochen und wird nun am 25. April von 10 bis 20 Uhr stattfinden.
Vor allem für Vereine
«Die Leute wissen schon, dass hier etwas kommt», meint der Vereinspräsident zufrieden. Es seien bereits mehrere Reservationsanfragen eingegangen – vor allem von Vereinen, die ihre Jahresversammlungen durchführen wollten. «Das Bedürfnis nach einem solchen Ort ist da», stellt er fest. Tatsächlich ist der neue Treffpunkt in erster Linie für die lokalen Vereine gedacht. «Wir haben in Oberwil und Biel-Benken so viele Vereine und die meisten haben keine eigene Lokalität.» Der Treffpunkt «Mehrwärt» soll aber grundsätzlich allen Interessierten offenstehen. «Jeder, der mit seiner Idee das Miteinander im Dorf fördern will, ist willkommen», so Dellenbach. Ob Yogakurs, Themenabend oder Produkteausstellung, ob Verein, Firma oder Einzelperson: Anfragen nimmt der Gewerbeverein gern über die Homepage unter www.gvob.ch entgegen. Voraussichtlich zweimal in der Woche soll das Lokal ausserdem für jene offenstehen, die am Nachmittag einen Kaffee geniessen oder auch einmal nach der Arbeit ein Feierabendbier trinken wollen. Regulär als Café wird es aber nicht betrieben – um den umliegenden Geschäften keine Konkurrenz zu machen. Denkbar ist schliesslich die Vermietung der kleineren Räume im oberen Stock als Ateliers oder Büros für Start-ups oder
Einzelpersonen.
«Wir wollen es versuchen»
Die Initiative für das Projekt stammt übrigens von der Gemeinde Oberwil. Diese hat für das Lokal nämlich Pläne, deren Vorbereitung und Realisierung noch einige Jahre dauern. Und da die Räumlichkeiten schon seit einigen Jahren leer stehen, nachdem sie früher den Dorfladen und zu Coronazeiten auch das Impfzentrum beherbergt hatten, gelangte die Gemeinde an den Gewerbeverein mit der Idee für eine Zwischennutzung. «Da war für mich klar: Wir wollen es versuchen. Einen besseren Standort bekommt man in Oberwil nicht», sagt Reto Dellenbach.
Dass das Projekt und auch der Treffpunkt «Mehrwärt» heisst, ist im Prinzip ein Zufall. Bereits vor der Anfrage der Gemeinde hatte sich der Gewerbeverein nämlich das neue Label «eifach Mehrwärt» überlegt, das er demnächst in Form von Aufklebern an die Mitglieder verteilen wird. Damit können diese ihrer Kundschaft zeigen, dass sie zusammengehören. Reto Dellenbach spricht in diesem Zusammenhang von der «Stärkung des Kreislaufs». Mit dem Label werde nämlich sichtbar, wie viele Geschäfte Oberwil eigentlich zu bieten habe. So soll die Bevölkerung motiviert werden, lokal einzukaufen oder Dienstleistungen zu beziehen – im eigenen Kreislauf eben.
Und auch zum Treffpunkt passt der Name gut: Denn natürlich ist es ein «Mehrwärt», wenn die Liegenschaft sinnvoll genutzt wird, als wenn sie einfach leer steht. Das sei auch für das Image von Oberwil nicht gut, findet Dellenbach: «Gleich nebenan der schöne Neubau mit dem Dorfplatz und hier eine verlassene Liegenschaft. Das passt nicht, das sind zwei verschiedene Welten.»
Gewinn ist nicht das Ziel
Doch das soll sich nun eben bald ändern. «Ich freue mich, wenn wir endlich aufmachen können und sehen, was wir mit relativ bescheidenen Mitteln bewegen können», meint der Vereinspräsident. Apropos Mittel: Finanziert wird das Projekt aus eigenen Kräften des Vereins – auch der Umbau erfolgt soweit möglich über die Mitglieder. Diesen stehen im Gegenzug Werbeflächen im künftigen «Mehrwärt» zur Verfügung. Auf Gewinn ist das Projekt ohnehin nicht ausgelegt. Laut Dellenbach wäre es aber wünschenswert, zumindest eine schwarze Null zu schreiben: «Das Geld steht nicht im Vordergrund. Wichtig sind die Menschen, die das Projekt mittragen und das Angebot nutzen werden.»
Nathalie Reichel

