Der Förster ruft zur Rücksicht im Wald auf
28.05.2026 EttingenVandalismus, geschälte Bäume und ein Waldbrand – die FBG am Blauen hat derzeit mehr zu tun, als ihr lieb ist.
Seit Oktober letzten Jahres ist Tim Oberkirch Revierförster bei der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) am Blauen. Der 25-Jährige ist in Hofstetten aufgewachsen und kennt das Waldgebiet inund auswendig. Wenn er von «vielen Herausforderungen» spricht, meint er vor allem die Tatsache, «dass ich von Christoph Sütterlin ein grosses Vermächtnis übernommen habe». Oberkirchs Vorgänger war über drei Jahrzehnte im Amt gewesen, sich in alles einzuarbeiten, war entsprechend komplex. «Dass ich seit 2021 hier arbeite, hat mir sicher geholfen.»
Die Arbeit des neuen Revierförsters und seines Teams wurde in den letzten Monaten allerdings weiter erschwert: Vandalen trieben Schindluder mit Schildern im Wald, rissen sie heraus, drehten sie um oder machten sie mit Schmierereien und Aufklebern praktisch unlesbar. «Solche Vorfälle hatten wir schon immer, aber in letzter Zeit haben sie deutlich zugenommen», sagt Tim Oberkirch. Eine genaue Zahl der Vandalismus-Vorfälle kann er nicht nennen, spricht aber davon, «dass wir sicher ein Dutzend Infotafeln ersetzen mussten». Ausserdem müssen gewisse Routen noch abgelaufen werden, sodass die Anzahl weiter steigen könnte.
Die Vorfälle beschränken sich nicht auf ein bestimmtes Gebiet, sondern sind im ganzen Revier vorgekommen. Auch auf einen bestimmten Wochentag oder eine bestimmte Tageszeit lassen sich die Geschehnisse nicht eingrenzen, weil die betreffenden Schilder nicht immer sofort entdeckt werden. Konkrete Schlüsse auf die Täterschaft lassen sich somit nicht ziehen. Was die verklebten Schilder betrifft, meint Oberkirch, «dass wohl ein paar Jugendliche ein paar Sticker in die Finger gekriegt haben …».
Etwas weniger ins Gewicht fallen im Vergleich dazu geschälte Bäume neben den Feuerstellen. «Es ist traurig, dass wir solche Auswüchse mittlerweile als normal bezeichnen», bedauert der Revierförster dennoch die Verunstaltungen.
Alles andere als normal war hingegen, was sich am Abend des 26. April ereignete: Ein Flurbrand, der sich über rund 100 Aaren erstreckte, hatte einen Einsatz der Feuerwehr zur Folge. Die offizielle Brandursache ist nicht definiert. Ausgangspunkt könnte eine illegale Feuerstelle beim Fürstenstein-Felsen gewesen sein, die aufgrund fahrlässigem Umgang den Felsen runterfiel.
Die Feuerwehr musste ihre Arbeit unter erschwerten Bedingungen verrichten, denn die Brandstelle war nur schwer zugänglich. Zudem hatte man Glück, dass ein grösserer Schaden verhindert werden konnte. «Ein Feuer an dieser Stelle kriegt man nur zufällig mit. Glücklicherweise hat es jemand gesehen und die Feuerwehr alarmiert», sagt der Förster.
Ereignisse wie dieses unterstreichen einmal mehr, dass offizielle Feuerstellen aus gutem Grund existieren. Besonders an Hitzetagen ist der Wald sehr sensibel, da kann schon ein weggeworfener glühender Stock Verheerendes auslösen, deshalb ist es umso wichtiger, nur an den vorgegebenen Orten zu grillieren. Auch grosse Waldschilder haben eine Funktion, denn – sofern lesbar und an der richtigen Stelle platziert – sie informieren die Waldbesucherinnen und -besucher darüber, was sie dürfen und was nicht, damit der Wald noch ganz lange in der aktuellen Form erhalten bleibt.
Obwohl die vergangenen Wochen und Monate teilweise frustrierend waren, lässt sich Tim Oberkirch davon nicht in seinem Drive bremsen. Sein Rezept, um Fehlverhalten aller Arten im Wald zu vermeiden, heisst, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Er macht Waldbegehungen, Rundgänge mit Interessengemeinschaften, ist an Informationsanlässen präsent und steht auch dem BiBo für einen Artikel geduldig Rede und Antwort. «Ich bin überzeugt, wenn sich die Leute der Konsequenzen ihrer Handlungen vollauf bewusst sind, würden sie es nicht mehr machen!» Alan Heckel




