Die Hitze hält nicht vom Mitreden ab

  25.06.2026

Die Temperaturen kratzten an der 30-Grad-Marke, die Sonne brannte bis in die Abendstunden, und manch einer dürfte sich gefragt haben, ob der Weg zur Gemeindeversammlung wirklich verlockender ist als der Sprung ins Schwimmbad oder ein gemütlicher Grillabend im Garten. Dennoch fanden sich in den Gemeinden zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner ein, um über die Zukunft ihres Dorfes mitzuentscheiden. Die Gemeindeversammlungen dieser Juni-Tage zeigen: Das Interesse an der Lokalpolitik schmilzt selbst bei hochsommerlichen Temperaturen nicht dahin.

Besonders deutlich wurde dies in Oberwil. Gemeindepräsident Hanspeter Ryser zeigte sich an der Gemeindeversammlung erfreut über den guten Aufmarsch – trotz Temperaturen von über 30 Grad. Die Jahresrechnung stand zwar im Zentrum des Abends, doch die Diskussionen machten deutlich, vor welchen Herausforderungen die Gemeinden heute stehen. Steigende Kosten in den Bereichen Gesundheit, Alter und soziale Sicherheit beschäftigen längst nicht nur Oberwil, sondern viele Gemeinden im Baselbiet.

Auch in Bottmingen wurde an der Gemeindeversammlung zurückgeblickt und nach vorne geschaut. Im Mittelpunkt stand die Verabschiedung von Philipp Bollinger, der die Gemeinde während mehr als zwei Jahrzehnten im Gemeinderat mitprägte. Seine politische Laufbahn erinnert daran, wie stark Gemeinden vom langfristigen Engagement einzelner Persönlichkeiten leben. Gleichzeitig standen mit der Jahresrechnung und der Diskussion um das Feuerwehrreglement auch Themen auf der Traktandenliste, die zeigen, wie sich Gemeinden laufend an neue gesellschaftliche Realitäten anpassen müssen.

In Therwil wiederum richtete sich der Blick nicht nur auf die Rechnung 2025, sondern auch auf die Zukunft der Gemeindefinanzen. Die Einführung einer Mehrwertabgabe und die Präsentation einer neuen Finanzstrategie verdeutlichen, wie sorgfältig Gemeinden heute planen müssen, um auch künftig handlungsfähig zu bleiben. Hinter den teilweise technischen Begriffen stehen letztlich Fragen, die jede Einwohnerin und jeden Einwohner betreffen: Wie werden Projekte finanziert? Woher kommen die Mittel für Investitionen? Und wie bleibt eine Gemeinde langfristig attraktiv?

Einen ganz anderen Blick auf das Zusammenleben bietet die Geschichte aus Ettingen. Dort steht eine Freundschaft im Mittelpunkt, die über Kontinente hinweg entstanden ist. Nach fast einem Jahr in Ettingen nimmt die chilenische Austauschschülerin Martina Gonzalez Abschied von ihrer Gastfamilie. Ihr Bericht zeigt, wie bereichernd es sein kann, neue Kulturen kennenzulernen.

Vielleicht wäre der Sprung ins kühle Nass oder die Bratwurst vom Grill verlockender gewesen. Doch gerade wer trotz Sommerhitze den Weg an die Gemeindeversammlung findet, beweist: Bürgersinn ist offenbar hitzeresistenter als gedacht. Brooke Keller


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