Die Sanierung des «Däge-Lädeli» geht in Planung

  29.10.2026 Oberwil

Nach einer ausgiebigen und teils vehementen Diskussion hiessen die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom 22. Oktober den Kredit für die Sanierung und Umnutzung des «Däge-Lädeli» letztlich doch mit grosser Mehrheit gut.

In einer Zeit der knappen Finanzen wird naturgemäss jedes kostspielige Projekt von den Stimmberechtigten kritisch betrachtet. An der Gemeindeversammlung vom Mittwoch der vergangenen Woche beantragte der Gemeinderat einen Projektierungskredit von 450’000 Franken für die Sanierung und Umnutzung des «Däge-Lädeli» bis zum Abschluss der SIA-Phase 41 (Submission). Die spätere Ausführung der projektierten Arbeiten wurde mit Kosten von rund drei Millionen Franken veranschlagt.

Neue Nutzung statt Leerstand
Vizepräsident Pascal Ryf als fürs Ressort Bauten und Raumplanung zuständiger Gemeinderat machte die Anwesenden mit der langen Geschichte der Liegenschaft bekannt. Das Haus wurde 1850 (!) erbaut, bereits im 19. Jahrhundert als Laden geführt und verdankt seinen umgangssprachlichen Namen der Besitzerfamilie Degen. Eine erste bauliche Erweiterung erfolgte 1926, ein markanter Anbau 1957. Ab dem Jahr 1969, in dem der Milchverband das Gebäude übernahm, befand es sich nicht mehr in Privatbesitz. Zwischenzeitlich, im Jahr 1974, wurde auch schon einmal der Abriss erwogen, um anstelle des «Lädeli» einen Wohnblock zu errichten, das Projekt jedoch wieder verworfen. 2007 kaufte die Einwohnergemeinde die Liegenschaft aus strategischen Gründen, da sie zentral am selben Platz steht wie das Gemeindehaus.

Seit sich das «Däge-Lädeli» in kommunalem Besitz befindet, ist der Verwendungszweck stets offen geblieben. Das Haus beherbergte bereits ein Corona-Testzentrum, sowie aktuell eine Brauerei und (anhand der Beschriftung gut erkennbar) die Zwischennutzung «Mehrwärt» des Gewerbeverbands – grundsätzlich steht das Anwesen jedoch leer.

Der gemeinderätliche Entscheid, die Liegenschaft zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen, gehe bereits auf März 2020 zurück, erläuterte Pascal Ryf. Das Gebäude stehe in der Kernzone und sei als erhaltenswerte Liegenschaft im Zonenplan Siedlung eingetragen, deshalb solle im Zuge der Sanierung die historische Bausubstanz wieder zur Geltung gebracht, der Anbau aus dem Jahr 1957 zurückgebaut und der ehemalige Vorplatz (der sich im Untergrund des Anbaus befindet) wieder hervorgehoben und begrünt werden. Was die Nutzung angehe, sei es von Anfang an ein Wunsch zahlreicher Oberwiler gewesen, im Erdgeschoss ein öffentliches Café als Begegnungsort entstehen zu lassen. Im Inneren solle ein multifunktionaler Raum für Vereinstreffen und kulturelle Anlässe zur Verfügung gestellt werden. Es werde sich um einen einzigen, umfassenden Innenraum handeln – auf eine mehrstöckige Anlage des Hausinneren werde verzichtet, da ansonsten auch das Obergeschoss barrierefrei erbaut werden müsste, was das Projekt stark verteuern würde.

Hauptaspekte der Sanierung sind der Ersatz des zu 80 Prozent beschädigten Dachstuhls durch einen neuen Sichtdachstuhl in Anlehnung an das bestehende Erscheinungsbild und die Ertüchtigung der Giebelwand. Im Mai 2028 wäre Ausführungsstart der Arbeiten, die Bauzeit ist bis Juli 2029 vorgesehen. «Nichts zu machen wäre nicht ratsam», argumentierte Gemeinderat Ryf, «denn es dringt immer wieder Wasser ein, und der Dachstock müsste ohnehin saniert werden – nur dann eben ohne Mehrwert. Man hätte einfach ein leer stehendes Haus am Platz neben dem Gemeindehaus.» Für den Projektierungskredit wurden 407’000 Franken errechnet; die 450’000 Franken, welche an der Gemeindeversammlung beantragten wurden, enthalten eine Schwankungsreserve.

Bedenken wegen der Kosten
Bereits zur Frage, ob die Stimmberechtigten auf das Geschäft eintreten wollten, entstand eine engagierte Debatte. Von der unterstützenden Seite erhielt das Projekt Lob dafür, dass es einen Veranstaltungsort und Treffpunkt für Vereine entstehen lasse, die einen Raum von geringerer Grösse bräuchten als den Saal im Marbachschulhaus. Jene Personen, die das Traktandum erst gar nicht behandeln wollten, argumentierten mit der angespannten finanziellen Lage der Einwohnergemeinde: Da keine Reserven vorhanden seien, werde man sich für die gesamten Ausgaben zusätzlich verschulden müssen. Auch wurde angesichts weiterer anstehender Investitionen, etwa in den Schulraum, die Dringlichkeit des Vorhabens bestritten. Die radikalsten Voten plädierten dafür, das «Lädeli» einfach abzureissen – ein Ansinnen, dem Pascal Ryf dezidiert widersprach: «Es darf nicht sein, dass man die letzten historischen Häuser nun auch noch abbricht!» Und aufgrund des Status im Zonenreglement Siedlung könne es auch gar nicht ersatzlos abgerissen werden – die Gemeinde müsste einen Neubau realisieren, was ebenfalls ins Geld gehen würde.

Der Nichteintretensantrag wurde mit 83:35 Stimmen abgelehnt. In der Detailberatung fanden einige zusätzliche Informationen Erwähnung – etwa, dass der Planungsauftrag wettbewerbsmässig an eines von sechs Architektenteams vergeben werden solle und dass es für den Betrieb eines künftigen Cafés tatsächlich schon Interessenten gebe. Ausserdem musste Gemeinderat Ryf die Befürchtung entkräften, dass wegen dieses Projekts die finanzielle Unterstützung des FC Oberwil leiden könnte. Die Frage, ob die Liegenschaft nicht von der Bürgergemeinde übernommen werden könne, verneinte Gemeindepräsident Hanspeter Ryser: «Die Bürgergemeinde verfügt nur über die Einnahmen aus ihren Mietzinsen und muss andere Prioritäten setzen.» In der Abstimmung fand der Kreditantrag letztlich mit 88:31 Stimmen eine klare Annahme.

Nachtrag zum Thema Tempo 30
Abschliessend sei der Hinweis eines Einwohners erwähnt, dass in der BiBo-Berichterstattung über die Gemeindeversammlung vom 18. Juni irrtümlich vermeldet worden sei, dass die Beschwerden gegen die Einführung von Tempo 30 auf der Kantonsstrasse gerichtlich abgewiesen worden seien. Richtig ist, dass die beiden Beschwerdeführer ihre Einsprachen zurückgezogen haben, was hiermit als Korrektur zu einem Bericht nachgetragen sei, der einen anderen Verfasser hatte. Reto Wehrli


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