Differenzen und Einigkeit

  28.05.2026 Therwil

Die beiden Kandidaten für die Ersatzwahl für den Baselbieter Regierungsrat Philipp Schoch (Grüne) und Matthias Liechti (SVP) kreuzten auf einem Podium in der Alten Schreinerei in Therwil die Klingen.

Matthias Liechti liess in Therwil die Katze aus dem Sack. Lange Zeit war er unschlüssig, ob er der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» seiner Partei zustimmen soll oder nicht. Er sei sich unsicher, weil er mit mehreren Elementen der Initiative Mühe bekunde, sagte der Oberbaselbieter in den vergangenen Wochen mehrfach. Er tendiere nun zu einem Ja zur Initiative, verriet Liechti am Freitagabend im Rahmen des «Polit-Talks» in der mit über 40 Personen gut besetzten Alten Schreinerei. Es sei wichtig, beim Bevölkerungswachstum das Tempo zu drosseln, um die Infrastruktur bereitzustellen. Trotz seiner Zustimmung zur heiss diskutierten Initiative rückte Matthias Liechti nicht davon ab, sich als pragmatischer und gemässigter Vertreter der SVP zu präsentieren.

Philipp Schoch fährt im Wahlkampf eine ähnliche Strategie. Der Prattler Gemeinderat von den Grünen ist darum bemüht, die Wahl zu einer Persönlichkeitswahl zu machen. Die Parteien seien im Regierungsrat sekundär. «Es geht primär um die Person und um Fähigkeiten», betonte Schoch mehrfach. Liechti sieht die Rolle der Parteien nicht ganz so entspannt. «Es macht einfach Sinn, dass die grösste Fraktion im Landrat auch in der Regierung vertreten ist.» Liechti beschrieb sich als SVPler, der nicht mit dem Kopf durch die Wand geht und im Landrat auch mal gegen die Fraktionshaltung stimmt.

«In kleinen Schritten Massnahmen ergreifen»
Die grössten Differenzen im Gespräch mit Moderatorin Alessandra Paone wiesen Philipp Schoch und Matthias Liechti bei den Themen Zuwanderung, Verkehr – Stichwort Rheintunnel – und Klima auf. Geht es nach Schoch, bringt es wenig, sich an einem Grossprojekt wie dem Rheintunnel, der erst in vielen Jahren realisiert wäre, festzuhalten, um die heute bestehenden Verkehrsprobleme zu lösen. «Wir können nicht alles für die nächsten Generationen aufbewahren. Wir müssen schon jetzt in kleinen Schritten Massnahmen ergreifen.» Nur mit kleinen Massnahmen werde das Mobilitätsbedürfnis nicht gelöst, entgegnete Liechti. Bei der Diskussion über die SVP-Initiative fielen sich die beiden Kandidaten immer wieder gegenseitig ins Wort. «Wir müssen für uns Verantwortung übernehmen und uns überlegen, wie wir weniger vom Ausland abhängig sind», meinte Matthias Liechti auf Philipp Schochs Votum, die Schweiz sei gerade im Gesundheitswesen abhängig von der Zuwanderung. Der Kandidat der Grünen kennt als Leiter der Intensivstation des Kantonsspitals Baselland (KSBL) die Probleme der fehlenden Fachkräfte in den Spitälern. Für Liechti ist es aber keinesfalls die Lösung, immer mehr Menschen in die Schweiz zu holen, da diese dann auch wieder eine Nachfrage auslösen werden.

Kritik an tiefer Rückführungsquote
Philipp Schoch anerkannte teilweise die von Matthias Liechti genannten Probleme, die das Bevölkerungswachstum und die Zuwanderung mit sich bringen. «Wir haben Probleme mit gewissen Leuten, die in die Schweiz migrieren. Ich bin nicht der, der sagt, alle sind willkommen und wir müssen alle Schleusen öffnen», sagte Schoch. Es waren ungewöhnlich klare Worte für einen Vertreter der Grünen. «Wir müssen ganz genau hinschauen. Im Alltag der Gefängnisse und der Polizei ist es ein riesiges Problem», mahnte der Prattler in Sachen Kriminalität. Seine Gemeinde zeige, dass die Integration mit viel Engagement gelingen kann. Matthias Liechti kritisierte in der Zuwanderungsdebatte die tiefe Quote des Kantons Baselland bei der Rückführung von Ausländerinnen und Ausländern in deren Heimatländer.

Auf eine Frage aus dem Publikum musste der SVP-Kandidat erklären, wie er sein Ja zur «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative mit seinem christlichen Glauben vereinbaren könne. «Wir müssen unterscheiden, was habe ich als Person und was haben wir als Staat für eine Verantwortung.» Er sei ein sehr sozialer Mensch, auch hinsichtlich von Flüchtlingen, bekräftigte Liechti.

Einig waren sich die beiden Kandidaten bei der zunehmenden finanziellen Belastung der Gemeinden. Mit den an die Kommunen delegierten Aufgaben müsse sich auch der Geldfluss nach unten erhöhen, forderten Philipp Schoch und Matthias Liechti. «Wir können im Baselbiet nur erfolgreich sein, wenn es auch den Gemeinden gut geht», gab Schoch zu bedenken. Dass mit einer Wahl des Prattlers das Oberbaselbiet und damit in der Tendenz die kleineren Gemeinden nicht mehr im Regierungsrat vertreten wären, sieht Liechti als Rümlinger als Problem. Es helfe, wenn man die Bedürfnisse der kleinen Gemeinden persönlich kenne. Tobias Gfeller


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