BUCHVERNISSAGE
Ehrliche Einblicke ins Leben einer Fussballlegende
01.10.2026
Regio
Die Karli-Odermatt-Biografie «Immer am Ball – Forever Young» wurde der Öffentlichkeit vorgestellt.
Über 100 Menschen sind am Donnerstagabend vergangener Woche in der Filiale der Basler Kantonalbank an der Spiegelgasse anwesend, als CEO Regula Berger mit dem Mikrofon vor die Leute tritt und «Fans, Freunde und Kundinnen und Kunden» begrüsst. Sie alle sind gekommen, um der Buchvorstellung von «Ikone und Legende» (Berger) Karli Odermatt beizuwohnen. Dessen bereits dritte Biografie «Immer am Ball – Forever Young» ist bereits vor dem Erscheinen in aller Munde.
Keine Lobhudelei
Darauf verweist auch Alfred Rüdisühli, Verwaltungsratspräsident des Friedrich Reinhardt Verlags, der das Buch herausgibt. Während eines kurzen Einblicks in die Entstehung des Werks spricht er von einer «unglaublichen Hysterie, alle Medien reissen sich um Karli». Ob regionale Tageszeitungen, Online-Portale oder nationale Klatschmagazine – sie alle hatten in den vergangenen Tagen die eine oder andere Karli-Story. Denn dafür ist der Ex-Internationale neben seinen fussballerischen Fähigkeiten landesweit bekannt. Es ist also keinesfalls bloss eine Werbefloskel, wenn Rüdisühli sagt: «Es gibt keine Minute Langeweile in diesem Buch!»
Der Verleger hält aber fest, dass er im Vorfeld die Bedingung stellte, die Biografie solle «keine Lobhudelei», sondern ehrlich sein. «In vielen Biografien sind die Menschen ‹Supersieche›, die keine Fehler machen – so etwas wollte ich nicht.» Als Rüdisühli das erste Kapitel zu lesen bekam, war sein erster Gedanke gewesen: «So ehrlich muss es auch wieder nicht sein …» Dennoch ist der Mann vom Friedrich Reinhardt Verlag «mächtig stolz» darauf, wie das Buch geworden ist.
Darüber und noch mehr spricht im Anschluss Dani von Wattenwyl mit Odermatt und Florian Blumer, der in unzähligen Gesprächen mit der Fussballlegende die Essenz herausgefiltert und in Buchform gebracht hat. Der Moderator kommt ohne Umschweife auf den Punkt: «Es ist wahnsinnig persönlich. Wieso?» «Im Leben ist es wie im Fussball: Man gewinnt nicht immer, es gibt auch andere Tage», antwortet die FCB-Ikone, die dies auch in der Biografie zum Ausdruck bringen wollte.
Therapeutische Gespräche
Und so skizziert Blumer den Mann, der im kollektiven Gedächtnis als Lebemann, Spassmacher, Gute-Laune-Bär oder Sprücheklopfer abgestempelt ist, als jemanden, der viel durchmachen musste, um der zu werden, der er ist. Da gibt es den gewalttätigen Vater, einen Pfarrer, der übergriffig wurde («Danach hatte ich Angst, in die Kirche zu gehen!»), und einen Lehrmeister, der dem jungen Odermatt sagte, dass er die Abschlussprüfung als Offsetdrucker nicht bestehen würde. «Eure Gespräche müssten ja beinahe etwas Therapeutisches gehabt haben», entfährt es von Wattenwyl.
So weit will Florian Blumer nicht gehen und bezeichnet Karl Odermatt als jemanden, «der die besondere Eigenschaft hat, abgeschlossene Geschichten zu erzählen». Dies hat er mit teilweise entwaffnender Ehrlichkeit getan. Zwar hatte der 83-Jährige ein Vetorecht, um allzu Persönliches nicht an die Öffentlichkeit zu tragen, machte davon aber keinen Gebrauch. «Was gesagt wurde, kommt auch ins Buch!»
Was in «Immer am Ball – Forever Young» ebenfalls zum Vorschein kommt, ist Karl Odermatts Ehrgeiz. Trotz allem Talent musste er viel investieren, um zu einem der besten Spieler der Schweizer Geschichte zu werden. Er nennt die Episode, nachdem er Mitte der 70er-Jahre zu den Berner Young Boys gewechselt hatte, als Beispiel. «Ich war der Erste, der ins Training kam, und der Letzte, der wieder ging. Als meine Mitspieler das gesehen haben, haben sie mich schnell akzeptiert.»
Ungewöhnlicher Widerspruch
Für Ex-Handballer Blumer, einst Goalie beim RTV Basel, eine Eigenschaft, die eigentlich im Widerspruch zu Odermatts fröhlichem Naturell steht. «Wir hatten damals zwei Arten von Spielern – die Ehrgeizigen, die alles dem Erfolg unterordneten, und die anderen, die alles nicht so ernst nahmen und immer für einen Spruch gut waren. Karli ist jemand, der beides vereint, was sehr ungewöhnlich ist.» Allen Fasnachts- und Messebesuchen zum Trotz waren die sportlichen Auftritte des begnadeten Rechtsfüssers nämlich stets einwandfrei. «Ich musste immer Leistung bringen, um dorthin zu kommen, wo ich war», betont Karli Odermatt und fügt hinzu, dass er überall, wo er gespielt hat, auch Captain war.
Neben den düsteren Geschichten gibt es im Buch und im Verlauf des Talks auch jede Menge heitere und lustige Storys. Als Dani von Wattenwyl wissen will, ob Odermatt neidisch auf die aktuelle Fussballergeneration ist, die viel mehr verdient als er zu seiner Aktivzeit, verneint dieser. «Mir geht es gut. Ich habe ein Haus und ein Auto. Meine Kinder haben auch Autos …» Was er aber gerne gehabt hätte, ist die Infrastruktur, die ein Verein wie der FC Basel heutzutage hat. «Als ich mich damals massieren lassen wollte und jemand schon da war, musste ich eine Stunde warten.» Die Profis von heute hingegen können sich jederzeit die müden Muskeln durchkneten lassen. «Stellt euch vor, ich hätte das damals gehabt. Wie gut wäre ich wohl dann geworden?», entfährt es ihm, während das Publikum lacht und klatscht.
Die 45 Minuten, die der Talk dauert, vergehen wie im Flug. Kein Wunder, denn wenn Karli Odermatt etwas erzählt, sind Heiterkeit und Kurzweil garantiert. Florian Blumer hat dies geschickt für «Immer am Ball – Forever Young» adaptiert, denn das Buch ist in Ich-Form gehalten. Wenn man Karli Odermatt liest, hört man ihn auch. Alan Heckel
Karli Odermatt
Immer am Ball – Forever Young
Florian Blumer,
Friedrich Reinhardt Verlag
220 Seiten, Hardcover,
ISBN 978-3-7245-2887-6,
CHF 34.80


