Ein Fisch, der Basel verbindet
30.07.2026 EttingenWenn die Sonne über Basel brennt, gibt es für viele nur einen Ort: den Rhein. Zwischen dem Tinguely-Museum und der Dreirosenbrücke treiben Hunderte Menschen mit der Strömung flussabwärts und über ihren Schultern baumeln bunte Wickelfische. Sie gehören längst zum Basler Sommer.
Am Dienstag, 11. August, werden es besonders viele sein. Beim offiziellen Basler Rheinschwimmen treiben erneut Tausende gemeinsam den Rhein hinunter. Fast alle haben einen Wickelfisch dabei. Was heute selbstverständlich wirkt, begann vor über 20 Jahren mit einer ebenso einfachen wie genialen Idee. Im Jahr 2002 entwickelte der Basler Designer Tilo Ahmels einen wasserdichten Schwimmsack in Form eines Fisches – ursprünglich als Marketingaktion für die Industriellen Werke Basel (IWB). Nach dem Chemieunfall von Schweizerhalle im Jahr 1986 sollte der «Wickelfisch» symbolisieren, dass der Rhein wieder sauber genug ist, damit Fische und Menschen darin schwimmen können. Mit seiner Idee wandte sich Ahmels an die Andreas Kopp AG in Ettingen. Das Familienunternehmen ist auf personalisierte Verpackungen spezialisiert. Seine Frage: «Könnt ihr einen wasserdichten Sack herstellen?»
«Wir haben einfach einmal Ja gesagt», erzählt Geschäftsführerin Monica Malonni-Kopp und lacht. «Wie man Taschen produziert, wussten wir. Einen wasserdichten Schwimmsack in grossen Stückzahlen hatten wir aber noch nie hergestellt.» Gemeinsam wurde entwickelt, getestet und verbessert – bis aus einer Idee ein funktionierendes Produkt entstand. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Aus dem Marketing-Gag wurde ein Basler Kultobjekt.
Der Sprung ins kalte Wasser
Mit der wachsenden Nachfrage stieg allerdings auch der administrative Aufwand. Für den kreativen Kopf Tilo Ahmels wurde dieser zunehmend zur Belastung. 2017 verkaufte er die Marke an die Andreas Kopp AG, die daraufhin die Wickelfisch AG gründete. «Als Tilo uns fragte, ob wir den Wickelfisch übernehmen möchten, mussten wir nicht lange überlegen», sagt Monica Malonni-Kopp. «Das Produkt lag uns von Anfang an am Herzen. Schliesslich hatten wir es mitentwickelt.»
Der Wechsel vom Produzenten zum Markeninhaber bedeutete allerdings Neuland. «Wir hatten kaum Erfahrung im Direktverkauf. Es war tatsächlich ein Sprung ins kalte Wasser.» Heute wird der Wickelfisch in der ganzen Schweiz verkauft. Seit rund einem Jahr betreibt das Unternehmen einen eigenen Webshop. Die Bestellungen kommen mittlerweile aus allen Landesteilen.
Der heisse Sommer sorgt zusätzlich für Rekordverkäufe. «Wir sind praktisch ausverkauft», sagt Monica Malonni-Kopp. Eine Nachproduktion läuft bereits. Neben den Klassikern wie Orange oder Türkis erscheinen jedes Jahr neue Saisonfarben. In diesem Jahr liegen metallische Töne besonders im Trend. Auch Monica Malonni-Kopp geht regelmässig im Rhein schwimmen. «Ich nehme immer das grosse Modell mit. Da passt alles hinein und gleichzeitig hat man genügend Auftrieb.» Zu Hause besitzt sie mehrere Wickelfische. «Zuletzt war ich mit einem FlipFlop-Modell unterwegs.
Je nach Lust und Laune wähle ich eine andere Farbe.»
Der Wickelfisch ist nicht nur praktisch, sondern auch durchdacht. Das wissen viele Badegäste gar nicht. Am Trageband befindet sich ein Klettverschluss als Sollbruchstelle. Sollte sich der Sack irgendwo verfangen, lässt er sich mit einem Handgriff lösen. Ebenso wichtig ist das richtige Verschliessen: Der Sack muss siebenmal eingerollt werden und genügend Luft enthalten. Nur so bleibt der Inhalt trocken und der Wickelfisch sorgt gleichzeitig für zusätzlichen Auftrieb.
Ein Basler Lebensgefühl
Dass der Wickelfisch inzwischen weit über Basel hinaus Aufmerksamkeit erhält, zeigt sich auch am 11. und 12. August. Parallel zum offiziellen Rheinschwimmen findet in Basel das Swimmable Cities European Forum statt. Internationale Fachleute reisen an, um über urbane Gewässer, Wassersicherheit und lebenswerte Städte zu diskutieren. Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Politik, Stadtplanung, Tourismus, Wissenschaft und weiteren Organisationen werden erwartet, um sich über die Zukunft schwimmbarer Städte und urbaner Gewässer auszutauschen.
40 Jahre nach dem Chemieunfall von Schweizerhalle gilt Basel international als Vorbild für saubere Gewässer und eine gelebte Badekultur. Monica Malonni-Kopp wird den Wickelfisch am Forum präsentieren. Schliesslich steht kaum ein anderes Produkt so sehr für dieses Stück Basler Lebensgefühl.
Denn wer den Rhein einmal hinuntergeschwommen ist, versteht schnell: Es geht um mehr als nur eine Erfrischung an einem heissen Sommertag. Es geht um das Treffen mit Freunden an der Buvette, um das Gefühl, sich von der Strömung treiben zu lassen, und eine in dieser Form weltweit fast einzigartige Tradition.
Im kommenden Jahr steht ein doppeltes Jubiläum bevor. Der Wickelfisch feiert sein 25-jähriges Bestehen und die Wickelfisch AG führt die Kultmarke seit 10 Jahren. «Für 2027 planen wir eine spezielle Jubiläumskollektion», verrät Monica Malonni-Kopp. «Wie wir feiern werden, ist noch offen – aber gefeiert wird auf jeden Fall.» Brooke Keller



