Ein kleines Paradies oberhalb von Bottmingen

  12.03.2026 Bottmingen

Der Frühling hat letzte Woche mit recht milden Temperaturen begonnen. Und so langsam erwacht auch der Familiengärtnerverein Bottmingen aus seinem Winterschlaf.

Ein gewöhnlicher Freitagvormittag in Bottmingen: Unten im Dorf tobt der Verkehr, Leute machen ihre Einkäufe, Bauarbeiter gehen auf der Talholzstrasse ihrer Arbeit nach und winken die Autos vorbei. Wenige Meter weiter oben präsentiert sich jedoch ein völlig anderes Bild: Ruhe, Grün, Vogelgezwitscher … «Willkommen im Familiengärtnerverein Bottmingen», sagt Vereinspräsident Claude Schwarz und schliesst das Tor auf.

Hier oben erwachen bei dem schönen Frühlingswetter die Gärten so langsam wieder zum Leben. Die Erde wird umgegraben, die ersten Gemüsesorten werden angebaut, das Wasser wird wieder angestellt. «Die Bäume und Büsche wurden von vielen bereits zurückgeschnitten», beobachtet Schwarz beim Vorbeigehen. Die meisten seien aber noch etwas vorsichtig, vor allem beim Anpflanzen. Besonders für Tomaten oder Salat dürfe es jetzt nämlich nicht mehr kalt werden.

«Die Natur ist stärker»
Bis im Familiengärtnerverein Hochbetrieb herrscht, geht es also noch ein paar Wochen. «Ab Ostern wirds hier oben so richtig brummen», erklärt der Präsident. «Und drei Monate später merkt man dann: Mist, die Natur war wieder stärker!» Doch das sei eigentlich auch eine schöne Erkenntnis. Ein «Problem» seien hier oben vor allem die vielen Schnecken, die den Salat wegfressen. Gift sei dabei für die Bekämpfung – und generell im Familiengärtnerverein – tabu.

Zu den ersten Arbeiten im Frühling gehöre nebst dem Zurückschneiden von Bäumen und Hecken natürlich auch das Vorbereiten der Setzlinge. Dabei sei es immer gut, sich vorher zu überlegen, was und wie viel man anbauen wolle, rät Schwarz. Sei man in den Sommerferien zum Beispiel mehrere Wochen weg, sollte man auf Tomaten, die genau dann reif sind, eher verzichten. Kontrollieren müsse man nach dem Winter zudem, ob überhaupt alles überlebt habe. Pflanzen, die durch die kalten Temperaturen zerstört worden seien, sollte man besser entsorgen, so Schwarz. «Sonst besteht die Gefahr, dass sie gesundes Gewächs beschädigen.» Und natürlich gelte wie immer: Nichts Invasives anpflanzen. Leider gebe es noch immer Leute, die sich nicht dranhielten.

Viele Tipps, aber einer geht noch – und es ist wohl auch der wichtigste: «Man soll den Garten geniessen und ehren. Viele haben diese Gelegenheit nicht», sagt der Präsident. Und wie so oft gilt: Was morgen passiert, ist ungewiss. Zwar hat der Verein schon seit über 30 Jahren seinen Standort am Chnebel ackerweg, doch das Land ist von der Gemeinde nur gepachtet. «Wir wollen dankbar sein für das, was wir heute haben», kommt Schwarz zum Schluss. Rund 80 Aktive zählt der Verein zurzeit, die meisten der 52 Gärten sind aktuell vergeben.

Abschied vom eigenen Garten
Der Vereinspräsident selbst hat seit Kurzem keinen Garten mehr. Die Arbeit sei zu viel geworden, hinzu sei der Weg – teils mit viel Stau – von seinem Wohnort Frenkendorf gekommen. Da müsse man realistisch bleiben, sagt Claude Schwarz, doch der Abschied wirkt weiterhin etwas nach: «Ich bin immer noch nah am Wasser gebaut.» Mit einem Lächeln erinnert er sich an die geselligen Tage und Abende, die er für seine Familie und Freunde organisierte. Ob Fondue, Raclette oder Grill: «Wer bei mir war, wurde kulinarisch verwöhnt.»

In seinem ehemaligen Garten, der seit Februar einen neuen Besitzer hat, plätschert Wasser und blühen Blumen, während ein kleiner Olivenbaum für mediterranes Flair sorgt. Claude Schwarz gehörte zu den wenigen Gartenbesitzern, die nichts anbauen. Schön seien für ihn zweifelsohne die Momente am Jahresfest, zu dem jeden August alle Mitglieder – auch passive – eingeladen sind. Das grösste Highlight war und ist für den Präsidenten aber das Schlendern durch die Gärten und die spontanen Gespräche mit den Leuten: «Ich freue mich, wenn ich die Leute hören, sehen und spüren kann.»

Auch Pflichten gehören dazu
Aufgewachsen ist Claude Schwarz in Herzogenbuchsee – in einem Haus mit Garten. Von letzterem hielt er in jungen Jahren jedoch nicht sehr viel, da Verpflichtungen damit einhergingen – so etwa das zentimetergenaue Rasenmähen. Doch später vermisste er den Garten, und so kam er vor einigen Jahren dank eines Inserats zum Bottminger Verein. Apropos Verpflichtungen: Wer einen Garten im Familiengärtnerverein besitzt, hat ebenfalls gewisse To-dos. Dazu gehören unter anderem der Frondienst, bei dem die Wege und Hecken des Areals gepflegt werden, oder auch das Reinigen der WC-Anlagen.

Der Vereinspräsident blinzelt zufrieden in die Sonne. Viele Mitglieder des Vereins lassen mit ihrer Gartenarbeit nicht nur den Verkehr hinter sich, sondern auch die Sorgen des Alltags. Das war auch bei Claude Schwarz so: «Der Garten war wie eine Medizin, wie eine Therapie für mich.» Es ist also naheliegend, dass seine Gäste früher mit dem Schild «Willkommen im Paradies» begrüsst wurden. Aber auch ohne eigenen Garten wird Claude Schwarz immer wieder den Weg «ins Paradies» finden, wenn er zwischendurch wieder einmal etwas Ruhe braucht.

Nathalie Reichel


Image Title

1/10


Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote