Ein Markt, der noch wachsen darf
01.10.2026 OberwilMittwochvormittag auf dem Gemeindehausplatz in Oberwil: Zwischen frischem Gemüse, Brot, Blumen, Würsten und hausgemachten Spezialitäten wird eingekauft, degustiert und geplaudert. Seit Mittwoch, dem 15. April 2026 lädt der Oberwiler Wochenmarkt zum Einkaufen direkt bei regionalen Produzentinnen und Produzenten ein. Nach den ersten Monaten zieht die Gemeinde eine gemischte Bilanz: Das Angebot kommt bei den Stammkundinnen und Stammkunden gut an – gleichzeitig dürfte der Markt noch deutlich mehr Publikum erreichen.
Sechs Produzenten und Marktbetreiber stehen derzeit regelmässig auf dem Gemeindehausplatz. Das Angebot ist bewusst frisch und regional gehalten. «Die Erkenntnis ist, der Wochenmarkt läuft gut», sagt Mireille Frabotta, Verantwortliche für Anlässe, Vereine, Freizeit, Bevölkerung, Bauten und Planung. «Und damit ist der Platz sehr gut belegt.»
Auch die Standbetreibenden bringen ihre Leidenschaft mit. «Ich begleite das Ei von dem Augenblick an, in dem es gelegt wird, bis zum Verkauf hier am Wochenmarkt», erzählt Leandro von der Manufaktur Bernhardsberg. Moni Zehnder vom Bruderholzhof hat ebenfalls einen klaren Lieblingsmoment: «Mein Lieblingsmoment? Das Arrangieren meines farbigen Gemüses.» Und bei Mara vom Hof Kleiber hat ein Produkt längst Kultstatus: «Unser Kassenschlager? Natürlich der hausgemachte Kirsch. Der läuft sogar ausserhalb der Fondue-Saison!»
Besonders beliebt sind laut Frabotta die Brot- und Backwaren. Auch frisches Öl, Würste, Bio-Gemüse sowie saisonales Obst und Gemüse finden ihre Kundschaft. «Aber auch die Floristik hat rege Kundschaft», ergänzt sie. Ilona Oser vom Längehof in Schönenbuch bringt ihre persönliche Leidenschaft mit auf den Markt: «Mein Lieblingsprodukt? Unser Holzofenbrot. Dafür stehe ich um 3 Uhr morgens auf!»
Mehr Zeit für den Einkauf
Im Verlauf des Pilotprojekts wurde das Angebot bereits angepasst. Ursprünglich fand der Markt am Mittwochvormittag statt. Auf Anregung aus der Bevölkerung wurden die Öffnungszeiten bis 13 Uhr verlängert. «Es war ein Wunsch aus der Bevölkerung oder eine Anregung, dass man den Markt doch auch über die Mittagszeit verlängern sollte, damit auch Personen, welche berufstätig sind, das Angebot nutzen können», erklärt Frabotta. Zusätzlich bietet die Manufaktur Bernhardsberg ein Mittagsangebot mit Getränken, Crêpes und frischen Suppen an.
Der Markt habe sich im Laufe der Zeit zunehmend im Dorf herumgesprochen. «Im Verlauf der Wochen und Monate hat man gemerkt, der Markt ist bekannt im Dorf und die Kundschaft hat zugenommen», sagt Frabotta. Gleichzeitig fällt ihr erstes Fazit nüchtern aus: «Damit der Markt im nächsten Jahr weitergeführt werden kann, braucht es noch mehr Kundschaft.»
Das ist auch eine Frage der Zeit. Während Wochenmärkte in umliegenden Gemeinden teilweise seit vielen Jahren bestehen und entsprechend bekannt sind, befindet sich der Oberwiler Markt noch in der Aufbauphase. «Ich glaube, es braucht einfach Zeit, bis ein Markt etabliert ist», sagt Frabotta. Das Angebot richte sich zudem momentan an eine bestimmte Zielgruppe, da der Markt hauptsächlich am Vormittag stattfindet.
Pilotprojekt mit offenem Ausgang
Das Projekt wurde bewusst als Pilotversuch gestartet. Die Gemeinde wollte herausfinden, ob ein entsprechendes Angebot einem Bedürfnis entspricht und bei der Bevölkerung Anklang findet. Nach dem ersten Zwischenbericht im Juni und den Erfahrungen der vergangenen Monate steht nun die nächste Phase an. Der Markt läuft noch bis zum 28. Oktober. Danach soll gemeinsam mit den Produzenten Bilanz gezogen werden. Im Zentrum stehen Fragen nach Kundschaft, Umsatz und dem künftigen Format.
Auch neue Varianten stehen im Raum. Möglich wären beispielsweise ein grösserer Genussmarkt oder ein Markt an einem anderen Wochentag. «Also da sind Ideen da, aber es ist noch nichts entschieden», sagt Frabotta.
Für die Gemeinde selbst fällt die Bilanz bereits heute grundsätzlich positiv aus. «Wir dürfen zufrieden sein mit der Organisation, auch mit den Produzenten. Die sind mit Herzblut dabei», sagt Frabotta. Gleichzeitig müsse man die wirtschaftliche Seite berücksichtigen. Der Wochenmarkt sei für die Gemeinde kein rentables Geschäft, sondern ein bewusst unterstütztes Angebot für die Bevölkerung. «Letztlich muss es ja auch für die Standbetreibenden lukrativ sein», betont Frabotta. Schliesslich sei der Aufwand beträchtlich: Waren müssten vorbereitet, transportiert, während mehrerer Stunden angeboten und anschliessend wieder eingepackt werden. «Das muss sich natürlich auch rechnen.»
Ob aus dem Pilotprojekt ein fester Bestandteil des Oberwiler Dorflebens wird, entscheidet sich damit in den kommenden Monaten. Sicher ist bereits jetzt: Die ersten Stammkundinnen und Stammkunden haben den Markt für sich entdeckt. Nun bleibt die Frage, ob aus diesen ersten Marktbesucherinnen und Marktbesuchern mit der Zeit eine grössere, feste Kundschaft wird.
Brooke Keller



