Ein Querschnitt durch das regionale Literaturschaffen
30.04.2026 BottmingenFünf statt zehn Tage: Das zweite Literaturfestival in der Trafohalle beim Unterwerk Bottmingen setzt auch in verkürzter Form auf einen breiten Mix an Werken und Autoren.
Das regionale Literaturschaffen prosperiert. Alleine das Autorennetzwerk für die Region Basel «lokal lesen» umfasst 142 Autorinnen und Autoren. Einem grösseren Publikum sind nur die wenigsten davon bekannt. Etliche Autorinnen und Autoren schreiben im Nebenerwerb, was nicht bedeutet, dass sie nicht viel und Spannendes zu erzählen haben. Auftrittsmöglichkeiten, um ihre Texte vorzustellen, erhalten die meisten nicht. Das Literaturfestival in der Trafohalle im Unterwerk Bottmingen, das im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Premiere feierte, möchte einen Beitrag leisten, um das Literaturschaffen in der Region Basel auch neben den bereits bekannten Namen sichtbarer zu machen, erklärt Kurator Daniel Krumm.
Für die zweite Durchführung von «Literatur in der Trafohalle» vom 5. bis zum 9. Mai hat das Team um Daniel Krumm gezielte Anpassungen am Programmablauf vorgenommen. «Zehn Veranstaltungstage waren zu lang und ambitioniert. Da haben wir den Bogen leicht überspannt. Wir haben das Festival auf sechs Veranstaltungen an fünf Tagen gekürzt und noch mehr auf Qualität gesetzt.» Das oberste Ziel sei auch in diesem Jahr, der regionalen Literaturszene eine Plattform zu bieten. Krumm spricht von einem «Querschnitt durch das regionale Literaturschaffen».
Hohe Nachfrage nach Leseplätzen
Für die 28 zur Verfügung stehenden Leseplätze gingen 96 Einsendungen ein. Das sei deutlich mehr als im Vorjahr, was zeige, dass sich das Festival in der Literaturszene bereits einen Namen gemacht hat, ist Leiter Daniel Krumm überzeugt. Eine unabhängige Jury hat die Leseplätze vergeben. Dazu kommen fünf separat eingeladene Autorinnen und Autoren.
Ein Blick auf das Programm verrät, dass es dem Literaturfestival auch in verkürzter Form gelingt, ein breites Abbild der Literatur auf die Bühne zu bringen. Unterschiedliche Gattungen und Themen werden abgehandelt. Diverse Persönlichkeiten und Generationen lesen von Dienstag bis Samstag in der Trafohalle: von der (noch) unbekannten Schülerin bis zu national und international bekannten «Rosinen», wie es Daniel Krumm formuliert.
Rundgang durch das Leimental
Neu werden die Veranstaltungen in Themenschwerpunkten gegliedert. Der Auftaktabend steht im Zeichen von vier Erstlingswerken. Für ihr Romandebüt «Verschiebung im Gestein» wurde Mariann Bühler 2024 für den Schweizer Buchpreis nominiert. Sieben Jahre lang hat die gebürtige Zentralschweizerin, die in den vergangenen Jahren privat und literarisch auch Wurzeln in der Region Basel geschlagen hat, an ihrem modernen Heimatroman geschrieben.
Unter dem Motto «Tausend Worte» stehen am Mittwoch sechs Kurzlesungen von sechs Autorinnen und Autoren auf dem Programm. Mit «Romane im Zeichen der Geschichte» nimmt das Literaturfestival am Donnerstag den Hype um Historienromane auf. Unter anderem liest Rebekka Salm aus «Wie der Hase läuft». Die Geschichte beginnt 1943 mit einem Mord in Amsterdam und geht 50 Jahre später mit einer Familiengeschichte im Hinterland von Basel weiter.
Der Freitag wird ein Abend voller Lyrik und Poesie. Mit «Grenzgang» präsentiert Victor Saudan einen literarischen Rundgang durch das Leimental. Der Samstagnachmittag gehört neun Jungautorinnen und -autoren unter 25 Jahren. Die jüngste Autorin ist erst 17 Jahre alt. Mehrere Teilnehmende kommen von der Schreibwerkstatt des Gymnasiums Oberwil, ein Wahlfach für schreibbegeisterte Schülerinnen und Schüler. Es gehe darum, junge Autorinnen und Autoren zu fördern, aber auch darum, ein jüngeres Publikum anzulocken, betont Daniel Krumm. «Das klassische Literaturpublikum ist eher älter und kommt vor allem für bekannte Namen. Wir müssen schauen, dass wir auch den Nachwuchs pflegen.»
Krieg und Klimawandel
Der Abschlussabend am 9. Mai dreht sich um Romane, die sich dem Zeitgeschehen widmen. Die in der Ostukraine aufgewachsene Schriftstellerin Eugenia Senik thematisiert im 2026 erschienenen Werk «Suche deine Tür» den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Senik lebt seit 2021 mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in Basel. Der Basler Schriftsteller, Autor und Podcaster Christoph Keller blickt in «Nennt mich Wellenkamm» mit der Influencerin Amiy als Hauptfigur in eine hoffnungsvolle Zukunft, in der der Klimawandel überwunden wird. Keller beschreibt die positive Zukunft, ohne dafür Luftschlösser bauen zu müssen, wie es eine positive Kritik zum Werk passend ausgedrückt hat.
Im Windschatten der Kultur- und Literaturstadt Basel entsteht in Bottmingen mit «Literatur in der Trafohalle» ein kleines, feines und in der Szene sehr wertgeschätztes Literaturfestival. Die zweite Durchführung von Dienstag bis Samstag ist ein weiterer Schritt hin zur Etablierung als fester Bestandteil in der regionalen Literaturlandschaft. Dabei helfe der «spezielle Charme» des Unterwerks und der Trafohalle, der eine Nähe zu den Autorinnen und Autoren gewährt, schwärmt Kurator Daniel Krumm.
Tobias Gfeller




