Ein Stück Therwiler Wirtschaftsgeschichte

  12.02.2026 Therwil

Das Dorfmuseum Therwil widmet sich in einer Sonderausstellung der ehemaligen Kammfabrik «Balloid», die Therwil über Jahrzehnte mitgeprägt hat.

Die Kammfabrik Balloid am Känelmattweg 5 hat als Arbeitgeber in Therwil Generationen geprägt. Die 1915 durch Geschäftsmann Otto Wegenstein und den gelernten Kammmacher Robert Ledermann gegründete «Kammi» war das erste Unternehmen in Therwil mit rund hundert Mitarbeitenden. Bis zu ihrer Schliessung 1984 war die Balloid Zeuge der Entwicklung vom klassischen Handwerk zum Industrieunternehmen. In der Kammi wurden im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Produkte maschinell hergestellt. Am Ende wurde Balloid Opfer der günstigeren Konkurrenz aus dem Ausland.

Das Dorfmuseum widmet der Balloid – eine Abkürzung für «Basler Celluloidwarenfabrik AG» – eine Sonderausstellung. Unter der Regie von Felix Heinis, Leiter der Museumskommission, und Lea Kasper, Historikerin und Mitglied der Museumskommission, zeigt das Museum historische Maschinen zur Herstellung der Kämme, über die Jahrzehnte verwendete und sich verändernde Werkzeuge, unzählige Zeichnungen und Muster, fein säuberlich von Hand geschriebene Lohn- und Arbeiterverzeichnisse, Pläne der Fabrik, originale Lagerregale samt Material, Frisierkämme in verschiedenen Varianten und natürlich die spektakulären Spanienkämme, die sich Frauen als Schmuck in die Haare gesteckt haben.

Arbeiter aus dem ganzen Leimental und aus dem Elsass
Gerade die schriftlichen Dokumente geben einen spannenden Einblick in ein Unternehmen des frühen 20. Jahrhunderts. In der Kammi arbeiteten zumeist mehr Frauen als Männer, was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich gewesen sei, konstatiert Felix Heinis beim Blättern durch die Unterlagen. Die Mehrheit der Frauen schied aus dem Beruf aus, sobald sie geheiratet haben. Auch solche Informationen wurden im Arbeiter-Verzeichnis festgehalten. Darin zu finden sind klassische Leimentaler Namen. Das Einzugsgebiet der Balloid in Sachen Personal erstreckte sich bis ins grenznahe Elsass, was die Grösse und Bedeutung des Unternehmens für damalige Zeiten unterstreicht.

Streit zwischen den Firmenchefs
In der Dauerausstellung zeigt das Dorfmuseum seit Jahren Einzelobjekte der Kammfabrik. Mit der Sonderausstellung bietet das Museum einen vertieften Einblick in die Geschichte der Balloid. Zum Gelingen der Ausstellung trugen auch die Nachkommen von Otto Wegenstein und Robert Ledermann bei, die dem Dorfmuseum Objekte zur Verfügung gestellt haben.

Dass sich die beiden Firmenchefs verkrachten und Kammmacher Ledermann für kurze Zeit auf der anderen Seite des Marbachs eine eigene Fabrik eröffnet hatte, setzte der Kammi zu. Briefwechsel zeigen die Meinungsverschiedenheiten der beiden detailliert auf. Das Dorfmuseum macht die bewegte Firmengeschichte der «Kammi Därwil» mit der Sonderausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Tobias Gfeller

Kammi Därwil, Die Kammfabrik «Balloid» Therwil,
Vom Handwerk zur Industrie
Vernissage mit Apéro: 22. Februar, 10 Uhr
Öffnungszeiten und weitere Informationen: www.dorfmuseum-therwil.ch


Kirchenfenster und Bruder Klaus

Das Dorfmuseum Therwil hat von Nachkommen eines ehemaligen Mitglieds des Kirchenrats der Römisch-katholischen Kirche ein Kirchenfenster und eine Holzskulptur von Bruder Klaus für die Dauerausstellung erhalten.

Das 1896 im Chor der Kirche erstellte Kirchenfenster zeigt den Heiligen Josef und im Hintergrund den Petersdom. Das Kirchenfenster wurde im Rahmen der Renovation 1962/63 entfernt.


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