Eine Gruppe von Herzmenschen
12.03.2026 OberwilDie Spielwerkstatt Schnäggehüsli führte ihren traditionellen Tag der offenen Tür durch.
«Herzlich willkommen im Schnäggehüsli», steht geschrieben, dazu lächeln sich zwei Cartoon-Schnecken an. Der Text und die Zeichnung auf der Eingangstür am Rebgartenweg 45 sind exemplarisch, denn wer am vergangenen Samstagvormittag vorbeikommt, wird äusserst herzlich empfangen. Die Spielwerkstatt Schnäggehüsli hat ihren Tag der offenen Tür, die Sonne scheint, die Laune bei den Frauen des Spielgruppen-Teams ist prächtig, ihre Freundlichkeit ansteckend.
Yvonne Wehrli-Sempach, Präsidentin der Spielwerkstatt Spielgruppe Schnäggehüsli, wie der Verein vollständig heisst, macht mit dem BiBo-Reporter eine kurze Führung und zeigt beliebte Orte wie die Malwand. «Am allerliebsten mögen die Kinder aber die Kaffeemühle», verrät sie. Der Grund: In der Mühle dürfen die Kids echten Bohnenkaffee mahlen, Plastikersatz sucht man hier vergeblich.
Die Spielgruppe ist eine echte Oberwiler Institution, die es seit fast vier Jahrzehnten gibt. Lange war das Schnäggehüsli am Schmiedengässlein, seit sieben Jahren ist man am Rebgartenweg. Der Verein wurde erst 2020 gegründet. «Wir sind selbstständig und gehören nicht zu Gemeinde und Kanton», erklärt die Präsidentin. Auf öffentliche Gelder kann die Spielwerkstatt nicht zählen.
Dennoch können sich Wehrli-Sempach und Co. über mangelnde Nachfrage nicht beschweren. «Wir sind bis August ausgebucht und für 2027 haben wir bereits eine Warteliste», berichtet die Pädagogin. Der Tag der offenen Tür ist im Schnäggehüsli ohnehin in erster Linie Tradition und kein Vehikel, um neue Kunden zu gewinnen.
Am letzten Samstag findet etwa ein Dutzend Familien samt Anhang den Weg in die Spielwerkstatt. «Da ist schnell einmal viel Betrieb», lacht Yvonne Wehrli-Sempach und teilt die Besucherinnen und Besucher in drei Kategorien. Da sind zum einen jene Kinder, die ihren Grosseltern und Verwandten ihre Spielgruppe zeigen wollen, zum anderen kommen Eltern, die bereits ein Kind im Schnäggehüsli haben, mit dem jüngeren Geschwisterchen vorbei und eruieren, ob auch dieses hierhin passen würde. Die dritte Kategorie sind potenzielle Neukunden. «Sie sehen bei der Online-Recherche, dass wir uns an der Montessori-Pädagogik (ein Bildungskonzept, das auf Selbstbestimmung, Freiheit und Fähigkeiten des Kindes basiert, die Red.) orientieren, und möchten sich vor Ort selbst ein Bild machen.»
Während der Nachwuchs schnell die vielen Spielsachen oder Zeichenutensilien entdeckt und sich darin verliert, erklären die Betreuungspersonen detailliert den Eltern, wie es im Schnäggehüsli so läuft. Fünf Gruppen à zwölf Kinder – pro Gruppe gibt es zwei Betreuungspersonen – sind die Woche über da – von Montag bis Donnerstag in der Spielwerkstatt, am Freitag in der Waldwerkstatt (sofern das Wetter mitspielt).
Und was ist die grösste Herausforderung für die zehn Schnäggehüsli-Betreuerinnen? «Eindeutig die Ablösung», antwortet Yvonne Wehrli-Sempach, ohne lange zu überlegen. Es gibt keine Patentlösung für die Frage, wie lange die Eltern bleiben sollen. Einige haben kein Problem damit, allein in der Spielgruppe gelassen zu werden, andere brauchen mehrere Wochen, bis sie so weit sind. «Deshalb schauen wir stets aufs Kind. Man spürt, was ein Kind braucht, und bespricht es dann mit den Eltern», erklärt die Leiterin.
Dieses Gespür der Betreuerinnen – alle sind selbst Mütter – für die individuellen Bedürfnisse der Kinder ist es, das das Schnäggehüsli so beliebt bei Kindern und Eltern gleichermassen macht. «Wir sind eine Gruppe von Herzmenschen und ich glaube, das spüren die Leute», sagt Yvonne Wehrli-Sempach und ergänzt: «Man merkt uns an, dass wir den Job aus Freude machen!»
Alan Heckel


