«Eine gute Bindung ist eine sichere Bindung»
23.04.2026 BottmingenJugendpsychologin Sabina Varga Hell referiert im Burggartenschulhaus über das Thema Bindung.
Die Bindungsqualität zwischen Eltern und Kind ist ein wichtiger Teil im Fundament der emotionalen und sozialen Entwicklung eines Menschen. Von Geburt an ist das Kind auf Beziehung und Bindung angewiesen – sie ist kein «Extra», sondern ein existenzielles Grundbedürfnis.
Wir sind soziale Wesen und unser Leben basiert auf dem Miteinander, dem Verstanden-Werden und Andere-Verstehen. Dennoch wird diesem Thema in der Vorbereitung auf das Eltern-Werden und in Erziehungsratgebern immer noch verhältnismässig selten jene Bedeutung entgegengebracht, die es verdient. Die Elternbildung Leimental (EBIL) will dem ein wenig Abhilfe schaffen und organisiert am Montag, 4. Mai, den Vortrag «Bindung – Die Kraft der frühen Jahre».
Referentin wird Sabina Varga Hell sein. Sie ist Fachpsychologin für Kinderund Jugendpsychologie FSP, arbeitet beim schulpsychologischen Dienst Baselland und ist unter anderem Mitglied der kantonalen Schulgesundheitskommission. Anlässlich eines anderen Vortrags wurde Varga Hell von Beatrix Lutiger von der EBIL angefragt, ob sie einen Vortrag über Bindung halten könnte. Die Münchensteinerin sagte gerne zu, da die Auseinandersetzung mit dem Thema für Eltern sehr hilfreich sein kann.
Auch in der Schule, wo die Kinder mit ihren Lehrpersonen weitere wichtige Bezugspersonen haben, ist Bindung ein wichtiges Thema, wie die Expertin weiss. Denn auch Lernen findet über Beziehungen statt. Beziehung und Bindungsmuster haben direkt einen Einfluss auf das Lernen .«Wenn ein Kind sich wohlfühlt und bestärkt wird, traut es sich etwas zu», hält Sabina Varga Hell fest. Ein Kind hat bereits eigene Bindungsmuster entwickelt, wenn es in die Schule kommt. Das Wissen über Bindung, die eigenen Muster und was man damit weitergibt, kann in jeder Lebensphase bereichernd sein. «Durch die frühen Erfahrungen mit den Fürsorgepersonen bilden sich beim Menschen Bindungsmuster und sozioemotionale Kompetenzen aus. Diese können durch spätere Erfahrungen auch positiv ergänzt und verändert werden», erklärt die dreifache Mutter. Eine sichere Bindung entsteht, wenn Bezugspersonen feinfühlig auf die Signale des Kindes reagieren, seine Bedürfnisse wahrnehmen und angemessen darauf eingehen. Diese wiederkehrenden Erfahrungen von Verlässlichkeit und Schutz prägen das innere Konzept des Kindes: die grundlegende Erwartung darüber, ob die Welt gut ist und ob andere Menschen vertrauenswürdig sind.
Die primäre Bindung ist jene zwischen Eltern und Kind. Das Kind strahlt etwas aus und die Erwachsenen reagieren darauf. «Sie geben dem Kind Wärme, Nahrung, Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, Zugehörigkeit und mehr, damit es leben und gedeihen kann», erzählt Sabina Varga Hell.
Allerdings ist ihr Vortrag nicht nur relevant für werdende und frischgebackene Eltern, denn «Bindungsmuster lassen sich verändern», betont sie. Deshalb können auch Menschen, die schon länger Eltern sind, sowie erwachsene Bezugspersonen von diesem Abend profitieren.
Grundsätzlich gilt für jeden Menschen: «Eine gute Bindung ist eine sichere Bindung». Dieses Gefühl entsteht, wenn das Kind die Gewissheit kriegt, «meine Eltern sind für mich da, verstehen mich und die Welt ist ein sicherer Ort», so die Fachpsychologin, die in Bottmingen auch über die vier Bindungstypen sowie die in diesem Zusammenhang zentralen Hormone Oxytocin und Cortisol referieren wird.
Sabina Varga Hell sieht ihren Auftritt allerdings nicht als klassisches Referat, sondern als «Fachinput, der viel Raum für Fragen und Diskussion lässt. Schliesslich ist das Thema relativ komplex.» Die Veranstaltung findet im Mehrzweckraum des Burggartenschulhauses (Burggartenstrasse 1) statt und beginnt um 19.30 Uhr. Anmelden kann man sich auf der Homepage der EBIL (www.ebil.ch).
Die Psychologin hofft, einen kleinen Beitrag zur Stärkung der sicheren Bindung zwischen Eltern und Kindern zu leisten. Denn schliesslich schafft eine sichere, unterstützende Eltern-Kind-Beziehung die Grundlage dafür, dass Kinder ihre Gefühle verstehen, regulieren und langfristig zu emotional stabilen und beziehungsfähigen Menschen heranwachsen können. Alan Heckel

