Er will «die Schönheit der Welt» zeigen

  12.02.2026 Oberwil

Lukas Wagner aus Oberwil ist einer der rund 250 ausgewählten Fotografen, die in den vergangenen Tagen ihre Werke an der Photo Schweiz in Zürich präsentieren durften. Der 74-Jährige tauchte erst 2020 so richtig in die Welt der Fotografie ein. Der schnelle Erfolg überraschte auch ihn.

Viele schmieden für die Zeit nach der Pensionierung Pläne. Mehr Zeit mit der Familie, mehr Reisen, ein neues Hobby, ein neuer Verein … den Möglichkeiten, wie man die nun reichlich vorhandene Freizeit nach dem Berufsleben nutzen kann, sind fast keine Grenzen gesetzt. Das fand auch Lukas Wagner aus Oberwil: Er suchte sich nicht nur eine Beschäftigung für ab und zu, sondern startete gleich richtig durch.

Nach seiner Pensionierung absolvierte er innerhalb von fünfeinhalb Jahren eine fotografische Ausbildung in der Academy of Swiss Photo Club Zurich, wurde von der Royal Photographic Society für eine zehnteilige Fotoserie ausgezeichnet und durfte seine Bilder diese und letzte Woche mit rund 250 ausgewählten Fotografen an der jährlichen Ausstellung Photo Schweiz in Zürich zeigen – und das bereits zum zweiten Mal.

Vor wenigen Jahren in die Materie einsteigen und nun schon zu den Besten gehören – wie sich das wohl anfühlt? «Der Erfolg überraschte mich, aber vor allem motivierte er mich, weiterzumachen», sagt Lukas Wagner. Natürlich schwinge auch ein gewisser Stolz mit, doch ihm gehe es primär nicht um die eigene Leistung. «Ich schätze vor allem den Austausch mit anderen, die das Gleiche machen. Es ist so, als würde man in einem Orchester mitspielen.» Der Start war natürlich nicht ohne. Innerhalb von drei Monaten wurde während der Ausbildung so ziemlich alles rund um die Fotografie durchgenommen, das meiste auf Englisch. Doch dem Oberwiler machte das nichts aus, im Gegenteil: «Ich brauchte die Herausforderung.»

Seit 25 Jahren in Oberwil
Lukas Wagner war vorher Hausarzt, hatte seine Praxis lange im unteren Baselbiet. Gebürtig aus Sissach, lebte er lange in der Stadt, bevor es ihn und seine Frau vor rund 25 Jahren nach Oberwil zog. «Ich fühle mich wohl hier», sagt der Hobbyfotograf und berichtet von der sympathischen Nachbarschaft, der Nähe zum Land und zur Stadt und auch vom Glück, in einem Haus wohnen zu dürfen.

Mit der Fotografie möchte er, wie er sagt, «die Schönheit der Welt» zeigen. Seine Bilder versteht er als eine Art «Gegenentwurf zu den schrecklichen Ereignissen, die auf der Welt passieren». Sie zeigen tanzende Menschen und sonnige Landschaften, vor allem aber Gebäude in den verschiedensten Formen, die durch das Licht und den Winkel fast schon majestätisch wirken – obwohl es Alltagsbauten sind, die wir hier in der Region Basel alle kennen.

«Ich fokussiere mich die letzten zwei Jahre auf Architekturfotografie», verrät der Oberwiler begeistert. Da ist es naheliegend, dass er dieses Jahr wie auch schon 2025 an der Photo Schweiz Architekturbilder ausgestellt hat. Sie wurden am Aeschenplatz, auf dem Novartis Campus, am Messeplatz und im Warteck aufgenommen. «Sculptures in Gold and Light», so hiess die Serie, zeigte fünf Highlights der modernen Basler Architektur, nämlich Gebäude der renommierten Architekten Nichele und Eisele, Herzog & de Meuron, Tada Ando und Mario Botta, ergänzt durch das Kunstwerk «Dirk’s Pod» von Richard Serra. «Für mich sind moderne Gebäude wie Skulpturen», erzählt der Fotograf. Die Bilder sind an sich schwarz-weiss, lassen aber ganz dezent einen Hauch von Gold durchschimmern. Das hat einen ganz bestimmten Grund: «Die Gebäude sind so schön, dass ich sie vergolden musste. Damit wollte ich die Arbeit der Architekten würdigen.»

Mit der Welt der Fotografie kam der 74-Jährige schon früh in Berührung. Als Jugendlicher bekam er von seinem Vater eine Spiegelreflexkamera und eine Dunkelkammer geschenkt und fing erst einmal an, Familienbilder zu schiessen. Während des Studiums versuchte er sich zusammen mit einem Freund in der Reisefotografie, später dienten auch Landschaften in Island und England als Motive. Dann rückte die Fotografie wieder in den Hintergrund, so richtig darin eingetaucht ist Wagner nun eben erst wieder im Jahr 2020.

Seine Grenzen kennen
Wie damals, so ist die Fotografie auch heute für Wagner kein Beruf, sondern ein Hobby – und das soll auch so bleiben, trotz des Erfolgs in den letzten Jahren. «Ich möchte es ruhig angehen, ohne Druck», betont der Fotograf. Er merke schon, dass der Aufwand manchmal beträchtlich sei, vor allem im Vorfeld der Photo Schweiz. Es sei ihm wichtig, zwischen Fotografie und anderen Hobbys, etwa dem Besuch von Theatern, Opern und sonstigen Kulturveranstaltungen, zu denen er gern mit seiner Frau hingeht, eine Balance zu finden. Da müsse man unbedingt auch seine eigenen Grenzen kennen. Lukas Wagner erinnert sich zum Beispiel an einen Fotografie-Workshop im Engadin vor einigen Jahren: «Für eine Aufgabe mussten wir bei grausiger Kälte um 5 Uhr morgens aufstehen. Das liess ich dann lieber bleiben.»

Was er sich für die Zukunft wünscht, ist vor allem eins: Gesundheit – damit er mit der Fotografie noch lange weitermachen kann. Materielle Wünsche, etwa eine neue Kamera, beeindrucken Lukas Wagner hingegen nicht. Mit seiner jetzigen ist er zufrieden. Und überhaupt ist er der Meinung: «Was ein Fotograf braucht, ist nicht unbedingt eine gute Kamera, sondern vor allem ein gutes Auge.»

Nathalie Reichel


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