Faszinierende Flugkünstler in den Toggessenmatten

  11.06.2026 Ettingen

Die Falkenlibelle «rief» und 30 Interessierte aus Ettingen und dem BiBo-Land folgten der Einladung des Naturschutzvereins Ettingen (NSVE) zur Beobachtung von Libellen im Naturschutzgebiet (NSG) Toggessenmatten in Ettingen am 6. Juni.

Das im 2019 eingeweihte NSG besteht aus vier sonnigen Teichen, einer Sukzessionsfläche, mehreren Hecken und einer Blumenwiese. Die auf Gemeindeland liegende Anlage wird vom NSVE mit Unterstützung des Werkhofs Ettingen gepflegt. Im Herbst 2022 wurde zwischen dem NSG und dem Fussballplatz ein Grünstreifen mit Wildsträuchern und Kleinstrukturen eingerichtet.

Dieser Bereich sowie die Besucherzone bei den Weihern lädt ein zu Beobachtungen der Tier- und Pflanzenwelt, hält Informationen bereit und ist ein Ort der Begegnung und Erholung für die Bevölkerung.

Nicht nur für Amphibien und Vögel, auch für Libellen ist das Gebiet als Lebensraum gut geeignet, denn diese brauchen für ihre Entwicklung zwei Lebensräume: Wasser und Land. Dies wird uns klar, wenn wir uns ihren Lebenszyklus* anschauen. Und das NSG Toggessenmatten vereint diese beiden Lebensräume auf ideale Weise.

Unsere Exkursions-Leiterin, Anette von Matt, welche die Libellen hier kartiert, begeisterte die Teilnehmenden. Mit einem kurzen Überblick zu Lebensraum, Lebenszyklus und Detailinformationen nahm sie uns mit in die Lebenswelt der Libellen. Ihre Informationen hat sie uns einerseits im Beschrieb des Lebenszyklus* und andererseits in einem Rückblick zusammengefasst:

«Die Exkursion hat gezeigt, dass es den Libellen hier gefällt. Glücklicherweise kam die Sonne heraus – sonst fliegen Libellen nicht – und es konnten zehn verschiedene Arten beobachtet werden.

Eine schon wegen ihrer Grösse auffallende Art ist die Grosse Königslibelle. Sie hat einen blau erscheinenden Hinterleib und eine grüne Brust. Die Männchen patrouillieren auf der Suche nach Weibchen unermüdlich über das Wasser. Die Paarung findet meist in der Vegetation statt. Danach kommen die Weibchen zum Eierlegen ans Wasser, dabei werden die Eier einzeln in Wasserpflanzen eingestochen.

Weitere Grosslibellen, die über dem Wasser patrouillieren, sind die Falkenlibelle – etwas kleiner und dunkelgrün metallisch schimmernd – und die Keilfleck-Mosaikjungfer mit grünen Augen und einem orangebraunen Hinterleib. Der Vierfleck ist ein Wartenjäger, fliegt kurz auf und kommt dann wieder an die gleiche Stelle zurück.

Schwieriger zu erkennen als die grossen Libellen sind die kleinen. Sie verstecken sich oft in den Binsen. Es gab sehr viele Hufeisen-Azurjungfern und Gabel-Azurjungfern, vor allem gegen Ende der Exkursion, als es richtig warm wurde. Man konnte Paarungsräder und Eier legende Tandems beobachten. Die letzteren mussten sich sehr in Acht nehmen vor den Wasserfröschen, diese sind häufig und einer Libellenmahlzeit nicht abgeneigt.»

Danke, Anette für diesen Einblick, denn er weist auf, welch wertvolles Naturgebiet das ganze Ensemble am westlichen Dorfrand von Ettingen ist. Interessante Beobachtungen und kleine Auszeiten sind ganz in unserer Nähe, sozusagen «vor der Haustür», zu finden. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, eine schöne Sommerzeit!
Franziska Hindermann und Anette von Matt, Naturschutzverein Ettingen


www.nsve.ch

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* Lebenszyklus

Die Teiche dienen als Lebensraum für die Larven der Libellen. Die Weibchen legen Eier ins Wasser, aus diesen schlüpfen die Larven. Diese sind vollständig an ein Leben im Wasser angepasst. Sie häuten sich und wachsen, bis sie–jenach Art – nach ein paar Monaten oder erst nach Jahren ausgewachsen sind. Dann klettern sie ausdem Wasser, z. B. auf Wasserpflanzen oder Steine. Dort klammern sie sich fest, die Rückenhaut reisst auf und die junge Libelle schlüpft. Diese ist perfekt an ein Leben als Luftjäger angepasst.

Direkt nach dem Schlüpfen sind die Libellen zunächst nicht mehr am Wasser zu finden. Sie ziehen sich in Reifungshabitate zurück. Das sind insektenreiche Strukturen wie Hecken oder Waldränder, aber auch die Blumenwiese neben dem Toggessenmatten, der Grünstreifen zwischen NSG und Fussballplatz oder die Büsche und Bäume am benachbarten Marchbach. Dort erhalten ihre Körper die typische Färbung und die Geschlechtsorgane reifen heran. Dies kann, je nach Art, einige Tage bis mehrere Wochen dauern. Dann kehren sie zum Gewässer zurück, um sich dort zu paaren. Das Männchen packt das Weibchen am Hinterkopf oder am Hinterrand derVorderbrust, es bildet sich ein Tandem und danach das Paarungsrad, in dem das Spermapaket des Männchens in die Samentasche des Weibchens übertragen wird. Eine solche Paarung kann wenige Sekunden (z. B. beim Plattbauch) bis einige Stunden (z. B. bei den Pechlibellen) dauern. Anschliessend erfolgt die Eiablage, bei manchen Arten im Tandem, bei anderen Arten legen die Weibchen die Eier alleine ab, manchmal vom Männchen bewacht.


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