Im Dorfmuseum gings um die Wurst

  27.02.2025 Bottmingen

Die Rebzunft Bottmingen wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Aus diesem Anlass wurde zum Treberwurstessen ins Dorfmuseum geladen. Der BiBo war auch da.

Die Feldküche steht einsatzbereit vor dem Dorfmuseum. Lüpft man den Deckel, gibt es bis auf Weintraubenschalen und Kerne noch nichts zu entdecken. Später wird die Feldküche eingeheizt und die Würste landen im Treber, um gegart zu werden. Momentan liegen sie aber noch mit einem Tuch abgedeckt daneben. Nach 18.30 Uhr trudelt die Besucherinnen und Besucher des restlos ausgebuchten Fests ein. Zu feiern gilt es 50 Jahre Rebzunft Bottmingen. Ernst Bringold von der Rebzunft begrüsst die Anwesenden und berichtet von Rebzunft und Treberwurst. Treberwürste kommen aus dem Weinbaugebiet am Bielersee. Heute findet man diese Räucherrohwurst aus Schweinefleisch in allen Weinbauregionen. Es ist im Grunde ein Neuenburger Saucisson. Das Spezielle: Sie wird direkt im Rebberg in Feldküchen gegart.

Amphibienlaichplatz Bammertsgraben
Zwischen Apéro und dem Essen hält Heinz Durrer einen Vortrag. Der Biologe, Gymnasiallehrer und ausserordentliche Professor der Uni Basel lebte früher mit seiner Familie in Bottmingen und war bei der Rebzunft. Eines seiner Lebensziele: die Amphibien in der Region zu schützen. Dazu hat Durrer seit 1965 zwanzig Weiher und Biotope geschaffen. Sechs davon sind heute «Amphibienlaichplätze von nationaler Bedeutung»: der Eisweiher, das Autäli und die Wiesenmatten in Riehen, der Bammertsgraben in Bottmingen, die Herzogenmatt in Binningen und die frühere Ziegelei in Allschwil. Unterstützt wurde Durrer von Hermann Sutter, dem langjährigen, legendären Chef des Bottminger Werkhofs. «Hermi war der achte Gemeinderat!», lacht Ernst Bringold während der Präsentation, die er zusammen mit Heinz Durrer hält. Ausserdem war Sutter 1975 die treibende Kraft hinter der Gründung der Rebzunft – mancher Toast dürfte also an diesem Abend auf ihn gegangen sein.

Weiher untereinander verbinden
Im Zweifelsfall hiess das Motto von Sutter und Durrer: «Einfach mal machen und schauen.» Der Laubfrosch etwa war in der Region so gut wie ausgestorben, als der Biotopbau begann (was heute nicht mehr gilt, wie ein an Froschkonzerte gewohnter Anwohner berichtet). Das Wichtigste beim Weiherbau ist es, ganz verschiedene Weiher zu bauen, mal grösser, mal kleiner – und dass sie untereinander verbunden sind, beispielsweise durch Hecken. So können die Tiere von einem Weiher zum anderen wandern und sich den für sie perfekt passenden Tümpel auswählen. In unserer optimierten Kulturlandschaft ist das nicht mehr möglich.

Lebens- und Erholungsraum
Nicht nur für Amphibien, Teichrohrsänger, Nattern und Co. sind die Weiher Lebensraum – auch für Erholungssuchende. «Anfangs war das nicht selbstverständlich», erklärt Durrer: «Da wollte man Naturschutzgebiete mit Stacheldraht vor Menschen schützen. Wir aber wollten etwas für Mensch und Natur tun.» Mit Erfolg, heute suchen viele Leute Ruhe und Erholung bei den Weihern: «Lieber eine halbe Stunde hier auf der Bank sitzen als ein Valium nehmen», sagt Durrer und erntet Lacher.

Langsam steigt die Vorfreude
Nach dem Vortrag duftet es aus der Küche, wo fleissig gebrutzelt und geschnippelt wird. Draussen in der Feldküche sind die Treberwürste am Ort ihrer Bestimmung angekommen. Mit dem ganz grossen Löffel rührt Ernst Bringold die Würste durch den Treber, es steigen Dampf und ein feiner Duft auf. «Ein paar Liter Wein sind da auch noch drinnen», erklärt er. «… für den Geschmack.» So steigt die Vorfreude.

Der Hauptgang
Bald steht die herrlich sämige Kartoffelsuppe steht auf dem Tisch. Es wird gelöffelt und genossen, und es entspinnen sich angeregte, anregende Gespräche. Der Nüsslisalat mit Ei hat eine feine französische Sauce und ist eine Gaumenfreude. Dazu gibt es Weine von der Rebzunft. Und dann folgt ja endlich der Hauptgang. Der Risotto ist cremig und gesprenkelt mit Schnittlauch – und die Wurst mit Treberstückchen. Jetzt nur noch an einer für einen selbst und die Tischnachbarn ungefährlichen Stelle ein Loch in die Wurst stechen, und schon steht dem Genuss nichts mehr im Weg. Es schmeckt so gut, dass erst nach ungefähr der halben Wurst der Gedanke ans obligate Foto auftaucht – da ist dann halt das meiste von der Wurst schon weg und der Teller ein Durcheinander! Zum Dessert gibt es Fruchtwähen mit Schlagrahm und Treberbrand. Um 22 Uhr beginnt sich das Museum zu leeren und ein schöner Abend geht zu Ende.

Gregor Szyndler


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