Intelligenter Schlüsselanhänger erobert die Schweiz

  02.07.2026 Therwil

Eneas Vogel und Yanis Plüss aus Therwil und Bottmingen haben mit ihrem Schlüsselanhänger mit digitalem Fundsystem einen Nerv getroffen. Eine entscheidende Wende brachte eine Fernsehsendung.

Einen Schlüssel zu verlieren ist ärgerlich, mühsam, möglicherweise teuer und kann im schlimmsten Fall zu einem Einbruch führen. Eneas Vogel und Yanis Plüss haben vor gut zwei Jahren einen Schlüsselanhänger mit einem digitalen Fundsystem entwickelt und gründeten dafür das Start-up «Founco», die Kurzform für «found code». Zu Beginn stellten die beiden Maturanden aus Therwil und Bottmingen die Schlüsselanhänger selber mit dem 3-D-Drucker her. Ursprünglich dachte das Erfinderduo an Privatpersonen als Abnehmerinnen und Abnehmer, sattelten dann aber auf Unternehmen als Kunden um.

Ihre Idee war es, ihren Schlüsselanhänger Firmen als potenzielles Werbegeschenk anzupreisen. Als eine der ersten bekannten Organisationen stieg Pro Natura darauf ein. «Das war für uns der Startschuss und ein Türöffner. Es war aber nicht so, dass uns dann andere Firmen die Bude eingerannt haben», betont Yanis Plüss. Den Durchbruch sollte die Teilnahme bei der Fernsehsendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» bringen, in der Jungunternehmer um Investoren buhlen. Doch Founco blieb im Casting hängen. Es hiess, der Schlüsselanhänger aus dem 3-D-Drucker sei zu wenig stabil und dadurch nicht langlebig genug.

Viel Wert auf Lieferkette und Herkunft
Die Enttäuschung sass tief und gab den beiden Leimentalern zu denken. Sie hinterfragten sich und ihren Schlüsselanhänger und begannen, unterschiedliche Materialien zu testen. Grundbedingung war stets die ökologische und funktionale Langlebigkeit. «Unser Antrieb war es ja, eine Alternative zu den Billigprodukten bei den Firmengeschenken zu bieten», sagt Plüss. Am Ende entschieden sie sich für Aluminium, das gemäss Auskunft des Herstellers in Norwegen produziert wird. Die beiden 20-Jährigen legen viel Wert auf die Herkunft ihrer Rohstoffe. Sie hätten recherchiert, um herauszufinden, wo das Aluminium herkommt, da sie um dessen energieintensive Herstellung wissen. Die Schlüsselanhänger lassen sie in Deutschland in der Nähe von Bonn produzieren.

Aluminium eigne sich als Material aufgrund dessen Leichtigkeit, Robustheit und dadurch Langlebigkeit. Das Prinzip des digitalen Fundsystems ist simpel: Der Finder scannt mit dem Handy den QR-Code auf dem Anhänger, gelangt dadurch auf einen Link, wo er den Fundcode, der auf dem Schlüsselanhänger steht, eingeben kann. Das System stellt telefonisch eine Verbindung zur Besitzerin oder zum Besitzer des Schlüssels her. Auch erhält sie oder er eine Nachricht, dass ihr Schlüsselanhänger gefunden wurde. Essenziell am System sei, erklären Eneas Vogel und Yanis Plüss, dass es für beide Seiten keinerlei Hinweise auf den Namen, die Telefonnummer und schon gar nicht auf die Adressen des jeweils anderen gibt.

Auf der Rückseite des Schlüsselanhängers können die Unternehmen und Organisationen ihr Logo farbig aufdrucken lassen. So haben es unter anderem die Gemeinden Therwil und Ettingen sowie Unternehmen aus der Region Basel und der ganzen Schweiz getan. Nach gut zwei Jahren Firmengeschichte sind bereits über 10’000 Founco-Schlüsselanhänger im Umlauf.

Mit Founco befinden sich Eneas Vogel und Yanis Plüss in einem hart umkämpften Marktumfeld. Bei Firmengeschenken sei viel «Billigramsch» im Umlauf. Dem möchten sie mit ihrem Produkt entgegenwirken. «Für Unternehmen sind diese Geschenke wichtig. Wenn es sie schon gibt, wollen wir etwas bieten, das einen wirklichen Mehrwert bietet und lange hält.»

Müssen noch immer um Respekt kämpfen
Auch mit 20 Jahren müssen die beiden aktuell Zivildienstleistenden gegen Vorurteile ankämpfen, ob denn Junge so etwas wirklich packen können und Durchhaltewillen aufweisen. «Manchmal werden wir gefragt, was denn mit dem System sei, wenn wir vom einen auf den anderen Tag keine Lust mehr haben», berichtet Yanis Plüss. Um zu untermauern, dass sie noch lange Lust haben, garantieren sie in den Verträgen eine Mindestlaufzeit von 15 Jahren. «Zu Beginn konnte ich ja noch verstehen, dass man uns als Jugendliche nicht so ernst nimmt wie Erwachsene. Aber mittlerweile sind wir beide 20 Jahre alt und machen dies seit über zwei Jahren. Wir machen dies mit grosser Ernsthaftigkeit und Leidenschaft», stellt Eneas Vogel klar.

Die Motivation ist beim Leimentaler Erfinderduo ungebrochen. Mehrfach in der Woche sind sie mehrere Stunden in Kontakt, um das Design und das System ihres Schlüsselanhängers zu verbessern. Nach dem Zivildienst beginnen Eneas Vogel und Yanis Plüss ein Maschinenbaustudium an der ETH Zürich. Founco bleibt ein Hobby, wobei Hobby bei der Zeit, die sie in den Schlüsselanhänger stecken, als Bezeichnung massiv untertrieben ist.

Tobias Gfeller


www.founco.ch


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