Kartenspielen, Kostenfragen und Keramik
09.04.2026Liebe Leserinnen und Leser
Haben Sie die Ostertage genossen? Während in den Gärten von Bottmingen bis Ettingen die letzten Schoggihasen gefunden wurden, stellt sich zwischen den Feiertagen eine ganz andere Frage: Haben Sie sich eigentlich heute schon Gedanken über das Jahr 2035 gemacht? So entspannt das Osterfest auch war, so intensiv wird im Hintergrund bereits an der Zukunft unserer vier Gemeinden gebastelt. Das geschieht mal am Verhandlungstisch, mal am Spielbrett und mal an der Töpferscheibe.
In Bottmingen und Oberwil blickt die Spitex zwar auf 125 Jahre Erfahrung zurück, doch der Blick der Macher ist messerscharf nach vorne gerichtet. Die Prognose ist deutlich: In gut zehn Jahren werden doppelt so viele achtzigjährige Personen bei uns wohnen wie heute. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein klarer Auftrag an uns alle. Es wird mehr Köpfe, mehr Hände und natürlich auch mehr Geld brauchen, damit «ambulant vor stationär» nicht nur ein Schlagwort bleibt, sondern Lebensqualität garantiert.
Dass die grossen Fragen der Bundespolitik längst in unseren Wohnzimmern angekommen sind, wurde in der «Alten Schrinerei» in Therwil deutlich. Wenn über die Finanzierung der 13. AHV diskutiert wird, geht es ans Lebendige.
Ganz ohne politische Reibereien, dafür mit viel Herzblut, geht es in der Oberwiler «Drachearena» zu. Wer hätte gedacht, dass ein Spieleladen zum regionalen Hotspot wird, an dem bis tief in die Nacht Karten gemischt werden? Dass der Laden bei der Tramstation trotz Onlinekonkurrenz so gut besucht ist, liegt vor allem an der persönlichen Atmosphäre und der Inhaberin. Es ist die Art von Gemeinschaft, die man nicht im Internet bestellen kann und die ein Dorf erst richtig lebendig macht.
Diesen Geist spürt man auch in Ettingen. Das «KulturWerk» zeigt eindrücklich, wie ein 200 Jahre altes Haus durch Kunst und Secondhand-Events zum Treffpunkt für alle Generationen wird. Ob beim Fachsimpeln über Rauchbrandkeramik oder beim Stöbern an der Kleiderbörse, hier wird das ganze Jahr über etwas geboten. Hier wird angepackt, statt nur zugeschaut.
Vom Pflegealltag bis zum Spieleabend zeigen unsere Gemeinden diese Woche ihr ganzes Gesicht. Es ist eine Mischung aus harter Knochenarbeit für die Zukunft und dem Mut, einfach mal etwas Neues auszuprobieren.
Viel Spass beim Lesen.
Stephan Rüdisühli

