Kein Selbstläufer

  01.10.2026

«Das Ökosystem zwischen Wald und Landwirtschaft ist kein Selbstläufer», schreiben Brigitte und Werner Stöcklin in dieser Ausgabe auf den Ettinger Seiten. Der Satz passt weit über den Ettinger Wald hinaus. Man nimmt vieles im Dorf als selbstverständlich hin: den Wochenmarkt, das Training am Dienstagabend, das Beizli beim Brunnen. Dass es all das gibt, liegt an Menschen, die sich dafür einsetzen, oft über Jahre und ohne grosses Aufsehen.

In Bottmingen sieht man, was daraus entstehen kann. Vor zwanzig Jahren starteten im Keller von Andreas Schneiders Reihenhaus die ersten Aikido-Kurse, auf 15 Quadratmetern Mattenfläche. Den entscheidenden Anstoss gab eine zufällige Begegnung im 10er-Tram. Einfach war der Weg nicht: Den Durchbruch brachte erst ein Kurs der Erwachsenenbildung im Hämisgartenschulhaus, übrigens dank einer Ausschreibung im Birsigtal-Boten. Heute ist die Aikido-Schule Leimental ein Verein, der «Aikidoka» aus der ganzen Schweiz empfängt. Wer sehen möchte, was aus diesem Keller geworden ist, kann am 17. Oktober beim öffentlichen Embukai zuschauen.

In Therwil kam am Herbstmarkt einmal mehr das ganze Dorf zusammen. Getragen wird der Markt von Vereinen: vom Frauenchor, der Feuerwehr, der Jungschar und dem Männer-Kochklub, in dem kein einziger gelernter Koch mitkocht. «Hier kommt das Dorf zusammen», sagt ein Vorstandsmitglied des Frauenchors.

Treffender kann man es kaum sagen. Der Chor feiert dieses Jahr sein 120-jähriges Bestehen. Auch die Marktfahrenden halten Therwil die Treue: Viele kommen seit Jahren und wünschen sich jedes Mal denselben Standplatz.

In Oberwil ist die Lage noch offen. Die Produzentinnen und Produzenten am Wochenmarkt sind mit Herzblut dabei. Eine von ihnen steht dafür bereits um drei Uhr morgens am Ofen und backt ihr Holzofenbrot. Die Gemeinde hat bereits reagiert und die Öffnungszeiten auf Wunsch der Bevölkerung bis 13 Uhr verlängert. Doch Herzblut allein genügt nicht. Damit der Markt nächstes Jahr weitergeht, braucht es mehr Kundschaft. Bis zum 28. Oktober ist er noch geöffnet.

In Ettingen fehlen die Jäger, und das hat Folgen: Die Wildschweinbestände haben sich fast verdoppelt, und das Rehwild frisst die jungen Bäume. Die Bauern, die ohnehin unter dem trockenen Sommer leiden, müssen sich nun auch noch vor dem Wild schützen. Der Ettinger Text zeigt deutlich, wie schnell etwas ins Rutschen gerät, wenn die Leute fehlen, die sich darum kümmern.

Die Geschichten dieser Ausgabe machen deshalb auch Mut. Am Sonntag hat die Schweiz an der Urne über grosse Fragen entschieden. Was im Dorf gelingt, entscheidet sich dagegen im Kleinen: Dem Marktfahrer hilft, wer bei ihm einkauft, und dem Verein, wer mitmacht. Selbstläufer gibt es im Dorf nicht, dafür aber Leute, die für andere da sind. Einigen von ihnen begegnen Sie in der aktuellen Ausgabe.

Viel Spass beim Lesen!
Stephan Rüdisühli


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