Leimental Rock – «Spantane» Freinacht in Therwil

  07.05.2026 Leimental

Mundartrocklegende Span entfachte am 18. April in Therwil ein Berner Rockfest – mit Druck, mehrstimmigem Gesang und «Louenesee».

Seit mehr als 50 Jahren gibt es die Berner Mundartband Span. Von der Originalbesetzung sind noch Christoph Kohli (Bass, Gesang) und George «Schöre» Müller (Gitarre, Gesang) dabei. Verstärkt werden sie von Schöres kleinem Bruder Stefan W. Müller (Keyboard) und Matthias Nydegger (Schlagzeug, Gesang). Mit der Span-Single «Bärner Rock» von 1974 wurde Berndeutsch zum Sound einer neuen Rockszene. Von 1978 bis 1982 arbeitete Span mit Polo Hofer zusammen. Ein Neustart gelang 1983 mit «Spanton Spontan». Darauf enthalten: «Louenesee», ein Lied, das zum Schweizer Liederkanon gehört wie (in manchen Küchen) Aromat zu Gschwellti.

Am Anfang des Konzerts setzte Schöre Müller einen ersten Akzent. Span freue sich, an einem Ort zu spielen, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Das Publikum hielt kurz den Atem an, ehe Müller berichtete, dass Span sich fürs Konzert im Restaurant gestärkt habe, wo eine Therwil-Fahne hing. «Das ist schön, es sind die YB-Farben.» Schon wieder hielt das Publikum den Atem an. Das änderte sich bei der anschliessenden Nummer «Soundcheck». Die Band machte enorm Druck, genau wie bei «Bügle», das vom hart gespielten Schlagzeug, Keyboard und von der Gitarre lebte. Der mehrstimmige Hintergrundgesang – eine Span-Spezialität – war bei vielen Nummern eine Wucht.

Konzert ging ins Tanzbein
Die mehr als 50 Bandjahre merkte man der Band nicht an. Sie hatten die Mehrzweckhalle von Anfang an und, von einer Schwächephase zu Beginn des zweiten Sets abgesehen, durchgehend im Griff. Das traf ganz besonders bei den bluesigen Boogie-Woogie-Jams zu. Da konnten Kohli und Müller noch lange sagen: «Uff, solche Konzerte gehen in den Rücken!» – So lange sie direkt im Anschluss mit «Stägeli» die Tanzbeine zum Schwingen und Zucken brachten, kaufte ihnen das niemand ab.

Mit erfrischender Hartnäckigkeit weigerten sich Kohli und Müller, «Däärwil» statt «Therwil» zu sagen. Schliesslich reichte Müller einer Zuschauerin das Mikrofon, damit sie es ihm vorsagen konnte – nur, um gleich darauf doch bei «Therwil» zu bleiben. «Habt ihr eine komische Sprache hier», bemerkte er. «Man versteht euch ja kaum!», schob er hinten nach. «Sagt gerade der Richtige!», antwortete jemand aus dem Publikum.

Es war ein vergnügter Abend mit einer Band, die vor Spielfreude sprühte. Eine Frage stand dabei wie ein Elefant im Raum: Spielen sie «Louenesee» oder nicht? Im Verlauf des zweiten Sets mehrten sich fragende Blicke im Publikum. Endlich war es so weit. Schon bei den ersten Akkorden des Megahits ging ein Raunen durchs Publikum. Natürlich wurde die Nummer von der Band nicht anmoderiert. Warum auch? Die Leute sangen auch so mit. Etwa ein Trio hellauf begeisterter junger Frauen unter 30, die noch in der Pause gesagt hatten: «Wir sind unseren Eltern zuliebe hier, die mit organisieren, wir kennen nur dieses Lied!»

Konzert, Dorffeste und Freinacht
Ein Organisationskomitee rund um den Span-Fan Beat Bünz holte die Band nach Therwil. Er erlebte die Band schon unzählige Male, wie er im Gespräch berichtete. So entstand die Idee zu dem Konzert. «Ich fragte beim Management nach und stiess auf offene Ohren.» Über ein Jahr vor dem Konzert reservierte Bünz die Mehrzweckhalle. Das OK machte mit viel Initiative und privat getragenem Risiko das Konzert möglich, das auch Dorffest und Freinacht war und bei dem bis um 2 Uhr morgens gefeiert wurde. Rund 480 Eintritte wurden verkauft. Ursprünglich hatte das OK mit 200 bis 300 Gästen gerechnet, wie Bünz auf Nachfrage erklärte. Es war den Organisatoren wichtig, dass sich auch ältere Besucherinnen und Besucher wohlfühlen. Abhilfe schafften Stuhl- und Tischreihen, die einen gemütlichen Konzertgenuss ermöglichten. Den Weg von der Idee zum Konzertabend fasste Sibylle Mäder in ihrer kurzen Rede zu Beginn so zusammen: «Die Idee, etwas Grösseres und Ungewöhnlicheres ins Dorf zu holen, musste erst wachsen.»

Gregor Szyndler


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