Mehr als eine Zwischennutzung
04.06.2026Als das Unterwerk Bottmingen vor knapp zwei Jahren seine Tore für die Zwischennutzung öffnete, war noch offen, wie sich das Areal entwickeln würde. Heute lässt sich feststellen: Aus einem ehemaligen Zweckbau ist weit mehr geworden als ein Provisorium. Das Unterwerk hat sich zu einem Ort entwickelt, an dem Kultur, Sport, Begegnung und Kreativität zusammenfinden.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Vielfalt der Angebote. Bemerkenswert ist vor allem, was sie ermöglicht haben. Menschen unterschiedlichster Generationen und Interessen treffen sich auf einem Areal, das ursprünglich für einen ganz anderen Zweck geschaffen wurde. Wo einst technische Infrastruktur im Mittelpunkt stand, entstehen heute Gespräche, Ideen und neue Verbindungen.
Das Beispiel zeigt, dass die Attraktivität einer Gemeinde nicht allein von neuen Bauten oder grossen Investitionen abhängt. Oft sind es bestehende Orte, die durch Engagement und Offenheit eine neue Bedeutung erhalten. Es braucht Menschen, die Chancen erkennen, Verantwortung übernehmen und bereit sind, etwas auszuprobieren.
Gerade deshalb verdient die Entwicklung des Unterwerks Beachtung. Die Verantwortlichen sprechen davon, dass das Areal «immer in Bewegung» sei. Dieser Satz beschreibt nicht nur die Zwischennutzung selbst. Er beschreibt auch eine Haltung. Eine Gemeinde bleibt lebendig, wenn sie sich weiterentwickelt, neue Ideen zulässt und Raum für Begegnungen schafft.
Dass solche Räume und Begegnungen wichtig sind, zeigen auch die weiteren Geschichten dieser Ausgabe. In Oberwil rückten Fledermäuse für einmal ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Hinter dem Anlass des Naturschutz- und Vogelschutzvereins steckt jedoch mehr als die Faszination für ein oft missverstandenes Tier. Es geht um die Frage, wie wir mit unserer Umwelt umgehen und welches Wissen wir an kommende Generationen weitergeben. Dass Kinder und Erwachsene gemeinsam Nistplätze bauten und sich auf die Spur der nachtaktiven Tiere machten, zeigt, wie Naturvermittlung Menschen zusammenbringen und das Bewusstsein für unsere Lebensräume stärken kann.
In Therwil richtet sich der Blick auf Menschen, deren Engagement oft unsichtbar bleibt. Angehörige von demenzkranken Personen leisten Tag für Tag Enormes. Die Angehörigengruppe der Stiftung Blumenrain bietet ihnen einen Ort, an dem Erfahrungen geteilt, Sorgen ausgesprochen und neue Perspektiven gewonnen werden können. Die Geschichte von Priya Malhotra macht deutlich, welche Belastungen Angehörige tragen und wie wichtig es ist, in schwierigen Lebenssituationen Unterstützung und Verständnis zu finden.
Auch in Ettingen steht die Begegnung im Mittelpunkt. Die Initiative «Ettige global» bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Lebensgeschichte zusammen. Entstanden aus der Unterstützung für Geflüchtete, ist daraus ein Ort des Austauschs geworden, an dem gemeinsam getanzt, diskutiert, gelernt und gefeiert wird. Die Beteiligten zeigen, dass Integration nicht in erster Linie durch Konzepte entsteht, sondern durch persönliche Begegnungen und gegenseitiges Interesse.
Viel Spass beim Lesen
Stephan Rüdisühli

