Mehrwertabgabe ist unter Dach und Fach
25.06.2026 Therwilführt, wie andere Gemeinden auch, eine Mehrwertabgabe zu 30 Prozent ein. Das hat die Gemeindeversammlung am 17. Juni in der Mehrzweckhalle grossmehrheitlich gegen einzelne Nein-Stimmen und Enthaltungen entschieden. Als Gegner dieses Begehrens ist Alt-Landrat Hans-Jürgen Ringgenberg (SVP) angetreten. Er hat bereits bei der Bereinigung der Traktandenliste den Antrag gestellt, das Geschäft von der Traktandenliste zu streichen. Denn am 27. September stimmt der Kanton Basel-Landschaft über die Gesetzesinitiative «Fairer Kompromiss bei der Mehrwertabgabe» und den landrätlichen Gegenvorschlag ab.
Alt-Landrätin Ursula Jäggi (SP) votierte dafür, das Traktandum auf der Liste zu belassen. Es sei bereits jetzt eine «Neverending-Story». Ringgenberg machte beliebt, den Volksentscheid abzuwarten. «Das sind noch etwas mehr als drei Monate», wies er darauf hin, dass es nicht mehr lange gehe. Da nicht sicher sei, was an der Abstimmung durch den Baselbieter Souverän entschieden werde, müsste die Gemeinde wieder Änderungen vornehmen.
Auf diese Argumentation war die Exekutive vorbereitet. Gemeinderat Beat Zahno (Mitte) stellte Initiative und Gegenvorschlag gegenüber und stellte fest, dass es einzig bei den Aufzonungen Unterschiede gäbe. «Das kommunale Reglement ist kompatibel mit der kantonalen Vorlage», erklärt Zahno.
Mehrwertabgaben können nur erhoben werden, wenn ein kantonales Gesetz dies vorsieht und/oder ein kommunales Reglement in Kraft ist. Das erklärt, weshalb der Gemeinderat vorwärtsmachen wollte. Denn wäre das Reglement nicht angenommen worden, würde die angedachte Zonenplanrevision ohne Mehrwertabgabe vor die Gemeindeversammlung gelangen. Dann könnte Therwil für diese Planung keine Mehrwertabgabe erheben. Der Gemeinderat geht von maximal 40 Millionen Franken aus, sollten alle baulichen Massnahmen realisiert werden. Realistischerweise wird rund eine Million Franken pro Jahr in den nächsten zehn Jahren prognostiziert, wie Gemeinderat Beat Zahno ausführte. «Was das für die Gemeindefinanzen heisst, ist klar.» Hier setzte Ringgenberg nochmals an, denn es handle sich dabei nicht um eine neu erschlossene Geldquelle. «Das zahlen die Hauseigentümer.»
Der für Finanzen zuständige Gemeinderat Philipp Schmid (FDP) erläutert die Jahresrechnung und bilanziert: «Sie ist gut, weil wir im Budget geblieben sind, aber es resultiert ein Verlust.» Dieser beträgt 2,16 Millionen Franken. Das negative Ergebnis erlaube keine Einlagen in Vorfinanzierungen oder in finanzpolitische Reserven, führt er weiter aus. «Die finanzielle Lage bleibt nach wie vor robust», ergänzt Schmid. Die Gemeindefinanzen stehen auf einer soliden Eigenkapitalbasis und es sind auch Reserven vorhanden. Trotzdem gehört es zu einem Finanzverantwortlichen, dass er mahnt: «Das Ziel muss ein ausgeglichener Finanzhaushalt sein.»
Beim Personalaufwand blieb die Gemeinde rund 426’000 Franken unter dem Budget, da sich der Antritt neu angestellter Mitarbeitender nicht nahtlos an den Abgang von bisherigen Angestellten reihte. Die Beiträge an Sozialhilfebezüger sind gestiegen und somit erhielt Therwil auch höhere Pauschal-Rückerstattungen. Gemeinderat Philipp Schmid gewährte einen Blick auf Einzelkonti. Er lobt, dass durch eine zurückhaltende Budgetbewirtschaftung weniger Ausgaben getätigt wurden. Dennoch sind die meisten Positionen «extern gesteuert» und daher könne die Gemeinde nur beschränkt Einfluss nehmen. Auch externe Gebühren, Preise oder Tarife beeinflussen die Kostenentwicklung. Verschiedene Projekte wie beispielsweise der Campus Mühleboden, die Beleuchtung der Sportfelder Känelboden oder dessen neuer Kunstrasen führten auch in der Investitionsrechnung zu zeitlichen Verschiebungen.
Daraus konkrete Zahlen: Im laufenden Jahr (2025) wurden um 4,65 Millionen Franken weniger Steuern als budgetiert eingenommen, dafür konnten noch aus den Vorjahren 2,79 Millionen Franken verbucht werden. Die Beteiligung der Gemeinde an den Kosten für Altersund Pflegeheime belastete die Kasse mit rund einer Million Franken. Dafür stiegen die Entschädigungen des Kantons im Asylwesen um rund 1,05 Millionen, wobei etwas mehr als die Hälfte für das Vorjahr verbucht werden kann. Der Verkauf des GGA-Netzes gab einen Zustupf von rund 437’000 Franken.
Gemeinderat Schmid schenkt der Versammlung im Ausblick reinen Wein ein: «Die wirtschaftlichen Herausforderungen bleiben in den kommenden Jahren bestehen.» Ein Blick auf die Weltlage unterstreicht seine Aussage. Er rechnet mit steigenden Kosten im Bereich Alter und Gesundheit und deutet auf (finanzielle) Unsicherheiten im Asylwesen hin.
Dagegen rechnet Gemeinderat Philipp Schmid mit etwas Entlastung im kantonalen Finanzausgleich ab dem nächsten Jahr. Schlussendlich wurde die Rechnung mit drei Enthaltungen grossmehrheitlich genehmigt.
Die Gemeinde hat eine Finanzstrategie erstellt, um den Gemeindehaushalt besser steuern und planen zu können. Neben Investitionen in die Zukunft soll auch das Fremdkapital nachhaltig bewirtschaftet werden und es soll nach wie vor ein konkurrenzfähiger Steuersatz gelten. Neu werden auf Basis eines Fünfjahresdurchschnitts Kennzahlen beurteilt und definierten Schwellenwerten gegenübergestellt. Je nach deren Entwicklung werden Massnahmen aus festgelegten Handlungsfeldern aktiviert. Die Finanzstrategie wird am 1. Juli 2026 in Kraft gesetzt und dient als übergeordnetes Planungs- und Steuerungsinstrument.
Gemeindepräsident René Saner (FDP) freute sich zum Schluss der Versammlung, den Anwesenden mitzuteilen, dass Bundesrat Beat Jans an der diesjährigen Bundesfeier am 31. Juli als Gastredner die Festansprache hält und anschliessend gemeinsam mit den Därwilerinnen und Därwilern feiern wird.
Fabian Schwarzenbach


