Musik geniessen und mit den Gedanken runterfahren

  08.01.2026 Oberwil

Zwei Orgelkonzerte in der Kapelle des Friedhofs Rüti sorgten für einen besinnlichen Kontrast zur stressigen Weihnachtszeit.

Heiligabend, kurz vor 17 Uhr. Es ist kalt, windig und vor allem dunkel auf dem Friedhof Rüti. Von der Fackelbeleuchtung, die für besinnliche Weihnachtsstimmung sorgen sollte, ist nichts zu sehen. «Wegen des starken Winds konnten die Fackeln nichts angezündet werden», informiert eine Frau und läuft weiter bis in die Kapelle. Dort findet in Kürze das erste von zwei Orgelkonzerten, das zweite steht am ersten Weihnachtstag auf dem Programm, statt.

Die Weihnachtskonzerte auf dem Friedhof haben sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Tradition entwickelt. Das erste fand an Weihnachten 2017 statt. Geistiger Vater war Theo Ettlin von der Kulturkommission, der selber Organist war und die Totalsanierung der Orgel 2016 begleitet hat. Die Kulturkommission hat seine Initiative aufgenommen und unterstützt und nach Ettlins Tod im Jahr 2020 die Organisation übernommen.

Doris Schaub ist es, die die Leute in der Kapelle begrüsst und am Anfang ein paar Worte an die rund fünf Dutzend Besucherinnen und Besucher richtet. «Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht», bedauert die Präsidentin der Kulturkommission, freut sich dafür umso mehr, dass der musikalische Teil wie geplant stattfinden kann.

Für die Musik zuständig ist an diesem Abend Ana María Fonseca Núñez. Die Kolumbianerin sitzt im hinteren Teil der Kapelle an der Orgel, während das Publikum auf den Bänken ihr den Rücken zuwendet. Das mutet auf den ersten Blick etwas seltsam an, doch bevor der erste Ton erklingt, wird es dunkel. Nur acht Kerzen sorgen für etwas Licht und eine ätherische Atmosphäre. Dadurch, dass man das Konzert ohne optische Ablenkung hört, werden die eigenen Gedanken und Assoziationen verstärkt. Die Aussenwelt und damit der Weihnachtsstress sind ganz weit weg. Applaus zwischen den Stücken gibt es nicht, alles fliesst ineinander, die Zeit scheint still zu stehen und vergeht gleichzeitig wie im Flug.

Eine knappe Stunde lang spielt sich die Organistin durch Bekanntes wie «Little Drummer Boy» und (hierzulande) Unbekanntes wie das katalanische Weihnachtslied «El noi de la mare». «Mein Repertoire umfasst mehrere Hundert Lieder. Ich habe mich recht spontan für die diesjährige Auswahl entschieden», verrät Fonseca nach Konzertende gegenüber dem BiBo-Reporter.

Nachdem die Musikerin den letzten Ton gespielt hat, erhält sie den verdienten Applaus. «Ich hoffe, Sie konnten das Konzert geniessen und etwas runterfahren», sagt Doris Schaub, bevor sie die Leute verabschiedet. Viele kommen noch kurz auf die Präsidentin der Kulturkommission zu und gratulieren zum gelungenen Konzertabend. Die Weihnachtsstimmung scheint nahezu greifbar zu sein.

Am ersten Weihnachtstag wird dann die Weihnachtsstimmung auch noch sichtbar. Der Wind hält sich zurück und 60 Fackeln erhellen den Friedhof für die Zeit vor und nach dem Konzert. Dieses wird nun von der Israelin Sharon Prushansky bestritten, rund 70 Besuchende bringen mit einem langen Applaus ihre Freude über das Gehörte zum Ausdruck.

Bei der Kollekte kommen an beiden Abenden insgesamt knapp 1200 Franken zugunsten der Coop-Patenschaft für Bergebiete zusammen. Doris Schaub spricht von einem «erfreulichen Betrag» und dankt im Namen der Gemeinde Oberwil und der Kulturkommission allen Besuchenden «für die grosszügigen Spenden».

Alan Heckel


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