Mysteriöses mit Parallelen zum Alltäglichen
15.01.2026 OberwilTrotz Kälte und Schneefall erfreute sich die Vernissage der Ausstellung «Event Horizon» am Samstag in der Galerie Monika Wertheimer vieler Besucherinnen und Besucher. Gezeigt werden Werke des Basler Fotografen Nicolas Henri.
Schon auf den ersten Blick fällt auf: Die Kunstwerke dominieren intensive Farben, ein leuchtendes Grün, ein kräftiges Gelb, ein blendendes Blau-Weiss. Am Anfang und am Ende des Ausstellungsraums finden sich jeweils ganz dunkle Bilder. Ob hell oder düster – alle Fotografien haben eins gemein: Sie zeigen alltägliche, uns oft bekannte Objekte, die aber im ersten Moment gar nicht erkennbar sind – viele auch im zweiten Moment nicht. Ist auf dem einen Bild ein Champignon zu sehen? Und auf dem anderen ein Salatblatt? Und weiter drüben eine Orchidee?
Dass der Besucher oder die Besucherin miträt und mitüberlegt, sich also intensiv mit dem Bild auseinandersetzt, ist Teil des Konzepts der neuen Ausstellung «Event Horizon», die am Samstag in der Galerie Monika Wertheimer Vernissage gefeiert hat. «Mir ist es wichtig, viel Interpretationsspielraum offenzulassen», erklärte Fotograf Nicolas Henri gegenüber dem BiBo. Deswegen zeigten die Werke auch immer nur Ausschnitte der jeweiligen Objekte. Farben, Licht und Perspektive verleihen ihnen dabei oftmals etwas Abstraktes, Geheimnisvolles. «Generell habe ich schon einen Hang zur Mysteriösität», bestätigte der Basler Fotograf.
Inspiriert ist das Konzept, wie schon der Titel der Ausstellung verrät, vom Ereignishorizont, also jenem Bereich um das Schwarze Loch, ab dem es «kein Zurück mehr gibt», so Henri. Alles, was den Ereignishorizont überschreitet, kann also nicht mehr nach aussen entkommen. «Man meint zu wissen, dass man noch etwas sieht, aber letztlich kann man nur mutmassen», führt der Fotograf weiter aus. So sei es auch bei seinen Bildern. «Sie sind ein Kommentar auf die heutige Zeit, in der man mit der Künstlichen Intelligenz (KI) oder in den Medien immer nur Ausschnitte der Realität sieht.»
Milch und Matcha-Tee
Apropos KI: Darauf hat der Fotograf bei seiner Arbeit bewusst verzichtet. Auch die Farben wurden nicht etwa nachträglich in die Bilder hineinbearbeitet, sondern ebenfalls mithilfe von Alltagsmaterialien dargestellt: Milch, Sojasauce, Matcha-Tee. Dabei waren die Gegenstände stets in der Flüssigkeit drin – fotografiert wurde aber von aussen.
Wenn Nicolas Henri ein Lieblingsbild herauspicken müsste, wäre es «Eclipse», was auf Deutsch «Sonnenfinsternis» bedeutet. Anders als man nun vielleicht erwarten würde, ist dies aber keines der beiden dunkleren Bilder, sondern ein leuchtend grünes. Nicht zu übersehen dabei die beiden Kreise, die sich scheinbar übereinanderlegen und so eben das Phänomen der Sonnenfinsternis nachahmen. Der Fotograf mag das Bild besonders – aber nicht per se wegen des Motivs. «Es ist eine der Fotografien, die am zufälligsten, am überraschendsten entstanden ist», verrät er.
Aber auch die anderen Werke vermögen zu beeindrucken: Bei «Dark Matter» sticht der dunkelblaue Punkt in der Mitte hervor, der gegen aussen heller wird, bei «Voodoo» meint man zunächst, gar keine Objekte zu erkennen, und bei «Emergence» dominiert, anders als bei vielen anderen, das Eckige und Geradlinige. Ganz egal, ob es der Farbverlauf ist, die Rätselhaftigkeit oder die Formenvielfalt: Jedes der insgesamt 15 Werke von «Event Horizon» hat etwas Besonderes.
«Es kommt immer gut»
Galeristin Monika Wertheimer zeigte sich zufrieden mit der ersten Ausstellung des Jahres, deren Vernissage trotz des schlechten Wetters sehr gut besucht war. «Wenn ich mit Nicolas etwas plane, weiss ich, es kommt immer gut», schwärmte sie. Henri, der in Kanada Film- und Fernsehproduktion studierte und sein Künstleratelier im gleichen Gebäude hat, in dem sich auch die Galerie befindet, stellt nach 2009, 2013 und 2018 nun bereits zum vierten Mal bei Monika Wertheimer aus. Neben Ausstellungen in Oberwil hat er seine Werke auch schon in Zürich und Tokio zeigen dürfen.
An ihr Kennenlernen vor über 15 Jahren erinnern sich die beiden übrigens heute noch mit einem Lächeln im Gesicht und spürbarer Herzlichkeit: «Ich kam uneingeladen an eine Vernissage und habe mich nicht getraut, Monika mein Portfolio abzugeben, wo raufhin ich es in den Briefkasten warf. Dann hat sie sich bei mir gemeldet», erzählte der Fotograf ausführlich. Und die Galeristin ergänzte daraufhin: «So haben wir uns kennenund liebengelernt.»
Vielversprechendes 2026
Die Ausstellung «Event Horizon» ist noch bis zum Samstag, 7. Februar, in der Galerie Monika Wertheimer an der Hohestrasse 134 in Oberwil zu sehen. Im Rahmen eines «Meet the Artist» wird Nicolas Henri am Samstag, 24. Januar, von 15 bis 17 Uhr in der Galerie anwesend sein. Und natürlich stehen für 2026 weitere Highlights auf dem Programm: Im Februar und März zeigt Monika Wertheimer «Vivid Herbarium» mit Werken von Seb Michel, anschliessend feiert Thomas Woodtli mit einer Sonderausstellung seinen 70. Geburtstag, später widmet sich die Galeristin dem Schaffen des Bieler Ehepaars Françoise und Daniel Cartier. Und natürlich dürfen auch die Ausstellung der Schüler des Gymnasiums Oberwil im April sowie die «Photo Basel» im Juni nicht fehlen – zwei feste Bestandteile im Kalender der Oberwiler Galeristin, und das schon seit mehreren Jahren.
Nathalie Reichel


