Nach der Verantwortung zurück auf den Wagen
02.04.2026 TherwilNach acht Jahren tritt Tristan Faes als Präsident des Fasnachtskomitees Därwil zurück und freut sich auf die Rückkehr zum normalen Aktiven bei seiner Wagenclique «die Schiinheilige».
Nach insgesamt zwölf Jahren – acht davon als Präsident, zuvor vier als Kassier – zieht sich Tristan Faes aus dem Fasnachtskomitee Därwil zurück. Es sei an der Zeit, neuen Leuten Platz zu machen, findet der 52-Jährige. Auch freue er sich auf mehr Freizeit das Jahr hindurch, darauf, Verantwortung abgeben und wieder als normaler Aktiver Fasnacht machen zu können. Aus Zeit- und Energiegründen legte er seine Aktivitäten an der Fasnacht zugunsten der Aufgaben als Komiteepräsident zur Seite. Nächstes Jahr ist Tristan Faes zurück auf dem Wagen und als Schnitzelbänkler als Teil der Wagenclique «die Schiinheilige», wie er im Gespräch mit spürbarer Vorfreude ankündigt.
Für Tristan Faes war es heuer eine gefühlsmässig zweigeteilte Fasnacht: Einerseits genoss er die positive Stimmung trotz nicht optimalem Wetter, freute sich, dass organisatorisch trotz vorangegangenen Diskussionen über strengere Sicherheitsbestimmungen alles geklappt hat und die Fasnacht auch in diesem Jahr reibungslos über die Bühne gehen konnte. «Andererseits war im Wissen, dass es meine letzte Fasnacht als Komiteepräsident ist, auch Wehmut dabei.» Er habe während der Fasnacht die Zeit Revue passieren lassen und darüber nachgedacht, was er als Präsident erreicht und bewirkt habe, verrät Faes.
Fokus auf den Nachwuchs
Tristan Faes führte das Amt des Komiteepräsidenten mit Elan und Engagement aus. Es sei ihm stets ein Anliegen gewesen, die Därwiler Fasnacht zukunftsfähig zu machen. Deshalb legte er einen Fokus auf die Nachwuchsarbeit, für die er mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Komitee ein Konzept erarbeitet hatte. Daraus entstand unter anderem das Projekt «Jahrgang» und mit den «99er Zwärge» eine neue Clique mit jungen Mitgliedern. Für Tristan Faes ist klar: «Auch wenn die Därwiler Fasnacht aktuell gut aufgestellt ist, muss man präventiv dafür sorgen, dass es Nachwuchs gibt, damit dies auch so bleibt.»
Die Därwiler Fasnacht ist auf dem Land eine mittelgrosse Fasnacht. Die Basler Fasnacht ist als Anziehungspunkt nicht weit entfernt. «Unsere Fasnacht hat nicht die Strahlkraft, dass der Nachwuchs automatisch kommt», gibt Tristan Faes zu bedenken. Bestrebungen, neben den steigenden Besucherzahlen am Strassenrand für genügend Aktive zu sorgen, sei für das Fortbestehen des Brauchtums elementar.
Ein offenes Ohr für die Aktiven
Tristan Faes war gemäss eigenen Angaben ein Komiteepräsident, der funktionierende Traditionen pflegen und aufrechterhalten wollte, für Neues aber stets offen war. «Ich bin keiner, der an etwas festhält, nur weil es schon immer so war. Man muss alte Zöpfe auch mal abschneiden und Neues wagen können.» Faes wollte eigene Impulse setzen und hatte stets ein offenes Ohr für die Aktiven. Nicht alle Vorschläge konnte oder wollte das Komitee umsetzen. «Es geht auch immer darum, Ideen und Projekte gemäss deren zeitlichem und finanziellem Aufwand zu prüfen und danach abzuwägen.» Man müsse stets aufpassen, nicht einem «übertriebenen Aktionismus» zu verfallen.
Das Pflegen der Kultur, der Zusammenhalt, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen, der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und die Menschen zu unterhalten, das sind für Tristan Faes die Kernelemente der Fasnacht. Über Bekannte und Freunde kam der 52-Jährige auf den Geschmack der Därwiler Fasnacht. «Ich habe erst 2007 als Aktiver angefangen. Ich wurde als Fremder mit offenen Armen in der Fasnachtsfamilie aufgenommen. Das Vereinsleben in Therwil ist ausgeprägt und einmalig.» Tristan Faes liebt es, während der Fasnacht in andere Rollen zu schlüpfen. Bei den Sujets ist ihm wichtig, dass lokale Therwiler Themen ihren Platz haben. «Wir sind eine Dorffasnacht. Das soll man spüren.» Regionale, nationale oder sogar globale Themen sollten auch Platz haben. Für Tristan Faes ist klar: «Es braucht von allem ein bisschen, damit eine Fasnacht thematisch stimmig ist.»
2022er-Fasnacht als Höhepunkt
Tristan Faes blickt als Komiteepräsident auch auf herausfordernde Jahre zurück. Die Bestimmungen und Vorgaben werden immer strenger. Auch nehme der administrative Aufwand zu. Die Corona-Pandemie markierte die schwierigste Phase in seiner Präsidentschaft, betont Tristan Faes. «Die 2020er-Fasnacht konnten wir gerade noch so durchführen. 2021 fiel die Fasnacht aus. 2022 sah es lange Zeit auch nach einer Absage aus, bis zwei Wochen vor dem Fasnachtstermin die Massnahmen aufgehoben wurden. Dann ging es los.» Innerhalb von wenigen Tagen wurde ein Umzug auf die Beine gestellt. «Das war sensationell. Einer der Höhepunkte in meiner Zeit als Fasnächtler und Komiteemitglied.»
Mit viel Dankbarkeit dem Komitee und den Aktiven gegenüber übergibt Tristan Faes die Verantwortung an frische Kräfte. Seine Nachfolge wird an der Abschlussversammlung am 17. April bekannt gegeben. Neben Tristan Faes treten auch seine Frau Nathalie Faes und Kassier Markus Steiger aus dem Fasnachtskomitee zurück.
Tobias Gfeller


