Neuer Hochstammobstgarten, ein Generationenprojekt
26.03.2026 TherwilHochstammobstbäume prägten über Jahrzehnte unsere Landschaft. Überall standen die Bäume in den Feldern rund um die Dörfer und dienten der Versorgung der Bevölkerung mit Früchten. Der ökologische Nutzen war damals noch kaum bekannt. Doch in alten Protokollen des Obstbauvereins Ettingen-Therwil, den Gründern des Natur- und Vogelschutzvereins (NVT), ist zu lesen, dass sie die Vögel in den Obstbäumen fördern wollten, um Schädlinge zu reduzieren. Nun kommen die letzten von ihnen gepflanzten Bäume an ihre Altersgrenze. Da die Pflege und Bewirtschaftung dieser Bäume aufwendiger ist als bei Niederstammbäumen, wurden kaum mehr Hochstammobstbäume gepflanzt. Dies hat grosse Auswirkungen auf das Landschaftsbild und unsere Wahrnehmung. Eine Landschaft ohne Bäume wirkt monoton, die Blüten der Kirsch- und Apfelbäume aber erfreuen das Gemüt.
Nun darf sich Therwil wieder an einem neuen Obstgarten erfreuen. Dank der Weitsicht der Familien Guido Gschwind und Thomas Heinis sowie des Bewirtschafters Lukas Gschwind konnte am 14. März der NVT mit 25 Naturbegeisterten im Hofgebiet «Eigen» 45 neue Hochstammobstbäume pflanzen. Und weder Regen noch Kälte hielten die zupackenden Hände aus der Region von der Arbeit ab.
Dass die Pflanzung bei schwierigen Wetterbedingungen reibungslos verlief, ist Gian Caminada vom Forst Angenstein zu verdanken. Er hat mit dem Bagger die Pflanzlöcher gegraben und mit der Schaufel die Pfähle eingerammt. So war die schwerste Arbeit einfach gemacht. Gilgia Nauser von MerNatur GmbH bereitete die Jungbäume mit dem Pflanzschnitt optimal vor. Zur Erweiterung der Vielfalt wurden vier Strauchgruppen gepflanzt, damit auch Kleinsäuger und Igel ein neues Zuhause finden.
Die Baumarten wurden so gewählt, dass bei der Ernte von verschiedenen Früchten profitiert werden kann. Mehr als die Hälfte der Bäume sind alte Sorten von ProSpecieRara. So hat es Äpfel-, Zwetschgen-, Mirabellen- und Quittenbäume. Darunter sind auch die alte Lagerapfelsorte Boskoop und die schorfresistente Rubinola. Es wurde besonders darauf geachtet, möglichst Sorten auszuwählen, die resistent sind gegen Mehltau und Schorf. Für die Biodiversität wurden Wildäpfel und Wildbirnen, Mispeln, Vogelbeeren und Elsbeeren gepflanzt.
Lukas Merkelbach von MerNatur organisierte die Bäume im Rahmen des Steinkauz-Wiederansiedlungsprojekts im Leimental. Die gesetzten Obstbäume bilden eine Grundlage für die Rückkehr des Steinkauzes. In einigen Jahren wird der Gartenrotschwanz hier passenden Lebensraum finden. Und in zehn Jahren brütet vielleicht der Wiedehopf wieder hier. Eine Vision mit guten Chancen.
BirdLife Schweiz führt den neuen Hochstammobstgarten auf der Liste von «Naturjuwelen-plus», einem schweizweiten Projekt zur Förderung der ökologischen Infrastruktur. Dies anerkennt den Wert der realisierten Aufwertung für unsere Natur. Die Projektkosten wurden gänzlich von den Besitzerfamilien getragen. Der NVT dankt ganz herzlich für diese Grosszügigkeit. Ein dickes Lob geht an alle Beteiligten der Pflanzaktion. Unsere Enkel werden sich an die Weitsicht der Leimentaler Baumpflanzer erinnern, wenn sie dereinst vor dem wunderschönen Obstgarten stehen.
Konrad Knüsel, Präsident Natur- und Vogelschutzverein Therwil



