Nicht nur der FC Ettingen muss dran glauben

  19.02.2026 Ettingen

Vorletzte Woche feierte die Vorfasnachtsveranstaltung «Guggerzytli» ihr zehnjähriges Bestehen. Die Vorstellung überzeugte mit kurzweiligen Geschichten, fröhlicher Musik und fasnächtlicher Atmosphäre.

Die Saaldekoration ist feierlich und die zahlreichen Laternen machen zusammen mit den Luftballons und dem Kuchen in XXL-Grösse klar, dass gleich zwei Ereignisse gefeiert werden: die bevorstehende Fasnacht und der zehnjährige Geburtstag des «Guggerzytli». Zahlreiche Besucherinnen und Besucher hatten sich für die diesjährige Premiere in der Turnhalle des Schulhauses Hintere Matten eingefunden, beide Vorstellungen vom Freitag und Samstag waren ausverkauft.

Die Ettinger Vorfasnachtsveranstaltung überzeugte auch dieses Jahr mit feierlicher Stimmung, lustigen Pointen, musikalischen Einlagen und viel Lokalkolorit. Sensationell war etwa das Elfi-Glöggli, das in seinem Geburtstagsständchen den einen oder anderen Ettinger aufs Korn nahm – allen voran den Fussballverein, der schlechter sei als der FC Basel, was etwas heissen wolle. Damit aber nicht genug. Der FC Ettingen könne auch am Eurovision Song Contest (ESC) teilnehmen: Es mache ihm bestimmt nichts aus, «Zero points» zu erhalten, er kenne es ja gar nicht anders.

Sogar Navi wundert sich
Themen waren auch der Musikverein, das Defizit der Gemeinde, die Restaurants und schliesslich auch Ettingen generell, das laut dem Elfi-Glöggli kein Schlafdorf, sondern ein «Komakaff» ist. So frage sogar das Navigationsgerät, wenn man Ettingen als Zielort eingebe, gleich zurück: «Bist du dir sicher?» Ebenfalls sehr gut beim Publikum angekommen sind D’Lumpesammler, eine Schnitzelbankformation aus Zwingen, die nicht nur mit guten Pointen, sondern auch mit ihrem Refrain zum Mitsingen das Publikum in den Bann zog. Das Repertoire hatte viel zu bieten und reichte von der Hommage an zehn Jahre Guggerzytli bis hin zum Therwil-Bashing.

Auch andere Formationen liessen sich von der Nachbarsgemeinde, oder besser gesagt «dem Ausland», wie Therwil von einer Reporterin in einer anderen Szene genannt wurde, inspirieren. Daran glauben mussten aber auch diverse Persönlichkeiten, so etwa Donald Trump, Emmanuel Macron und der Baselbieter Regierungsrat, der durch das mehrfache Verwenden von Ausreden «endlich das Recycling gelernt hat». Die Atmosphäre im Saal machte dabei mindestens genauso viel Freude wie das Geschehen auf der Bühne: Die Zuschauerinnen und Zuschauer, vom Teenie bis zur Pensionierten, amüsierten sich und applaudierten begeistert.

«Made in Ettige»
Was an einem Vorfasnachtsanlass natürlich nicht fehlen darf, ist Musik. Und die hat kaum Wünsche offengelassen: Da war zum einen die Basler Garde-Clique, die unter anderem mit schweizerdeutschen Liedern wie «Richi» zum Mitsingen animierte und für absolute Partystimmung sorgte. Oder auch die obligaten Gesangseinlagen der siebenköpfigen GuZy-Band, deren Sängerin Fabienne Jäggi international bekannte Stücke im Dialekt zum Besten gab: So wurde «Aux Champs-Elysées» zu «Hesch das scho gseh?», «Monday Morning» zu «Mäntig Morge» und der ESC-Song «Made in Switzerland» zu «Made in Ettige». Das absolute Highlight war der Jubiläumssong «10 Joor Guggerzytli» in der Melodie von «Truly Madly Deeply» aus den späten 1990er-Jahren.

Nicht wegzudenken ist vom Guggerzytli schliesslich sein Ensemble mit seinen humorvollen Kurzstücken. Für Lacher sorgten diesmal besonders unmotivierte Schülerinnen und Schüler, die in der dritten Primarklasse erst einmal das Buchstabieren lernen mussten, ein Ehepaar, das wegen einer falschen Todesanzeige in der Zeitung ganz schön ins Schwitzen geriet, und eine Dame, die in der Dating-Show «Härzblatt» die Wahl zwischen drei Männern hatte: einem Scheidungsanwalt, der mit einem fiktiven Hund spazieren geht, einem ehemaligen Fussballprofi aus Rumänien, der «Dienstleistungen für Männer» anbietet, und einem passionierten Tramfahrer, der eine Frau sucht, die mit ihm «bis zur Endstation fährt».

Klobürste statt Mikrofon
Und auch andere Figuren hatten so ihre Besonderheiten: So etwa der quirlige «Härzblatt»-Moderator, der mit den Schildern «Lachen» und «Applaudieren» das Publikum auf Knopfdruck um die entsprechenden Handlungen bat, der GuZy-News-Reporter Benno Vogel, der anstelle eines Mikrofons mit einer Klobürste aus «Därwil» berichtete, oder auch der Wanderer, der mit Blick auf Ettingen aus dem Nähkästchen plauderte und sich so manch philosophische Frage stellte: «Schmeckt Buchstabensuppe auch Analphabeten? Wer probiert Hundefutter, wenn auf der Verpackung ‹Besserer Geschmack dank neuer Rezeptur› steht? Und wo ist das Tote Meer gestorben?»

Ganz egal, ob Musik, Schnitzelbankvers oder Kurztheater: Das Guggerzytli ist mehr als nur eine Vorfasnachtsveranstaltung. Es ist ein Abend der Unterhaltung und der Gemeinschaft, der dank vieler Helferinnen und Helfer übrigens auch kulinarisch etwas zu bieten hat. Die Chance auf weitere zehn oder noch mehr Jahre stehen also gut. Ort und Datum für die elfte Ausgabe stehen jedenfalls schon fest: 30. und 31. Januar 2027 in Hofstetten.

Nathalie Reichel


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